rheuma-hand      rheuma-selbst-hilfe logo   logo
         
   
Home     Forum
         
    Rheuma-Lexikon, Buchstabe C    
 

Ärzteliste

SHG

Formulare

 
 
 

Forum

Chat

Lexikon

Laborwerte

Links

Archiv

Impressum

Über uns

Dr. Mesaric

 
 
 

Rheuma-Lexikon, Buchstabe C

- A - B - C - D - E - F - G - H - I - J - K - L - M
 
- N - O - P - Q - R - S - T - U - V - W - X - Y - Z -

Cortison (Kortison, Glukokortikoide, Steroide)

 

 

Definition

 

Cortison ist ein chemisches Medikament, das sich vom Cortisol (= Hydrocortison)

ableitet. Cortisol gehört zu den Glucocorticosteroiden oder Corticosteroiden, das sind

natürliche Hormone der Nebenniere. Die Nebenniere heißt so, weil sie neben der Niere

liegt, mit der Niere selber hat die Nebenniere nichts zu tun.

Cortisol ist ein lebensnotwendiges Hormon. Ohne Cortisol kann der Mensch nicht leben;

es beeinflußt den Mineral- und Wasserhaushalt, also Stoffwechselvorgänge, hilft bei

der Entzündungsbekämpfung im Körper, steuert einige Abläufe in der körpereigenen

Abwehr (dem Immunsystem) und unterstützt ihn bei verschiedenen Belastungen

(Stress).

Die Hormonbildung der Nebenniere folgt einem Tag-Nacht-Rhythmus:

das Produktionsminimum liegt um Mitternacht, das Produktionsmaximum morgens

zwischen 6:00 und 8:00 Uhr. 70% der Tagesproduktion werden in den Morgenstunden

ausgeschüttet, unter Streß steigt die Cortisolproduktion bis zum 10-fachen an.

 

Cortison, als Medikament

 

Cortisol und seine Derivate stehen seit mehr als 50 Jahren im Dienste der Medizin.

Glukokortikoide (GC) sind für eine Vielzahl von Erkrankungen die Therapiegrundlage

bei Kindern und Erwachsenen, wobei neben Gebieten wie der Lungenheilkunde, der

Onkologie oder Gastroenterologie vor allem die Rheumatologie ein bevorzugter

Einsatzbereich für Cortisol ist. Cortison ist als Medikament (z.B. Decortin, Decortin H)

der stärkste Entzündungshemmer, den wir kennen.

 

"Cortison", Glucocorticoide und Steroide sind verschiedene Namen für die gleiche

Medikamentengruppe. Die verschiedenen Cortisone unterscheiden sich vor allem

hinsichtlich ihrer Wirkungsstärke und Wirkdauer, aber nicht in der Art ihrer Wirkung.

Verabreicht werden sie oral (Tabletten und Kapseln), lokal (Salbe, Dosieraerosol,

Darmeinlauf und Spritzen in Gelenkspalt) sowie als Injektion in eine Vene (i.V.).

 

25 mg Cortisol entsprechen in etwa der täglichen Produktion der Nebennierenrinde

beim Menschen. Darauf bezogen ergeben sich die Wirkungsstärke verschiedener

Glukokortikoide aus der klinischen Praxis wie in der folgenden Tabelle dargestellt:

 

Medikament

Handelsname(n)

Wirkstärke 1

Grenzdosis 2

Anmerkungen

Kortison

z. B. Cortison CIBA ®

0,8

25 mg / Tag

körpereigenes Hormon,

wird nicht mehr zur

Rheumatherapie verwendet

Kortisol

(= Hydro-

Kortison)

z. B. Hydrocortison

Hoechst ®

1

20 mg / Tag

körpereigenes Hormon,

wird nicht mehr zur

Rheumatherapie verwendet

Prednyliden

Decortilen ®

4

6 mg / Tag

Alternative zu Prednisolon

Deflazacort

Calcort ®

4 - 5

6 mg / Tag

Alternative zu Prednisolon

Prednison 

z. B. Decortin ®,

Prednison-Hexal

4

5 mg / Tag

Umwandlung zu Prednisolon

in der Leber

Prednisolon

z. B. Decortin H ®,

Prednihexal ®

4

5 mg / Tag

Standard-Medikament in

der Rheumatherapie

Methyl-

Prednisolon

z. B. Urbason ®,

Metypred ®

5

4 mg / Tag

Alternative zu Prednisolon

Triamcinolon

z. B. Volon ®,

Delphicort ®

5

4 mg / Tag

als Kristallaufschwemmung

geeignet zur Gelenk-Injektion

Fluocortolon

Ultralan ®

5

5 mg / Tag

Alternative zu Prednisolon

Betamethason

z. B. Celestamine ®,

Celestan ®

25

0,75 mg / Tag

zur kurzzeitigen sehr hoch

dosierten Therapie (z. B.

