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Rheuma-Lexikon, Buchstabe I

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Infektreaktive Arthritis

Salmonelle

Definition

 

Die infektreaktive Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung (LinkArthritis), die in

der Folge einer (meist bakteriellen) Infektion entsteht.

 

Krankheitsbild der infektreaktiven Arthritis

 

Das Krankheitsbild der infektiösen oder infektassoziierten LinkArthritis ist in Bezug auf

die betroffenen Gelenke und die klinische Symptomatik vielgestaltig und kann ent-

sprechend der Patogenese in die

  • infektreaktive Arthritis die

  • septische Arthritis, sowie

  • spezielle Arthritisformen

eingeteilt werden.

 

Die häufigsten infektreaktiven Arthritiden treten 1-4 Wochen nach einem

vorhergehenden Darminfekt (postenteritische Arthritiden) oder nach einem Infekt im

Urogenitaltrakt (= Harn - und Geschlechtsapparat; posturethritische Arthritiden) und

selten auch nach einem respiratorischen Infekt (= Infekt der Atemwege;

postpneumonische Arthritis) auf. Oft wird der auslösende Infekt nicht bemerkt.

 

Ob ein Mensch zur Entwicklung infektreaktiver Arthritiden neigt, scheint auch mit

Anlagefaktoren zusammenzuhängen: 50-90% der Betroffenen tragen das Gen

LinkHLA-B27. Die genaue Rolle dieses Gens und die detaillierten Krankheitsmechanismen

sind jedoch noch unbekannt. 

 

Im Falle der relativ gut untersuchten reaktiven Arthritiden nach einer

Urogenitalinfektion mit Chlamydien wird derzeit davon ausgegangen, dass spezielle

Immunzellen die Krankheitserreger aufnehmen und über das Blut unter anderem in die

Gelenke transportieren. Dort entwickelt sich eine anhaltende LinkEntzündung, die zur

Arthritis führt. Bei anderen Erregern wird jedoch diskutiert, ob möglicherweise nur

Bestandteile des Keims die LinkGelenkentzündung auslösen. Gleichzeitig weiß man

mittlerweile von einigen der in Frage kommenden Erregern, dass Teile ihrer Struktur

menschlichem Gewebe so ähnlich sind, dass unser Immunsystem "fremd" und "eigen"

nicht mehr unterscheiden kann und daraufhin körpereigenes Gewebe angreift.

 

Häufigste Erreger der postenteritischen Arthritis:

  • Yersinien,

  • Campylobacter,

  • Salmonellen,

  • Shigellen

Häufigste Erreger der posturethritischen Arthritis:

  • Chlamydia trachomatis,

  • Gonokokken,

  • Mykoplasmen,

  • Ureaplasmen

Häufigste Erreger der postpneumonischen Arthritis:

  • Chlamydia pneumoniae,

  • beta-hämolysierende Streptokokken,

  • Mycoplasma pneumoniae

     

Eine Sonderform stellt die heutzutage selten gewordene, reaktive Arthritis nach

einer Streptokokkeninfektion (Scharlach, Streptokokkenangina) dar, die

Linkrheumatisches Fieber genannt wird.

Eine Unterform ist die früher als Link"Reiter Syndrom" bezeichnete Arthritis. Bei

ihr kommt es neben der Arthritis zu einer Urethritis (Harnröhrenentzündung) und

zu einer Konjunktivitis (Bindehautentzündung am Auge).

 

Symptome der infektreaktiven Arthritis

 

Typisch für eine infektreaktive Arthritis ist der folgende Zeitablauf:

Zunächst kommt es zu einer Infektion, meistens im Darm oder im Urogenitaltrakt

(seltener auch an anderen Stellen) und zum Auftreten der entsprechenden

Beschwerden (wie z.B. Durchfall, blutiger Stuhlgang, Schmerzen und Brennen beim

Wasserlassen, Ausfluß aus der Harnröhre, Vorhautentzündung, Eileiterentzündung,

Halsschmerzen oder Husten  o.ä.). Diese Infektionen können allerdings sehr leicht

verlaufen und nicht immer werden sie bemerkt. Diese Beschwerden klingen dann ab,

und es scheint wieder alles in Ordnung zu sein. Nach einer - bis vier Wochen tritt

dann eine Gelenkentzündung (LinkArthritis) auf.

Im Vordergrund der Erkrankung selbst stehen die Gelenkbeschwerden.

