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Dr. Mesaric

 
 
 

Rheuma-Lexikon, Buchstabe C

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Chronisch entzündliche

Darmerkrankungen (CED)

Magen, Darm

1 = Magen

2 = Dünndarm

5 = Wurmfortsatz

4 = aufsteigender Teil des Dickdarms

3 = absteigender Teil des Dickdarms

6 = Mastdarm

7 = After

Unbekannt - tabuisiert - unterbehandelt; frühe Diagnose und kompetente

Therapie verbessern die Prognose; Neue Erkenntnisse zu CED Grundlage für

neuartige Therapien

Sehr vorsichtigen Schätzungen zu Folge sind in Österreich zumindest 30.000 Menschen

an den CED LinkColitis ulcerosa (Cu, Chronische Dickdarmentzündung) oder

LinkMorbus Crohn (MC, kann den kompletten Verdauungstrakt befallen, vom Mund bis

zum After) erkrankt. "Das sind fast doppelt so viele Menschen wie in Kufstein leben

bzw. entspricht das einem Viertel der Innsbrucker Bevölkerung.

Hoch gerechnet sind in Tirol etwa zwischen 2.000-3.000 Menschen an CED erkrankt.

Aktuellen Berechnungen zufolge könnten sogar wesentlich mehr Personen betroffen

sein", erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Herbert Tilg (Interne Abteilung, Krankenhaus Hall

i.T.).

"Eine Auswertung des ÖBIG zeigt, dass in Österreich die Diagnosefälle in den

vergangenen 15 Jahre um plus 270% angestiegen sind." Der Beginn dieser eingreifen-

den und die Patienten sehr schwer belastenden Erkrankungen liegt meistens im

Jugend- und jungen Erwachsenenalter. Bedenklich ist auch das zunehmend jüngere

Manifestationsalter von CED: Deutsche Studien zeigen, dass jedes Jahr 7,6 Kinder pro

100.000 Bewohner an CED erkranken.

 

Dramatisch verschlechterte Lebensqualität, erhöhtes Darmkrebs-Risiko,

häufige Operationen

CED dürfen nicht mit Gastritis oder dem LinkReizdarmsyndrom verwechselt werden:

Je nach Ausprägung der CED reicht das Spektrum von einem leichten Krankheitsbild

bei einzelnen Patienten bis hin zu schwersten Krankheitsverläufen mit dramatisch ver-

schlechterter Lebensqualität. Etwa 90% der CED-Patienten leiden phasenweise bis

lebenslang an Durchfall bis hin zur Inkontinenz, 85% an Bauchschmerzen. Häufig sind

Blutbeimengungen im Stuhl und eitrige Verbindungsgänge vom Darm zu Haut, Darm,

Blase, Scheide, Muskulatur, etc. "Das Risiko für Dickdarmkrebs ist bei CED, vor allem

bei nicht ausreichender Behandlung, bis zu zehnfach erhöht, 15 Jahre nach Diagnose

müssen sich 34 % der Patienten einer Operation am Darm, 14% zwei Operationen,

und 22% drei oder mehreren Operationen unterziehen - bis hin zur Dickdarm-Ent-

fernung und dem Einsetzen eines künstlichen Darmausganges", so Prim. Tilg. "Es

verwundert nicht, dass CED zu den tabuisierten Krankheiten zählen, über die "man

nicht gerne spricht"."

 

Massive Einschnitte in vielen Lebensbereichen - Nichtwissen verzögert

Erstkontakt mit Ärzten

CED bedeuten oft massive Einschnitte in vielen Lebensbereichen: Freizeitaktivitäten

werden reduziert, was zu einem allmählichen Verlust des Freundeskreises, zu sozialem

Rückzug bis hin zu totaler Isolation führen kann. Die Krankheit wird oft als

beschämend oder abstoßend empfunden, was Auswirkungen auf Partnerschaft und

Sexualität haben kann. Dazu kommen oft und Probleme am Arbeitsplatz.

 

Allerdings sind laut Umfragen CED nur 7% der ÖsterreicherInnen ein Begriff. Auch

deshalb werden erste Anzeichen oft nicht ernst genommen und es vergeht viel Zeit

bis zu einer exakten Diagnose, wodurch die Krankheit unbehandelt fortschreitet.