schwere Allergien)

Dexamethason

z. B. Fortecortin ®,

Dexa-Phlogont ®

25

0,75 mg / Tag

zur kurzzeitigen sehr hoch

dosierten Therapie (z. B.

schwere Allergien)

1 Erläuterung Wirkstärke: Prednisolon hat eine Wirkstärke von 4. Das bedeutet, 1 mg Prednisolon

wirken so stark wie 4 mg Kortisol.

 

2 Erläuterung Grenzdosis: Bei Gabe der Grenzdosis entspricht die Menge des Kortison-Präparats der

körpereigenen Kortisol-Produktion. Bei Therapie im Bereich der Grenzdosis ist das Risiko für

unerwünschte Wirkungen gering.

 

Medikamente zur örtlichen Anwendung bei Darm- oder Lungenerkrankungen wie Budesonid (z. B.

Budenofalk ®, Pulmicort ®) oder Fluticason (z. B. Flutide ®) sind nicht aufgeführt.

 

Das zur Freisetzung von körpereigenem Kortisol führende Hormon ACTH (Synacthen ®) wird wegen

besonders vieler Nebenwirkungen heute nicht mehr zugelassen.

 

Bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen wird Cortison mit unterschiedlichen

Zielen eingesetzt. Dabei ist ein Hauptunterschied, ob es für eine sogenannte akute,

kurzdauernde Behandlung oder als längerdauernde Behandlung verwendet wird

("Langzeit-Therapie"). In akuten Phasen benötigt man Cortison, wenn cortisonfreie

Entzündungshemmer (NSAR = nichtsteroidale Antirheumatika) nicht ausreichend

wirksam sind.

In der Rheumatologie zählen Cortison zu den DMARDs (= disease modifying

antirheumatic drugs) im Sinne einer Langzeitwirkung bei entzündlich-rheuma-

tischen Erkrankungen mit einer Verhinderung der radiologischen Progression und einer

Verbesserung der Befindlichkeit mit Schmerzreduktion und Steigerung der Beweglichkeit

und des Allgemeinzustandes. Im Gegensatz zur früher üblichen Meinung ändern Cortison

den Verlauf der Krankheit sogar dann, wenn es zwischendurch abgesetzt wird. Zugleich

ist es nicht giftiger als andere DMARDs, wobei auf häufige Nebenwirkungen wie die

cortisoninduzierte Osteoporose, eine Gewichtszunahme, ein Minderwuchs bei Kindern

und eine Hyperglykämie (Erhöhung des Blutzuckers) zu achten ist und von Beginn an

eine Gegenstrategie getroffen werden sollte.

 

Als langfristige alleinige medikamentöse Therapie ist es allerdings weniger geeignet.

Die Stärke von Cortison liegt in der Kombination mit anderen DMARDs.

Bei der rheumatoiden Arthritis hat die COBRA-Studie eindrucksvoll gezeigt, dass

eine neun Monate dauernde * Stepdown-Therapie mit Cortison zu Beginn der

Erkrankung den Strukturschaden der Gelenke um ca. 50% reduziert (natürlich in

Kombination mit anderen DMARDs). Dieser Effekt hält dann zwei Jahre an. Die in

der Studie verwendete hohe Anfangsdosis von 60 mg Prednisonäquivalent ist aber

sicherlich nicht für alle Patienten sinnvoll und notwendig.

 

Cortison in Kombination mit DMARDs

 

Bei den meisten rheumatischen Erkrankungen ohne lebensbedrohliche Komplikationen

wird Cortison zwar nicht als Mittel der ersten Wahl eingesetzt, aber häufig mit den

sogenannten "Basistherapien" in einer kleinen Erhaltungsdosis kombiniert.

