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Dr. Mesaric

 
 
 

Frauen sind anders – Männer auch – selbst in der

Medizin (Gendermedizin)

 

Der Unterschied zwischen Frauen und Männern beschränkt sich

nicht nur auf rein äußerliche Merkmale.

 

Im medizinischen Bereich kommt der genderspezifische Aspekt immer stärker zum Tragen.

Bestimmte Medikamente entfalten beispielsweise bei Frauen eine andere oder verstärkte

Wirkung als bei Männern und Krankheiten zeigen bei verschiedenen Geschlechtern oftmals

eine unterschiedliche Symptomatik. In wissenschaftlichen Studien wurden bis vor kurzem

geschlechtsspezifische Unterschiede komplett vernachlässigt und Ergebnisse aus Untersu-

chungen, in denen ausschließlich oder hauptsächlich Männern untersucht wurden, einfach

auf Frauen übertragen.

 

Univ.-Prof. Dr.in Jeanette Strametz-Juranek, Fachärztin für Innere Medizin und Kardio-

logie und Vorsitzende der Österreichischen Gesellschaft für geschlechtsspezifische

Medizin, betonte vor allem den interdisziplinären Zugang dieser noch relativ jungen, aber

zunehmend wichtigen, Disziplin: „Die Praxis beweist, dass zwischen Männern und Frauen

signifikante Unterschiede bezüglich der medizinischen Versorgung bestehen. Dies schließt

fast jeden Bereich mit ein. Aus diesem Grund ist es eine besonders wichtige Aufgabe der

Gesellschaft, interdisziplinär und fachübergreifend genderspezifische Aus- und Weiterbild-

ung anzubieten und zu fördern.“

 

Hintergrundinformation zum Thema Gendermedizin

 

Gendermedizin ist eine noch sehr junge Wissenschaft. Sie hat sich zum Ziel gesetzt,

bislang entwickelte Forschungsfragen, Diagnose- und Therapieansätze durch einen

geschlechtssensiblen Blick auf Gesundheit und Krankheit aus biologischer und psycho-

sozialer Sicht zu ergänzen.

 

Gender umfasst die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten Geschlechtsrollen

von Frauen und Männern. Aus ihnen resultieren unterschiedliche Bedürfnisse, Interessen

und Kompetenzen von Frauen und Männern. Das biologische Geschlecht und „Gender“

als die soziale Geschlechtsrolle bestimmen somit auch wesentlich die Gesundheit.

 

Der augenscheinlichste Unterschied zwischen Männern und Frauen ist der Unterschied

in der Lebenserwartung. In Europa ist die Lebenserwartung in den letzten 50 Jahren

stetig angestiegen. Männer hatten im Jahr 2006 eine durchschnittliche Lebenserwar-

tung von 77,1 Jahren, Frauen von 82,7 d.h. Frauen leben in Österreich um 5,6 Jahre

länger als Männer (Statisitik Austria 2008)

 

Bekannt aus der deskriptiven Forschung ist, dass Männer und Frauen ein unterschiedlich

ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein haben. Frauen werden stets als gesundheitsbe-

wusster eingestuft als Männer und vielfach werden Geschlechtsunterschiede in der

Gesundheit auf unterschiedliche Verhaltensweisen zurückgeführt. Besonders sind diese

unterschiedlichen Verhaltensweisen zu erkennen bei Lebensstilfaktoren und in diesem

Bezug mit der Entwicklung von Risikofaktoren wie Übergewicht, Hypercholesterinämie,

Hypertonie, weiters der Bereitschaft, das Verhalten in Richtung gesünderem Lebensstil

zu verändern.