Fehlende oder verzögerte Weiterleitung der Patienten an Spezialisten bewirkt eine

Verschleppung der Diagnose bis zu 8 Jahre bei MC und bis zu 2 Jahre bei Cu.

 

CED-Check: Antworten auf zehn einfache Fragen geben

Aufschluss über das Erkrankungs-Risiko

     

  1. Besteht/bestand länger als vier Wochen Durchfall (= mehr als drei flüssige

    Stühle pro Tag) oder wiederholte Episoden von Durchfällen?

  2. Bestehen/bestand länger als vier Wochen Bauchschmerzen oder wiederholte

  3. Episoden von Bauchschmerzen?

  4. Besteht/bestand regelmäßig oder wiederholt über mehr als vier Wochen Blut im

  5. Stuhl?

  6. Bestehen/bestanden nächtliche Bauchbeschwerden wie Bauchschmerz oder

  7. Durchfall?

  8. Besteht/bestand regelmäßig oder wiederholt über mehr als vier Wochen

  9. schmerzhafter Stuhldrang?

  10. Bestehen/bestanden Fisteln oder Abszesse im Analbereich?

  11. Besteht/bestand allgemeines Krankheitsgefühl, Schwäche oder Gewichtsverlust?

  12. Bestehen/bestanden Beschwerden außerhalb des Magen-Darm-Traktes wie

  13. LinkGelenksschmerzen, Augenentzündungen oder spezifische Hautveränder-

    ungen (z.B. mehrere unscharf begrenzte Flecken bzw. Knötchen unter der Haut,

    die leicht erhaben und sehr druckempfindlich sind)?

  14. Existiert in der Familienanamnese ein Hinweis auf Morbus Crohn oder Colitis

  15. ulcerosa?

  16. Können andere Ursachen einer Durchfalls-Erkrankung ausgeschlossen werden,

  17. z. B. Fernreisen, Infektionen, Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten,

    Medikamenteneinnahme wie NSAR (Antirheumatika) oder Antibiotika, sexuelle

    Praktiken?

 

Wird eine der Fragen 1. bis 8. mit "Ja" beantwortet, bedarf es einer ärztlichen

Abklärung.

Wird zusätzlich die Frage 9. und/oder 10. mit "Ja" beantwortet, kann das den

Hinweis auf CED erhärten.

 

Biologika lindern Beschwerden und verbessern die Prognose - Entzündungen

heilen ab

"Eine kompetente Diagnose ist Voraussetzung für eine angemessene Behandlung, und

sie kann Darmoperationen vorbeugen. Mit innovativen Medikamenten, den LinkBiologika,

vom Typ der TNF-alpha Blocker können CED sehr gut behandelt werden. Patienten

unter Therapie mit TNF-alpha Blockern wie zum Beispiel LinkInfliximab weisen meistens

eine rapide Besserung der Beschwerden, eine Abheilung der Entzündung im Darm und

eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Arbeitsfähigkeit auf", erklärt Prim. Tilg.

"Die Therapie mit Infliximab führt bei einem hohen Anteil der Patienten zu vollständiger

Abheilung der Schleimhäute - dies scheint kein "Klasseneffekt" zu sein. Nur Infliximab

ist für die Cu bzw. den fistulierenden MC und MC bei Kindern zugelassen."

 

Die SONIC Studie, deren 26-Wochen-Ergebnisse im Oktober auf dem europäischen

Gastroenterologen-Kongress (UEGW) in Wien vorgestellt wurden, zeigt dass bei MC-

Patienten Infliximab der Therapie mit dem Standard-Immunmodulator LinkAzathioprin

(AZA) überlegen ist, die im Therapieschema meistens vor Infliximab eingesetzt wird.

Mit Infliximab behandelte Patienten erreichen signifikant häufiger ein Steroid-freies

Nachlassen von Krankheitssymptomen (Link"Remission") - den primäreren Endpunkt der

Studie - als Patienten, die mit AZA alleine behandelt wurden. Patienten, die mit

LinkRemicade behandelt werden, erreichen signifikant häufiger eine vollständige

Schleimhautabheilung als Patienten mit einer AZA-Monotherapie.

 

"All das zeigt, wie wichtig Aufklärung und Information möglichst vieler Menschen ist,

damit erste mögliche Anzeichen einer CED - an sich selbst, an Freunden und

Verwandten - ernst genommen werden und ein Arzt aufgesucht wird. Damit die

Krankheit nicht unerkannt fortschreitet und sich die Prognose verschlechtert.