Traditionelle DMARDs wie Hydroxychloroquin, Methotrexat (MTX),

Sulfasalazin, Leflunomid, Cyclophosphamid, Cyclosporin A oder

Azathioprin stellen meist die Grundlage der Rheumatherapie dar. Die neue

Generation der Basismittel, auch Biologika genannt, wirkt noch effektiver.

Der Einsatz von Cortison ist dann gerechtfertigt, wenn mit den zur Verfügung

stehenden DMARDs kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt wird.

 

Nebenwirkungen

 

Das Ausmaß unerwünschter Wirkungen ist verständlicherweise von der Dosis und

Dauer der Behandlung abhängig.

 

Darüberhinaus spielen aber individuelle Faktoren eine große Rolle:

  • Alter und Geschlecht des Patienten,

  • familiäre Belastung für verschiedene Krankheiten

    • z.B. Zucker- oder Fettstoffwechselstörung,

    • hoher Blutdruck,

    • Osteoporose,

    • grüner Star

Bei kurzfristiger Anwendung selbst hoher Dosen ist das Risiko gering. In der

Langzeittherapie gelten Dosen von 5 mg Prednison/Tag oder weniger (sog. Low-Dose)

als relativ harmlos.

Unerwünschte Wirkungen treten vor allem bei langfristiger und hochdosierter

Cortison-Behandlung oder bei Cortison-Depotspritzen auf, bei niedrigeren Dosen

sind sie seltener. Es kann ein Bluthochdruck auftreten.

 

Bei länger dauernder innerlicher Anwendung (über 14 Tage) von Cortison sind ab

einer Dosierung von 7,5 Milligramm immer unerwünschte Wirkungen in unterschiedlicher

Ausprägung zu erwarten. Einzige Ausnahme ist die Ausgleichsbehandlung (Substitution)

von fehlendem körpereigenem Hydrocortison bei Störung der Nebennierenrinden-

Funktion.

 

Viele Patienten berichten über ein stärkeres Hungergefühl. Es kann auch zu einem

runderen Gesicht ( Cushing-Sydrom) oder einer Muskelschwäche kommen.

Langzeitbehandlungen können zu einem grauen und zu einem grünen Star an den

Augen führen. Einige Patienten bemerken Veränderungen an der Haut, wie z. B.

vermehrt Pickel oder kleinere Blutungen.

Gelegentlich kommt es zu psychischen Reaktionen auf eine Cortison -Therapie. Einige

fühlen sich euphorisch, seltener sind Depressionen. Sollten Sie schon einmal an einer

Depression erkrankt sein, teilen Sie dies ihrem Arzt mit. Eine Entkalkung der Knochen,

eine sogenannte Osteoporose, kann sich besonders bei einer längeren und höher

dosierten Cortison -Therapie entwickeln.

Deswegen erhalten viele zusätzlich Calcium und Vitamin D, um einer Osteoporose

vorzubeugen. Gelegentlich kommt es auch zu Blutzuckersteigerungen ( Diabetes

mellitus) , die eine entsprechende Behandlung erfordern.

 

Magenschleimhautentzündung und Magengeschwüre treten meist nur dann auf, wenn

gleichzeitig andere Medikamente, wie z. B. Cortison - freie Rheumamedikamente (NSAR)

oder Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin, ASS) eingenommen werden.

Wenn Sie Fieber haben oder wenn andere Hinweise auf eine Infektion vorliegen, suchen

Sie Ihren Arzt umgehend auf. Ungewöhnlich starker Durst und häufiges Wasserlassen

können auf eine Zuckerkrankheit hinweisen. Treten Depressionen ob neu oder

verstärkt auf, wenden Sie sich bitte an ihrem Arzt. Sollten bei Ihnen solche

Beschwerden auftreten, informieren Sie ebenfalls Ihren Arzt darüber.

 

Weitere Nebenwirkungen:

  • Erhöhtes Infektionsrisiko, auch teils schwere Infektionen (z. B.

