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Dr. Mesaric

 
 
 

 Immunglobuline

- Referenzbereiche

- IgG

- Erhöhung von IgG

- Verminderung von IgG

o Verminderung einzelner IgG-Subklassen

- IgA

- Erhöhung von IgA

- Verminderung von IgA

- IgM

- Erhöhung von IgM

- Verminderung von IgM

- IgD

- IgE

- Erhöhung von IgE

- Rückschlüsse aus dem Muster IgG, IgM, IgA

- Falsch niedrige Immunglobuline

 

Immunglobuline (Antikörper)

 

Diese Stoffe gehören zur Eiweißklasse der Globuline, sie dienen der  Immun-

abwehr.

 

Können Antikörper auch Schaden anrichten?

Leider, ja. Wenn sich Antikörper, aus Gründen, die wir noch nicht wirklich verstehen,

gegen unseren eigenen Körper richten, dann können sie beträchtlichen Schaden

anrichten. Dies führt dann zu den sog. link-weiter lesenAutoimmunkrankheiten. Die bekanntesten

Autoimmunkrankheiten sind link-weiter lesenrheumatische Erkrankungen, Nierenentzündungen und

manche link-weiter lesenSchilddrüsenerkrankungen

 

Was passiert, wenn wir zuwenig Antikörper haben?

Zuwenig Antikörper hat man entweder angeboren, als später erworbene Krankheit oder

als Folge vieler anderer Krankheiten. Antikörpermangel kann zu einer Anfälligkeit für

Infektionen führen, und zwar im speziellen für bakterielle, eitrige Infektionen

(Lungenentzündung, Bronchitis, Mandelentzündung, Nebenhöhlenentzündung,

Mittelohrentzündung, eitrige Hauterscheinungen). Da bei Kindern solche Infektionen

auch normalerweise häufig auftreten, sollte erst bei schwerem Verlauf und langer Dauer

der Infektionen der Verdacht auf einen Immunmangel gestellt werden.

Virusinfektionen (Masern, Mumps, grippale Infekte) verlaufen bei Antikörpermangel nicht

unbedingt schwerer, es baut sich aber keine Immunität auf. Das heißt, man kann

zweimal oder öfter an Masern oder Mumps erkranken. Auch (aktive) Impfungen können

bei Antikörpermangel versagen.

 

Es gibt verschiedene Gruppen von Antikörpern

Abgesehen davon, dass wir eine Unzahl verschiedener Antikörper für alle erdenklichen

Eindringlinge haben, kann man auch noch 5 Klassen unterscheiden, die unterschiedliche

Aufgaben und Eigenschaften haben. Man hat diese Klassen durch Buchstaben

gekennzeichnet und spricht von Immunoglobulin G (IgG), IgM, IgA, IgE, und IgD.

 

IgG

Die dominierende Immunglobulinklasse im Blut. Wenn wir erstmalig von einem Erreger

angegriffen werden (Erstinfektion), dann werden zuerst IgM Antikörper gegen den

Erreger erzeugt und erst später auch IgG. Dafür bleiben IgG dann meist lange

nachweisbar, während die IgM Antikörper verschwinden. So kann man oft frische

von alten Infektionen unterscheiden.

IgG sind die einzigen Antikörper, die über den Mutterkuchen von der Mutter auf das

Kind übergehen. Dies passiert vor allem nach der 20. Schwangerschaftswoche und

schützt das Kind in den ersten Lebenswochen.

 

IgG-Subklassen

Man kann die Gruppe der IgG-Antikörper noch in vier weitere Gruppen unterteilen,

die sog. IgG-Subklassen 1 bis 4. Die größte Subklasse ist IgG1, sie macht etwa zwei

Drittel der gesamten IgG-Antikörper aus.

 

IgA

Besondere Bedeutung haben IgA in den Körpersekreten (Speichel, Tränenflüssigkeit,

Magensaft, andere Verdauungssäfte, Nasenschleim, Lungensekret, Muttermilch).

Dort sind IgA die wichtigsten Antikörper. Sie überziehen Krankheitserreger und

verhindern so, dass diese in den Körper eindringen können. Der hohe Anteil von IgA

in der Muttermilch ist ein wichtiger Schutzfaktor gegen Brech- bzw.

Durchfallserkrankungen des Säuglings.

Man findet man IgA auch in der Blutflüssigkeit, weiß aber nicht genau, welche

Funktion IgA-Antikörper dort haben.

 

IgM

Kommen vorwiegend im Blut vor.

Wenn wir erstmalig von einem Erreger angegriffen werden (Erstinfektion), dann

werden zuerst IgM Antikörper gegen den Erreger erzeugt und erst später auch IgG.