 

Vorwiegend betroffene Gelenke:

Mono-/Oligoarthritis (Mono = ein Gelenk, Oligo = weniger als 5 Gelenke) der unteren

Körperhälfte. Am häufigsten ist die Hüfte, das Knie, das Sprunggelenk betroffen.

Selten sind Schulter-, Ellenbogen- oder Handgelenke befallen. Nur in Ausnahmefällen

sind kleine Gelenke (Fingerund und Fußgelenke) einbezogen. Der Befall der Gelenke ist

asymmetrisch. Manchmal "springt" die Entzündung von einem Gelenk zum anderen.

Die Symptome können von leichten Gelenkschmerzen (Arthralgie) bis hin zu starken

Gelenkentzündungen (Arthritis) variieren.

 

Eine andere, ebenfalls ganz typische Verlaufsform einer infektreaktiven Arthritis ist

die LinkDaktylitis, die Schwellung eines ganzen Fingers oder einer ganzen Zehe

(Wurstfinger, Wurstzehe).

 

Diagnostik

 

An eine reaktive Arthritis muss man denken, wenn nach einem Infekt eine

LinkEntzündung eines oder weniger großer Gelenke auftritt.

 

Wichtig bei der Diagnose der reaktiven Arthritis ist der Nachweis von Abwehrstoffen

(= Antikörpern = AK) gegen den auslösenden Erreger. Bei einer Infektion bildet der

Organismus Antikörper, die in der Regel im Blut nachweisbar sind. Mit verschiedenen

Testsystemen versucht man daher, Antikörper gegen mögliche, eine reaktive Arthritis

auslösende Erreger zu bestimmen.

 

Erregerspezifische Antikörper je nach vorausgegangenem Infekt:

  • Yersinien-AK,

  • Campylobacter-AK,

  • Salmonellen-AK,

  • C. trachomatis-AK,

  • Gonokokken-AK,

  • C. pneumoniae-AK,

  • LinkStreptokokken-AK

    • Anti-Streptolysin, Anti-DN

    • AseB, Anti-Hyaluronidase,

  • M. pneumoniae-AK,

  • LinkHLA-B27

Außerdem werden allgemeine Entzündungswerte wie die

LinkBlutsenkungsgeschwindigkeit, das sog. LinkC-reaktive Protein (CRP) bestimmt.

Das Ausmaß der Gelenkentzündungen in den betroffenen Gelenken kann durch eine

Ultraschall - und Röngenuntersuchung dargestellt werden.

 

Weitere Infos zu den Laborwerten: Link Reaktive Arthritis

 

In der Gelenkflüssigkeit lassen sich die Krankheitserreger allerdings

charakteristischerweise nicht durch Anzüchten in der Zellkultur nachweisen -

daher auch der Name "infektreaktive Arthritiden": Die Beschwerden entstehen also

nach derzeitigem Kenntnisstand vermutlich nicht direkt durch das Vorliegen

lebender Krankheitserreger im Gelenk, sondern als überschießende Reaktion des

Immunsystems auf die abgelaufene Infektion.

Das könnte auch ein Grund dafür sein, dass die Symptome oft nicht gut auf

Antibiotika ansprechen, selbst wenn eine bakterielle Infektion zu Grunde gelegen hat.

 

Diagnosekriterien 

  • typischer Gelenkbefall,

  • typische Krankengeschichte (Durchfall, Harnröhrenentzündung u.a. Infektionen),

  • direkter Nachweis des Erregers im betroffenen System (z.B. im Harnröhrenab-

    strich, Vaginalabstrich),

  • Nachweis spezifischer Antikörper,

  • Vorliegen von HLA-B27 sowie

  • Nachweis von Teilen des Erregers mit Hilfe moderner molekularbiologischer

    Methoden.

Je nachdem, welche und wie viele Kriterien zutreffen, wird die infektreaktive Arthritis

ausgeschlossen oder als wahrscheinlich bzw. sicher eingestuft.

Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen oder Magnetresonanztomographie

können dazu beitragen, Veränderungen im Gelenk zu beurteilen.

 

Therapie der infektreaktiven Arthritis

 

Ob und wie lange bei einer infektreaktiven Arthritis mit Antibiotika behandelt werden

sollte, ist derzeit sehr umstritten; die Empfehlungen der Experten gehen dabei hin

und her, je nachdem, welche neuen Studienergebnisse aktuell vorliegen.