    Lungenentzündungen, Tuberkulose, Herpes zoster oder systemische

    Pilzerkrankungen)

  • Überdecken von allgemeinen Infektionen,

  • Ausbreitung vorhandener Infektionen,

  • Allergien,

  • Cushing-Syndrom mit Gewichtszunahme, Mondgesicht, Büffelnacken, Striae

    rubrae (Dehnungsstreifen) Körpersalzzurückhaltung mit Bindegewebs-

    wassereinlagerung (Bluthochdruck)

  • vermehrte Kaliumausscheidung (Herzrhytmusstörungen)

  • Auftreten vorhandener Epilepsie, Erhöhung der Anfallsbereitschaft,

  • Sexualhormonstörungen (ausbleibende Regelblutung, Überbehaarung, Impotenz)

  • Glukosestoffwechselstörung (auftreten von Zuckerkrankheit)

  • erhöhtes Blutcholesterin

  • erhöhte Blutfettwerte 

  • Magen-Darm-Geschwüre, Magen-Darm-Blutungen,

  • Bauchspeicheldrüsenentzündung,

  • Arteriosklerose-Risikoerhöhung,

  • Risikoerhöhung von Gefäßverstopfungen ( Thrombosen)

  • Blutgefäßentzündung (auch als Entzugssyndrom nach Langzeittherapie),

  • mäßige Erhöhung der weißen Blutkörperchen,

  • Blutbildveränderungen der roten und weißen Blutkörperchen

  • Muskelschwund, Muskelschwäche

  • Hautveränderungen wie

    • Atrophien (Gewebsschwund),

    • Petechien (kleine Hauteinblutungen),

    • Gefäßzeichnung durch die Haut,

    • Wundheilungsstörungen,

    • Änderungen der Hautfärbung,

    • Überempfindlichkeitsreaktionen wie Arzneimittelausschlag mit Hautrötung

      und Juckreiz

    • Alopezie (Haarlosigkeit ) und

    • Steroidakne (Cortisonakne)

  • Linsentrübung (grauer Star), Glaukom (Grüner Star), Netzhauterkrankung

  • Wachstumstörungen bei Kindern

Besonderheiten:

Alle Glukokortikoide können die Aufnahme von Jod in den Körper und die Speicherung

desselben in der Schilddrüse verringern. Während längerfristiger Anwendung des

Wirkstoffes sind daher die Schilddrüsenwerte zu überwachen.

 

Zum besseren Monitoring der Nebenwirkungen sollten daher regelmäßige Kontrollen

mit eingehender klinischer Untersuchung, Labor, kardiologischen Basiswerten,

Augenarzt sowie Knochendichte erfolgen. Entzündungsmarker wie die Blutsenkung,

CRP, Eisen - und Elektrophorese geben Aufschluss über die aktuell

bestehende entzündliche Aktivität, die gemeinsam mit den Beschwerden des

Patienten über die weitere Dosierung entscheidet.

Schilddrüsenunterfunktion und Leberzirrhose erfordern eine spezielle

Dosisanpassung durch den Arzt.

 

Alle Patienten mit einer Dauertherapie mit Cortison sollten vor einer

Selbstabsetzung der Präparate eindringlich gewarnt werden, da hierdurch eine

bedrohliche NNR-Insuffizienz (Morbus Addison) ausgelöst werden kann.

Besonders vor Operationen oder in anderen Stresssituationen ist ein

abruptes Absetzen von Cortisonpräparaten besonders gefährlich.

 

Vor Beginn jeder Cortisontherapie sollte der Patient genau über Wirkung, Risiken

und die Dosierungsvorschriften informiert werden. Bei geplanter Langzeitgabe ist

der sofortige Beginn einer Osteoporoseprophylaxe mit 1.000 mg Kalzium und 800

IE Vitamin D heute Standard. Alle Patienten sollten auch diätetisch über Maßnahmen

zur Gegensteuerung einer Gewichtszunahme aufgeklärt werden. Auf spezielle

Pflegeprogramme für die Haut ist ebenfalls zu achten.

  • Vor Behandlungsbeginn und einmal jährlich Knochendichtemessung.

  • Hormontherapie bei Frauen in und nach den Wechseljahren.

Bei multimorbiden älteren Patienten, Magengeschwüren und Schwangerschaft ist

Cortison eine gute Alternative zu NSAR und Coxiben. Bei Schwangeren sind

Tagesdosen bis 20 mg Prednison unbedenklich und Mittel der ersten Wahl bei

Schüben einer entzündlich rheumatischen Erkrankung.

 

Lokale Therapien

 

Cortison-Injektionen in ein Gelenk (Intra- und periartikulär = i.a.) führen meist zu

einer ausgeprägten und oft lang anhaltenden Entzündungshemmung. Bevorzugte

Indikationen sind rheumatisch bedingte Mon - und Oligoarthritiden,

therapieresistente Sehnenscheidenentzündungen im Rahmen einer RA,

aktivierte Arthrosen, intermittierende Gelenksergüsse sowie eine Reihe von

periartikulären Entzündungen (= Entzündung in der Umgebung eines Gelenks).