 

Ernährungsbewusstsein und Gewichtsbewusstsein sind bei Frauen ebenfalls stärker

ausgeprägt, welches natürlich auch Gefahren in sich birgt. Bereits in jungen Jahren

problematisieren Männer ihr Gewicht weniger als junge Frauen, sie stufen sich auch eher

als normalgewichtig ein, auch wenn sie übergewichtig sind. Übergewichtige Frauen schät-

zenihr Gewicht zum Großteil realistisch ein. Mädchen und junge Frauen haben oft

aufgrund der medialen Vorbilder ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper und neigen zu

gesundheitsschädlichen Diäten.  

 

Junge Männer äußern sich kaum über Krankheitssymptome und verdrängen diesbezügliche

Ängste, sie tendieren auch eher zu Extremsportarten und konsumieren unkritisch leistungs-

steigernde Mittel. Darüber hinaus sind Mädchen öfter als Burschen Opfer sexueller Gewalt

mit entsprechenden körperlichen und seelischen Folgen. Wichtige Unterschiede gibt es z.B.

auch im Suchtverhalten, so trinken und rauchen Frauen weniger als Männer, sind jedoch

eher medikamentenabhängig.

 

Wenn Erkrankungen sich im Verlauf oder Ausprägung bei Männern und Frauen unter-

schiedlich zeigen, so können, wie oben genannt dafür gesellschaftliche oder psychosoziale

Ursachen verantwortlich sein. Es gibt aber auch Krankheiten, die an ein bestimmtes

biologisches Merkmal gebunden sind. Beispiele dafür sind die bösartigen Neubildungen an

den Geschlechtsorganen - Prostatakrebs bei den Männern; Brustkrebs bei den Frauen.

Brustkrebs ist die häufigste Todesursache bei Frauen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren

und bildet damit einen frauenspezifischen Handlungsschwerpunkt.

 

Frauen & Risikofaktoren für einen Herzinfarkt

 

Mythen und Fakten:  

 

Mythos Nr.1: Frauen glauben, dass sie mehrheitlich an Krebs sterben, nämlich an Brust-

krebs

Faktum aber ist: 1 von 30 Frauen stirbt an Brustkrebs; 1 von 2,6 Frauen stirbt an einer

Herz-Kreislauferkrankung.

 

Mythos Nr. 2: bisher wurde davon ausgegangen, dass Herz-Kreislauferkrankungen für

Frauen weniger gefährlich sind.

Faktum aber ist: Herzinfarkte sind häufiger tödlich für Frauen unter 60 Jahren als für

Männer; 25% der Männer und 38% der Frauen sterben innerhalb des ersten Jahres nach

einem Herzinfarkt.

 

Mythos Nr. 3: bisher ist die Wissenschaft davon ausgegangen, dass die Ursache eines

Herzinfarktes bei Männern und Frauen gleich ist.

Faktum ist: eine aktuelle Studie konnte allerdings nachweisen, dass bei ca. einem Drittel

der Frauen die Ursache eines Herzinfarktes eine andere ist, als die von Männern.

 

Mythos Nr. 4: die Ärzteschaft und die Betroffenen selbst sind davon ausgegangen, dass

die typischen Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes bei Männern und

Frauen denselben Stellenwert haben.

Faktum ist: durch Nikotin wird das Risiko eine Herz-Kreislauferkrankung zu bekommen bei

Männern um das 2,5 fache, bei Frauen um 4,5 fache gesteigert, männliche Diabetiker

haben ein 3-faches Risiko, Diabetikerinnen haben ein 8-fach erhöhtes Risiko eine Herz-

Kreislauferkrankung  zu bekommen.

 

Mythos Nr. 5: auf Stress reagieren Männer und Frauen gleich.

Faktum ist: negativer Stress im Bereich des beruflichen Umfelds steigert bei Frauen das

Risiko für einen Herzinfarkt um 69%, durch Stress im familiären Bereich wird bei Frauen

das Risiko für einen Herzinfarkt sogar um 300% gesteigert. Das höchste Risiko für die

Entstehung einer Herz-Kreislauferkrankung haben alleinerziehende Mütter mit niedrigem

Einkommen.