Dafür bleiben IgG dann meist lange nachweisbar, während die IgM Antikörper

verschwinden. So kann man oft frische von alten Infektionen unterscheiden.

 

IgD

Nur geringe Mengen in der Blutflüssigkeit. Funktion nicht bekannt. 

 

IgE

Nur geringe Mengen in der Blutflüssigkeit.

IgE sind zusammen mit den sog. Mastzellen verantwortlich für viele allergische

Erkrankungen (Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis). Wozu IgE eigentlich gut sind,

ist nicht ganz so klar, vielleicht für die Abwehr von Parasiten (z.B. Würmern).

 

REFERENZ-

BEREICH:

 

 

Bereich

Einheit

Bereich

Einheit

IgG

 

7 - 16

g/l

700 - 1600

mg/dl

IgA

 

0.7 - 4.0

g/l

70 - 400

mg/dl

IgA

Speichel

0.08 - 0.2

g/l

8 - 20

mg/dl

IgM

Männer

0.4 - 2.3

g/l

40 - 230

mg/dl

 

Frauen

0.4 - 2.8

g/l

40 - 280

mg/dl

IgD

 

0.003 - 0.14

g/l

0.3 - 14

mg/dl

IgE

 

bis 220

U/ml

 

 

Werte bei Kindern altersabhängig deutlich niedriger.

Werte für IgG-Subklassen sind altersabhängig und

schwanken je nach verwendeter Bestimmungsmethode.

 

Hinweis: aus isolierten, leichten Erhöhungen oder Erniedrigungen von Laborwerten

kann man in den allermeisten Fällen keine Schlussfolgerungen auf irgendeine

Erkrankung ziehen.

Liegen also nur leichte Veränderungen vor, muss keineswegs irgendeine der

nachfolgend genannten Erkrankungen oder Veränderungen vorliegen!

ERHÖHUNG:

Erhöhung von IgG (Immunoglobulin G)

  • Länger dauernde Entzündungen verschiedenster Art

    a) durch andauernde Infektion bedingt oder bei neuerlicher

    Infektion mit demselben Erreger.

    b) bei Autoimmunerkrankungen (link-weiter lesenRheuma, link-weiter lesenSystemischer

    Lupus Erythematodes,...)

    c) Entzündungen unbekannter Ursache (link-weiter lesenMorbus Crohn,

    link-weiter lesenColitis ulcerosa, Sarkoidose)

    d) auch bei ausgedehnteren Krebskrankheiten oder

    Gewebsschäden (Infarkt, Knochenbruch, Strahlenschäden)

    kommt es zu link-weiter lesenEntzündungen

    e) andere Ekrankungen (Sarkoidose = Morbus Boeck)

    f) Länger dauernde Erkrankungen der Leber

    Leberzirrhose, Chronisch aktive Hepatitis

    g) Blutkrebs der lymphatischen Zellen mit Antikörper-

    produktion

    Plasmozytom (=Multiples Myelom): monoklonales IgG erkennbar

    in link-weiter lesenElektrophorese (siehe dort).

 

Erhöhung einzelner IgG-Subklassen

Die Erhöhung einzelner IgG Subklassen hat keine besondere Bedeu-

tung für die Erkennung oder Beobachtung bestimmter Erkankungen.

 

Erhöhung von IgA (Immunoglobulin A)

  • Bestimmte Infektionen

  • Leberschädigung, Leberzirrhose

    (bes. wegen Alkohol oder anderen Giften)

  • Sarkoidose (Krankheit unbekannter Ursache mit

    Atemproblemen)

  • Morbus Crohn (Dünndarmentzündung mit blutigen

    Durchfällen)

  • link-weiter lesenRheumatoide Arthritis (seltener bei Bindegewebserkran-

    kungen)

    Manche Nierenentzündungen (Glomerulonephritis)

  • Blutkrebs der lymphatischen Zellen mit Antikörperpro-

  • duktion

  • Plasmozytom (=Multiples Myelom): monoklonales IgA

    oft erkennbar in Elektrophorese .

  • Wiskott-Aldrich-Syndrom (erbliche Immunschwäche und

  • Gerinnungsstörung

 

Erhöhung von IgM (Immunoglobulin M)

  • Infektionen

    Besonders in der Anfangsphase (Akutphase). Bleibt

    IgM länger erhöht, kann das für einen Übergang in eine

    aktive Dauerinfektion (chronisch aktive Infektion) sprechen.

  • Seltener bei Sarkoidose

  • Erkrankungen der Leber (inkl. Infektionen)

    Leberzirrhose, Leberentzündung (=Hepatitis; in der Anfangs-

    phase, bei manchen Formen auch länger), starke Erhöhungen

    bei Primär Biliärer Zirrhose

  • Blutkrebs der lymphatischen Zellen mit Antikörper-

    produktion

    Immunozytom (Morbus Waldenström),

    Vermehrung seltener durch andere Lymphome:

    monoklonales IgM erkennbar in link-weiter lesenElektrophorese.