 

Einnahmeempfehlungen

 

Bei oralen Dosierungen von Cortison unter 50 mg Prednisonäquivalent sollte die

gesamte Tagesdosis morgens eingenommen werden, um die Unterdrückung der

Nebennierenrinde möglichst zu vermeiden. Bei ausgeprägten nächtlichen oder

frühmorgendlichen Beschwerden kann die Dosis auch aufgeteilt werden mit einer

kleinen abendlichen Dosis (z.B. ein Drittel der Tagesdosis). Eine weitere Option ist

die Einnahme in den frühen Morgenstunden (zwei bis drei Uhr), da die  Entzündungs-

aktivierung schon in der Nacht beginnt.

Patienten, die abends ein Cortisonpräparat einnehmen, müssen mit einer Störung

der Nebennierenrindenfunktion rechnen. Sie müssen darüber aufgeklärt sein und

sollten stets einen Cortisonausweis mit sich führen.

 

Zu achten ist auf die zirkadiane Rhythmik ("Biorhythmen") der körpereigenen

Hormonausschüttung sowie das frühmorgendliche Schmerzmaximum rheumatischer

Entzündungen. Der perfekte Moment der Cortison - Einnahme wäre daher um 2.00 Uhr

morgens, um die Morgensteifigkeit zu verhindern. Dies ist praktisch schlecht

durchführbar. Eine neue Formel (modified release tablett formulation) kann hier

Abhilfe schaffen. Das Prednison MR (Lodotra®) wird um 22.00 Uhr eingenommen,

die Substanz selbst wird aber erst um 2.00 Uhr langsam freigesetzt.

MR steht für „modified release“ und bedeutet veränderte Freisetzung. Es bezeichnet

ein Verfahren zur zeitversetzten Wirkung von Cortison, bei dem der Wirkstoff Prednison

mit einem Mantel umgeben wird, der sich im Magen nach einer definierten Zeitspanne

öffnet und das Cortison auf diese Weise Stunden nach der Tabletteneinnahme freigibt.

Durch diese neuartige, spezielle "Verpackung" kann eine Cortisonwirkung zum optimalen

Wirkzeitpunkt mitten in der Nacht erreicht werden.

 

Bei der Reduzierung der Anfangsdosis gelten folgende Regeln: Je höher die Erstdosis,

desto schneller muss sie abgebaut werden, z. B. 100 mg – 50 mg – 25mg über je

einige Tage.

Je niedriger die Anfangsdosis, desto langsamer und vorsichtiger sollte sie reduziert

werden, z. B. 25 mg – 20 mg – 15 mg über einige Tage. Ab Dosen unter 10 mg

Ausschleichen in 1-mg- bis 2,5-mg-Schritten in Wochen- oder Monatsabständen.

 

Beim CORTISON gilt immer: SO WENIG WIE MÖGLICH; ABER SO VIEL WIE NÖTIG!

 

Ernährung bei Cortison

 

Patienten, die unter einer langfristigen Cortisontherapie stehen, sollten auf eine

ausgeglichene Ernährung achten:

  • Reichlich Eiweiß, mindestens zur Hälfte tierischer Herkunft, bevorzugt Fisch

    und magere Milchprodukte.

  • So wenig Fett wie möglich, wobei etwa die Hälfte aus mehrfach ungesättigten

    Fettsäuren bestehen soll:

    Pflanzenfette und solche in Tiefseefischen.

  • Zuckerverbrauch stark reduzieren;

  • die nötigen Kohlenhydrate sollten durch Getreideprodukte, bevorzugt Vollkorn,

    Kartoffeln und Gemüse zugeführt werden.

  • Kalziumzufuhr von mindestens 1g/Tag:

    Enthalten in 1l Mager- oder Buttermilch bzw. in 900 g Magerjoghurt oder in

    entsprechender Menge Magerkäse.

  • Für reichliche Kaliumzufuhr sorgen:

    Obst, speziell Kartoffeln, Gemüse, Bananen.

  • So wenig Salz wie möglich verwenden, alle pflanzlichen Gewürze sind erlaubt.

  • Reichlich Vitamin C: Frisches Obst und Salate.