Weil eine möglichst frühzeitige Diagnose von so zentraler Bedeutung ist, wurde ein

Test erarbeitet, der rasch und einfach Hinweise auf CED geben kann", so Prim.

Tilg. (Siehe Textende)

 

Prof. Kaser: Genforschung entdeckt Schlüssel für Ursachen-Bekämpfung

"Bis vor kurzem hatten wir keinen Anhaltspunkt, um die Ursachen dieser Krankheits-

bilder zu bekämpfen. Wir wissen zwar, dass Umweltfaktoren eine Rolle spielen, nicht

aber, welche. Und die familiäre Häufung dieser Erkrankungen zeigt uns auch die

genetische Komponente", so Univ.-Prof. Dr. Arthur Kaser (Abteilung für Gastro-

enterologie und Hepatologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin der

Medizinuniversität Innsbruck). Mittels neuer Sequenzierungstechniken konnten eine

ganze Reihe von Genen ausfindig gemacht werden, deren krankhafte Veränderung

mit dem Ausbruch von CED assoziiert sind. Bei einem davon, dem XBP1-Gen, konnte

nun erstmals die lückenlose Wirkungskette von der Eiweißproduktion bis hin zur

"fertigen" Erkrankungen aufgezeigt und nachgewiesen werden.

 

Neue Erkenntnisse zu Darmepithel und Darmflora eröffnet gänzlich neuen

Blickwinkel

Bisher dachten die Forscher, dass das Darmepithel - die dünne Zellschicht, die unser

Immunsystem von den Myriaden von Darmbakterien trennt, ohne die wir nicht

überleben könnten - weder auf Impulse von außen noch von innen reagieren würde.

"Unsere Forschungen zeigen das Darmepithel nun als ein hoch aktives Immunpotenzial,

das unter anderem körpereigene Antibiotika herstellt. Eine Mutation des XBP1-Gens

bewirkt eine Störung der Eiweißproduktion dieser Zellen und damit Stress, der die

Schleimhaut außer Stande setzt, mit Darmbakterien richtig umzugehen und vor allem

auf entzündliche Signale angemessen zu reagieren. Zumindest bei einem Teil der CED-

Patient/innen ist dies die Ursache ihrer Erkrankung", erklärt Prof. Kaser. "Und weil wir

diesen Ablauf kennen, können wir erstmals auch an die Entwicklung eines Wirkstoffs

denken, der diese Verursachungskette an der Wurzel unterbricht. Wir rechnen damit,

dass ein solcher in fünf bis zehn Jahren einsatzbereit sein könnte."

 

Die Zahl der Darmbakterien, die ein menschlicher Körper beherbergt, beträgt etwa das

Zehnfache der Anzahl der Zellen, aus denen er besteht - ein Universum von DNA also,

das wir noch in keiner Weise verstehen, so Prof. Kaser: "Wenn die normale, gesunde

Darmflora genetisch veränderte Epithelzellen gleichsam zum Entgleisen bringen kann,

ist es mehr als nur denkbar, dass Veränderungen der Darmflora auch gesunde

Epithelzellen zu krankhaften Reaktionen anregen können. Ich bin überzeugt, dass die

Sequenzierung der Mikrobiota, die DNA-Analyse der Darmflora also, Überraschungen

für uns bereithält, die in zehn bis 15 Jahren auch therapeutisch nutzbar sein werden."

PatientInnen, die sich mit den typischen CED-Symptomen an die Universitätsklinik

Innsbruck wenden, wird nicht nur eine kompetente Diagnose geboten. Prof. Kaser:

"Weil wir an vielen internationalen Studien teilnehmen, kann häufig auch mit viel

versprechenden neuen Medikamenten behandelt werden, die für den allgemeinen

Gebrauch noch nicht zugelassen sind."

 

Patientin Steinkellner/ÖMCCV: "Der wichtigste Schritt ist, sich wieder hinaus

ins Leben zu wagen."