  • Hyper-IgM-Syndrom: sehr seltene, erbliche Immunschwäche

    bei Knaben

 

Beim Neugeborenen weist eine Erhöhung von IgM auf eine Infektion

des Kindes während der Schwangerschaft hin (IgG ist nicht

aussagekräftig, da es von der Mutter kommt)

 

Rückschlüsse aus dem Muster IgG, IgM, IgA

Man hat immer wieder versucht, aus der Kombination dieser Befunde

irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Dies ist aber nur begrenzt möglich:

 

Nur IgM erhöht: Zeichen für Erstinfektion mit einem Erreger.

 

Nur (oder besonders) IgG erhöht: Zeichen für eine Zweitantwort

des Körpers auf einen schon bekannten Erreger (einer, von dem wir

schon einmal angegriffen wurden, durch den wir vielleicht auch krank

wurden).

 

Nur (oder besonders) IgA erhöht: deutet bei Lebererkrankungen

auf eine Giftstoffwirkung (meist Alkohol) hin.

Wenn zwei oder alle 3 Klassen erhöht sind, kann man schwer

Schlüsse auf die Ursache ziehen.

 

Leberzirrhose: IgG, IgM und IgA erhöht. Bei alkoholverursachter

Zirrhose ist IgA besonders stark erhöht, bei nach Leberentzündung

(Hepatitis) auftretender Zirrhose besonders IgG. Dies ist aber nur

eine Art Faustregel.

 

Erhöhung von (Gesamt-) IgE (Immunoglobulin E)

(damit sind nicht die allergen-spezifischen IgE-Spiegel gemeint)

  • Allergische Erkrankungen

    "Heuschnupfen", Asthma bronchiale,  Neurodermitis und andere

    Krankheitsbilder. Eine normale IgE Konzentration schließt diese

    Erkrankungen aber nicht aus.

    IgE kann bereits beim Neugeborenen im Nabelschnurblut

    bestimmt werden. Dies ist aber nur bei erblicher Vorbelastung

    mit allergischen Erkrankungen sinnvoll, und kann helfen, das

    Risiko des Kindes, ebenfalls an einer allergischen Erkrankung zu

    leiden, einzuschätzen.

  • Manche angeborene Immundefekte (=Abwehrschwächen)

  • HIV-Spätstadien

  • Hyper-IgE-Syndrom

  • Graft-versus-Host-Reaktion (Organ-Transplantat schädigt

    Empfänger)

  • Hautverbrennungen

  • Manche maligne Tumoren

  • Wurmerkrankungen (Wurmparasiten)

  • Aspergillose (Pilzerkrankung; bei Immungeschwächten

    vorkommend)

 

VERMIN-

DERUNG:

Verminderung von IgG (Immunoglobulin G)

 

Immunschwächekrankheiten

 

a) primäre (die Immunschwäche ist die Krankheit; kommt angeboren

oder im späteren Leben erworben vor; selten)

nur namentlich erwähnt seien z.B.:

  • X-chromosomale Agammaglobulinämie Bruton,

  • CVID,

  • Hyper IgM-Syndrom,

  • SCID,

  • Transitorische Hypogammaglobulinämie in der Kindheit (meist

    bei Frühgeborenen),

  • Schwerketten-Gen-Deletionen,

  • Ataxia telangiektasia  

 b) sekundäre (durch eine andere Krankheit verursacht; viel häufiger)

  • Maligne Tumoren

  • Blutkrebs, Lymphdrüsenkrebs, Multiples Myelom (Ausnahme:

    maligne Zellen produzieren IgG)

  • Medikamente (link-weiter lesenKortison, "Chemotherapie", immundämpfende

    Medikamente - Immunsuppressiva, z.B. Zyklosporin)

  • Bestrahlungen

  • Eiweißverluste über den Darm

  • Eiweißverluste über die Niere - Nephrotisches Syndrom

  • Verbrennungen (großflächige; Eiweiß und link-weiter lesenweiße Blut-

    körperchen gehen verloren)

  • extreme Mangelernährung

  • Manche Virusinfektionen (z.B.: Masern, Röteln, Kissing-

    Disease- EBV)

 

Verminderung einzelner IgG-Subklassen

Besteht durch die Beschwerden des Patienten der Verdacht auf

einen Antikörpermangel, ist der IgG-Spiegel aber normal, könnte

ein IgG-Subklassenmangel vorliegen.

Weiters weiß man, dass gleichzeitig mit einem IgA-Mangel (siehe

unten) häufig ein IgG2-Mangel vorkommt.