Sie sollten sich einmal wöchentlich wiegen und Ihr Gewicht aufschreiben. Bei einer

Gewichtszunahme überprüfen Sie Ihre Ernährung: Wieviel Kalorien habe ich täglich

zu mir genommen? Sprechen Sie außerdem mit Ihrem Arzt, ob möglicherweise

Wassereinlagerungen vorliegen können.

 

10 Gebote für die Langzeittherapie

 

Jeder Patient, der langfristig ein Cortisonpräparat einnehmen muß, kann das Risiko

unerwünschter Wirkungen und Komplikationen durch die Beachtung der folgenden

10 Gebote reduzieren:

1.  Nicht mehr, aber auch nicht weniger einnehmen als nötig bzw. vom Arzt

verordnet wurde.

Für eine Langzeitbehandlung sollte die Low-Dose-Therapie (Niedrigdosis-

behandlung) angestrebt werden. Das bedeutet eine Dosis von 5 oder weniger

mg Prednison/Tag. Diese Niedrigdosierung erreicht man nur durch immer kleiner

werdende Abbauschritte (zuletzt 1-1/2 mg Prednison) in immer größer werdenden

Intervallen (zuletzt nur alle 4-8 Wochen). Bei anderen Cortisonpräparaten gelten

je nach Wirkstärke höhere oder niedrigere Dosen.

2.  Die gesamte Tagesdosis sollte morgens vor 8 Uhr (am besten mit etwas

Milch oder Joghurt) eingenommen werden.

Manche Krankheiten erfordern eine 2x tägliche Einnahme. Dann sollten 2/3 der

Tagesdosis morgens und 1/3 nachmittags eingenommen werden. Nur selten ist

eine abendliche Dosis nötig; in diesen Fällen sind besondere Vorsichtsmaßnahmen

notwendig

3.  Niemals eine Cortisonbehandlung ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt

abbrechen.

4.  Eine ausgeglichene Ernährung hilft, unerwünschte Wirkungen zu

reduzieren.

5.  Kalorienüberschuß vermeiden: Regelmäßiges Wiegen hilft das Gewicht zu

überwachen.

6.  Körperliche Aktivität möglichst an der frischen Luft - so weit es die Krankheit

erlaubt.

7.  Regelmäßige Kontrollen beim Arzt durchführen lassen.

8.  Bei jeder Befindensänderung, fieberhaften Erkrankung oder bei Eintritt einer

Schwangerschaft den behandelnden Arzt sofort verständigen.

9.  Wenn Sie einen Facharzt wegen einer anderen Erkrankung oder Störung

aufsuchen müssen, sollten Sie diesen von der laufenden Cortisontherapie

verständigen. Evtl. verordnete Medikamente darauf prüfen lassen, ob sie sich mit

Cortison vertragen.

10.  Corticoidausweis bei sich führen:

Wenn eine Langzeitbehandlung mit mehr als 5 mg Prednison täglich, eine 2x

täglicher oder abendlicher Einnahme erforderlich ist, stets den Corticoidausweis

bei sich führen. Dieser Ausweis informiert einen evtl. zugezogenen Notarzt über

die laufende Behandlung und gibt gleichzeitig Empfehlungen, wie mit der

Cortisontherapie in verschiedenen Situationen verfahren werden soll. Der Ausweis

wird durch den behandelnden Arzt ausgestellt oder kann bei MERCK KGaA,

Darmstadt kostenlos angefordert werden.

 

 

*Stepdown-Therapie

In der Regel wird mit einer hohen „Cortison“-Dosis begonnen, um Ihre Erkrankung schnell

zu bessern. So bekommen Sie zu Beginn zum Beispiel 60 mg oder 1 mg pro Kilogramm

Körpergewicht Prednisolon täglich. Wenn eine Wirkung eingetreten ist, wird Ihr Arzt die

Dosis langsam reduzieren und, wenn möglich, die Behandlung auch beenden.

 

 

Autor: Eveline Ioannidis

 

Stand: 03.10.2011

 

Quellen:

cortisonpartner.de

rheuma-online.at

doc27.net

de.wikipedia.org

medizinpopulaer.at

mediziner.at

kompetenznetz-ced.de

rheumaliga.de

 

Bildquelle:

de.wikipedia.org

 

top nach oben

 

 

 

   
   

  - Rheuma-Selbst-Hilfe.at.com                E-Mail