 

Fazit: Durch Kontrolle der Cholesterin- und Blutdruckwerte und durch den Nikotinverzicht

wird bei Frauen im Alter von 40-59 Jahren das Risiko um 42% und bei Männern um 72

Prozent gesenkt. Derzeit wird auch international bei Frauen über niedrigere Zielwerte für

den Blutdruck diskutiert.

 

Das bedeutet für die klinische Praxis, dass Aufklärung und eine strenge Kontrolle der

Risikofaktoren und deren frühzeitige Behandlung bei Frauen einen besonderen Stellenwert

einnehmen.

 

Aufklärungskampagne gegen Herz-Kreislauferkrankungen

 

bei Frauen in NÖ In Planung ist derzeit ein Projekt zur Prävention von Herz-Kreislauferkran-

kungen bei Frauen in Niederösterreich in Kooperation mit dem Land Niederösterreich. Dabei

sollen Broschüren, eine eigens für diesen Zweck zur Verfügung gestellten Website über

alte und neue Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauferkrankung bei Frauen aufklären. Auch

das Thema „Übergewicht bei Kindern“ als Risiko für eine spätere Herz-Kreislauferkrankung,

soll verstärkt behandelt werden. Näheres dazu demnächst auf: www.gendermedizin.at

 

Erektile Dysfunktion  

 

Zu den Risikofaktoren zählen chronische Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck, erhöhte

Blutfettwerte, Diabetes mellitus und Rauchen. Den Zusammenhang zwischen erektiler Dys-

funktion und koronaren Herzkrankheiten bestätigt eine Studie der Urologischen Abteilung

des SMZ-Ost in Wien. Sie zeigt, dass Männer mit einer mäßigen bis schweren erektilen

Dysfunktion ein, um bis zu 65 Prozent, höheres Risiko haben, innerhalb der nächsten

zehn Jahre einen Herzinfarkt zu erleiden als Gesunde. So gesehen ist der Penis die

„Antenne des Herzens“. Die ersten Anzeichen einer systemischen, arteriellen Erkrankung

äußern sich spät, dann aber vehement. Zunächst sind die kleinen Arterien betroffen, was

sich symptomatisch kaum bemerkbar macht, außer im Rahmen der erektilen Dysfunktion.

 

Weitere Ursachen können Erkrankungen des Nervensystems, wie Morbus Parkinson,

Multiple Sklerose und Verletzungen des Rückenmarks, Operationen im kleinen Becken,

hormonelle Störungen, Depressionen, chronische Niereninsuffizienz und Radfahren länger

als drei Stunden pro Woche sein. Eine Vielzahl an Medikamenten kann zu einer erektilen

Dysfunktion führen, darunter besonders jene, die zur Behandlung der oben angeführten

Erkrankungen angewandt werden. Neben dem schon erwähnten Nikotinabusus spielen

der Alkohol- und Drogenmissbrauch (Kokain, Marihuana) eine Rolle bei der Entwicklung

einer erektilen Dysfunktion. Eine gewisse prophylaktische Rolle spricht man der Schul-

bildung des Mannes zu, je höher der Bildungsstand desto seltener tritt die erektile

Dysfunktion auf. Möglicherweise verfügen Gebildete über bessere Coping-Strategien.

Eine direkte Verbindung besteht zwischen der erektilen Dysfunktion und dem Alter.

 

Testosteronmangel kann zu fehlender Libido (Stufe 1) führen, wobei ein niedriger

Testosteronspiegel noch keine erektile Dysfunktion auslösen muss. Stress, Versagens-

angst, Leistungsdruck, etc. können Probleme bei der sexuellen Stimulation (Stufe 2)

verursachen, während psychische Faktoren bei Störungen des Orgasmus und der

Ejakulation (Stufe 3) ebenso eine Rolle wie bei fehlender Befriedigung (Stufe 4) spielen. 