 

Die Therapie der infektreaktiven Arthritiden hängt unter anderem von dem Erreger und

dem Verlauf der Erkrankung ab. Lässt sich ein bakterieller Erreger nachweisen, erfolgt

eine antibiotische Behandlung, die sich teilweise über mehrere Monate erstreckt.

Obwohl die ursprüngliche Infektion überwiegend von Bakterien ausgelöst wurde,

schlägt eine Antibiotikabehandlung bei Auftreten der Gelenkbeschwerden häufig nicht

mehr gut an, deshalb sollte  mit einer antibiotischen Therapie sehr frühzeitig begonnen

werden.

 

Zur Besserung der Gelenkbeschwerden werden nichtmedikamentöse Maßnahmen

wie Krankengymnastik eingesetzt.

Bei größeren Gelenkergüssen ist möglicherweise die Injektion von LinkGlukokortikoiden

("Cortison") in das Gelenk sinnvoll.

Bei schweren Krankheitsverläufen mit ausgeprägter Organbeteiligung ist die

systemische Anwendung von Glukokortikoiden ratsam.

Zur Reduktion der Schmerzen können nicht-steroidale ("kortisonfreie") Antirheumatika

(= NSAR; z. B. Diclofenac, Indometacin oder Ibuprofen) hilfreich sein. Diese

Medikamente haben neben ihrer schmerzstillenden Wirkung auch einen

entzündungshemmenden Effekt, so dass die meisten Patienten unter dieser Therapie

beschwerdefrei werden.

Bei anhaltenden, chronischen Beschwerden an mehreren Gelenken (= Polyarthritis)

können Linklangwirksame krankheitsmodifizierende Antirheumatika notwendig

sein.

 

Liegt eine Organbeteiligung vor, muss der zuständige Facharzt hinzugezogen werden.

 

Weitere Informationen zu langwirksamen, krankheitsmodifizierenden Antirheumatika:

LinkWas ist eine Basistherapie und was kann sie bewirken?

LinkWelche Basismedikamente (Langwirksame Antirheumatika = LWAR) gibt es?

 

Krankheitsverlauf der infektreaktiven Arthritis

 

Reaktive Arthritiden sind keine lebensgefährliche Erkrankungen. Obwohl der Beginn

dramatisch sein kann, heilen sie normalerweise aus und verursachen in der Regel

keine dauerhaften Gelenkschäden.

Die mittlere Erkrankungsdauer beträgt 6 Monate. Allerdings kann es etwa bei

20—40% der Patienten zu chronische Arthritiden, Arthralgien, Sehnenproblemen oder

Rückfällen kommen, wobei  Patienten, die neben der Arthritis auch LinkEntzündungen

der Harn- und Geschlechtsorgane oder eine Augenbeteiligung hatten, besonders

betroffen sind.

Manchmal besteht noch Jahre nach einer reaktiven Arthritis eine gewisse 

"Wetterfühligkeit" der Gelenke und der Wirbelsäule.

 

Daten aus einer finnischen Studie deuten indes darauf hin, daß ganz allgemein bei

infektreaktiven Arthritiden, unabhängig von der Art der auslösenden Erreger, die

Langzeitprognose besser ist, wenn anfangs eine längerdauernde antibiotische

Therapie erfolgt. Dabei zeigten sich die positiven Effekte allerdings erst nach Jahren.

 

So sah man in dieser Studie nach einem Jahr zunächst noch keinen Unterschied

zwischen der Gruppe der Patienten mit einer infektreaktiven Arthritis, die für 3 Monate

mit Antibiotika behandelt worden waren, gegenüber der Gruppe der nicht antibiotisch

therapierten Patienten.

 

Bei einer Nachuntersuchung 4-7 Jahr später hatten sich zwischenzeitlich entzündlich -

rheumatische Erkrankungen wie Linkankylosierende Spondylitiden, Linkchronisch-

entzündliche Darmerkrankungen (z.B. LinkM. Crohn), Oligoarthritiden, Entzündungen

von Sehnenansätzen (Enthesitis) sowie Regenbogenhautentzündungen (anteriore

Uveitis) nur in Gruppe der nicht antibiotisch behandelten Patienten entwickelt, nicht

jedoch in der Gruppe der Patienten, die anfangs für 3 Monate antibiotisch behandelt

worden waren.

 

 

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Autor: Eveline Ioannidis

 

Stand: 19.09.2011

 

Quellen:

labor-gaertner.de

uniklinik-Ulm.de

rheuma-online.de

lifeline.de

rheuma-liga.de

 

Bildquelle:

medicalgraphics.de/

 

 

 

 

   
   

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