 

IgG1: meist zusammen mit IgG2 und IgG3 vermindert und führt

dadurch zur Verminderung des Gesamt-IgG. Ursachen siehe unter

Verminderung von IgG.

 

IgG2: Mangel vor allem bei Kindern. Patienten haben Infektionen

der Atemwege (Bronchitis, Lungenentzündung, Nebenhöhlenent-

zündung,..).

 

IgG3: Mangelpatienten haben Infektionen der Atemwege, Durchfälle,

Asthma. 

 

IgG4: alleiniger Mangel von IgG4 dürfte keine Bedeutung haben.

 

Verminderung von IgA (Immunoglobulin A)

 

Immunschwächekrankheiten

a) primäre (die Immunschwäche ist die Krankheit; kommt angeboren

oder im späteren Leben erworben vor)

  • der angeborene IgA-Mangel ist die häufigste angeborene

    Antikörper-Mangelerkrankung (eine von 700 Personen).

    Findet man einen Mangel, sollte der Gehalt von IgA auch im

    Speichel bestimmt werden. Denn der Mangel im Speichel und

    in anderen Körpersekreten kann zu Problemen führen: Nicht

    alle, aber manche Patienten mit zuwenig IgA zeigen vermehrt

    Infektionen der Luftwege, des Darms oder des harnableitenden

    Systems (Niere, Harnleiter, Harnblase).

    Ein anderes Problem tritt bei praktisch völligem Fehlen von IgA

    auf: Patienten mit einem IgA Spiegel unter 5 mg/dl im Blut

    dürfen keine IgA-haltigen Blutkonserven erhalten (Gefahr

    schwerer Allergie).

Nur namentlich erwähnt seien andere, wesentlich seltenere

Ursachen:

  • X-chromosomale Agammaglobulinämie Bruton,

  • CVID,

  • Hyper IgM-Syndrom,

  • SCID,

  • Schwerketten-Gen-Deletionen,

  • Ataxia telangiektasia

 

b) sekundäre (durch eine andere Krankheit verursacht; viel häufiger)

  • Maligne Tumoren

  • Blutkrebs, Lymphdrüsenkrebs, Multiples Myelom (Ausnahme:

    maligne Zellen produzieren IgA)

  • Medikamente (link-weiter lesenKortison, "Chemotherapie", immundämpfende

    Medikamente - Immunsuppressiva, z.B. Zyklosporin)

  • Bestrahlungen

  • Eiweißverluste über den Darm

  • Eiweißverluste über die Niere - Nephrotisches Syndrom

  • Verbrennungen (großflächige; Eiweiß und weiße Blutkörperchen

    gehen verloren)

  • extreme Mangelernährung

 

Verminderung von IgM (Immunoglobulin M)

 

Immunschwächekrankheiten

  • Maligne Tumoren

  • Blutkrebs, Lymphdrüsenkrebs, Multiples Myelom (Ausnahme:

    maligne Zellen produzieren IgM)

  • Medikamente (Kortison, "Chemotherapie", immundämpfende

    Medikamente - Immunsuppressiva, z.B. Zyklosporin)

  • Bestrahlungen

  • Eiweißverluste über den Darm

  • Verbrennungen (großflächige; Eiweiß und weiße

    Blutkörperchen gehen verloren)

  • extreme Mangelernährung

 

Falsch niedrige Immunglobuline

 

Bei bestimmten Erkrankungen kommen in der Blutfüssigkeit

Immunglobuline vor, die in der Kälte verklumpen, sog.

Kryoglobuline. Das kann auch schon bei Raumtemperatur passieren.

Misst man bei solchen Proben die Immunglobuline, kann man auf zu

niedrige Werte kommen, da ein Teil des Immunglobulins bereits

verklumpt ist und nicht mitgemessen wird.

Solche Proben müssen bis zur Messung warm gehalten werden

  • Erkrankungen der Leber (inkl. Infektionen)

    Leberzirrhose, Leberentzündung (=Hepatitis; in der

    Anfangsphase, bei manchen Formen auch länger), starke

    Erhöhungen bei Primär Biliärer Zirrhose

  • Blutkrebs der lymphatischen Zellen mit Antikörperpro-

    duktion

    Immunozytom (Morbus Waldenström), Vermehrung seltener

    durch andere Lymphome: monoklonales IgM erkennbar in

    Elektrophorese

  • Hyper-IgM-Syndrom: sehr seltene, erbliche

    immunschwäche bei Knaben

 

 

 

 

Autor: Dipl. MTF Nicole Dorner

 

Stand: 03.05.2010   

  

Quellen:  

wikipedia.at/  

AKH consilium  

med4you.at/

 

 

 

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