 

Die häufigsten sexuellen Störungen beim Mann ist der vorzeitige Samenerguss mit 21%,

dann folgen erst erektile Dysfunktion und Libidomangel mit je 5%. Bei der Frau steht

 die mangelnde Libido mit 22% im Vordergrund, vor Störungen der Erregbarkeit (14%)

und Schmerzen beim Verkehr.

 

Neben dem Bildungsgrad kommt auch der Partnerschaft eine prophylaktische Rolle zu,

der Mann kann sich mit seiner sexuellen Funktionsstörung in die Geborgenheit einer

Beziehung zurückziehen. Während in den letzten Jahren mehr Augenmerk auf das

Funktionieren des Schwellkörpers gelegt wurde, gewinnt die Partnertherapie immer

mehr an Bedeutung in der Behandlung der erektilen Dysfunktion. Sie wird als Problem

angesehen, dessen Existenz und Therapie nicht nur für den Betroffenen, sondern

auch für seine Partnerin von Bedeutung ist. Neben dem partnerschaftlichen Zugang

spielt auch Zeit eine große Rolle in der Behandlung der Erkrankung. Das Paar muss

das Medikament erst in sein Liebesleben integrieren, und erst eine mehrmalige Anwen-

dung sichert die Chance auf einen sicheren Erfolg.

 

„Mein abschließendes Statement lautet: Sex spielt sich im Kopf ab, der Körper ist nur

ausführendes Organ“, so Dr. Michael  Eisenmenger.

 

Gendermedizin in der Allgemeinmedizin  

 

1.Die Allgemeinmedizin stellt normalerweise den ersten Kontaktpunkt im Gesundheits-

system dar und gewährleistet einen offenen und unbegrenzten Zugang für alle

NutzerInnen und für alle Gesundheitsprobleme, unabhängig von Alter, Geschlecht oder

anderen Merkmalen der betroffenen Person. 

 

2.Sie arbeitet mit einem personenbezogenen Ansatz, der auf das Individuum sowie auf

dessen Familie und Lebensumfeld ausgerichtet ist.

 

Es ergeben sich vier Bereiche in denen genderspezifische Tatsachen vermehrt von

Bedeutung sind:  

 

1.Die Diagnostik geht in der Allgemeinmedizin vom Symptom aus. Es gilt, die je nach

Geschlecht verschiedene Symptomausprägung von Krankheitsbildern zu beachten. Als

Beispiele seien der Herzinfarkt und die Depression erwähnt.

 

2.Das Wissen um Unterschiede in der Beurteilung von Symptomen durch die Patientin

oder den Patienten muss erworben werden und in die Diagnostik einfließen. Ein gutes

Beispiel findet sich hier beim Symptom „Schmerz“.  

 

3.Verschiedene Rollenbilder und damit verbundene Lebensumstände beeinflussen die

Präsentation von Beschwerden und auch den Verlauf von Erkrankungen. Eine sich um

ihren erkrankten Partner liebevoll kümmernde aufopferungsvolle Frau kann die eigenen

Beschwerden lange verharmlosen und vor sich selbst verstecken.

 

4. Die Wahrnehmung für Einflüsse auf das Kommunikations- und Untersuchungsverhalten,

die durch das Geschlecht des Arztes bedingt sind, muss geschult werden, um Unter –

oder Fehlbehandlung zu vermeiden. Die eigenen Rollenvorstellungen dürfen nicht auf den

Umgang mit PatientenInnen übertragen werden. Ein wahrgenommener Partnerkonflikt darf

nicht durch Parteinahme für einen der Beteiligten zur Unterversorgung des anderen führen.  

 

Weiterführende Informationen finden Sie unter http://www.noegkk.at  

 

 

Autor: Eveline Ioannidis

 

Letzte Aktualisierung: 18.09.2011

 

Quelle:

Public Health PR Projektgesellschaft / OTS0248 5 CI 0732 PHP0001

 

 

 

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