"Vom Auftreten der ersten Beschwerden bis zu meiner Diagnose Link"Morbus Crohn" im

Jahr 1981 vergingen fast fünf Jahre - fünf Jahre mit immer wiederkehrenden Anfällen

von Fieber, Bauchschmerzen und Erbrechen", berichtet Manuela Corinna Steinkellner

(Zweigstellenleiterin der Österreichischen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung

(ÖMCCV) Tirol und Morbus Crohn-Patientin). "Da alle Blutbefunde in Ordnung waren,

hielt man mich für eine Hypochonderin." Ein simples Darmröntgen mit Kontrastmittel

brachte schließlich zu Tage, dass der Dickdarm und Dünndarm über 25 Zentimeter

nur noch zu 4 Millimeter durchlässig war: "Ich war inzwischen also mit einem fast

völligen Darmverschluss herumgelaufen. Die Folge war eine Notoperation, sechs

Monate Krankenhaus und der Verlust meines Arbeitsplatzes."

 

"Da mir ein großer Teil meines Darms - und inzwischen in weiteren Operationen immer

mehr - entfernt werden musste, leide ich seither nicht nur an ständigen Schmerzen,

sondern vor allem an den typischen Durchfällen mit flüssigem Stuhl, der, wenn es

soweit ist, nicht zu halten ist. Ich habe mich 15 Jahre lang mit meiner Krankheit

versteckt; habe aus Angst, dass "mir etwas passiert", keine Einladungen mehr

angenommen und fast alle Sozialkontakte abgebrochen. Vor rund zehn Jahren habe

ich aber begonnen, mich schrittweise wieder außer Haus zu trauen.

 

Seither führe ich das typische Leben einer Morbus-Crohn-Betroffenen: Alles muss zu

150 % organisiert sein; natürlich möchten wir die Folgen unserer Krankheit nicht

offenbar werden lassen. Jeder Gang auf die Straße, jeder Einkauf, jeder Termin oder

Ausflug bedarf einer umfassenden Planung: Wann darf ich was essen oder trinken,

damit "es" sich dann ausgeht? Wir planen praktisch von Klo zu Klo; meiden Geschäfte,

in denen wir nicht auf die Toilette gehen dürfen.

Es darf nicht vergessen werden, dass von Morbus Crohn nicht nur die Kranken selbst,

sondern auch ihre Angehörigen, Lebenspartner und Freunde massiv betroffen sind.

Auch sie sind mit unserer Krankheit, unseren Eigenheiten, unserem Missmut und

unserer Trauer konfrontiert und müssen damit erst umgehen lernen - was so schwierig

ist, dass viele Beziehungen daran zerbrechen."

 

ÖMCCV Tirol:

Tel: 06507283855; 0512-932750;

manuela.steinkellner@oemccv.at;

www.oemccv.at

 

"Schon um meine Angehörigen zu entlasten habe ich mich daher entschlossen, initiativ

zu werden und habe die Leitung der Geschäftsstelle Tirol der ÖMCCV übernommen.

Meine wichtigste Aufgabe sehe ich darin, die von einer CED Betroffenen zu ermutigen,

wieder hinauszugehen und am Leben teilzunehmen. Alle unsere Service-Angebote und

auch mein persönliches Angebot, als quasi 24-Stunden-Hotline zur Verfügung zu

stehen, verfolgen dieses Ziel. Es freut mich, wenn einer, der sich schon jahrelang

nicht auf die Straße getraut hat, sich jetzt ein Auto gekauft und an den Garda-See

auf Urlaub gefahren ist", sagt Steinkellner.

 

 

Quelle:

B&K Medien

Mediengespräch zu "Update Gastroenterologie" (Hall i.T.)

Bildquelle: William Crochot science-et-vie.net/

 

Weitere Informationen:

LinkErkrankungen des Darmtraktes inkl. Laborwerte

LinkChronisch-entzündliche Darmerkrankungen inkl. Laborwerte

 

 

 

Schlüssel für Behindertentoiletten

zu beziehen über: euro-key

ÖAR

Kennwort: euro-key

Stubenring 2/1/14 1010 Wien

Tel. +43-(0)1-513 15 33

e-mail: dachverband@oear.or.at

 

Der euro-key wird, aufgrund einer Förderung des Bundesministeriums für soziale

Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, von der LinkÖsterreichischen

Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (ÖAR) gratis abgegeben.

 

Weitere Informationen:

LinkWer kann bestellen?

 

Autor: Eveline Ioannidis

 

Stand: 01.10.2011

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