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Dr. Mesaric

 
 
 

Komplement - C3, C4, CH50

C3 und C4 sind 2 Eiweißstoffe des Komplementsystems

(Englisch "Complement").

Das Komplementsystem besteht aus ca. 20 Eiweißstoffen (den sog.Komplement-

faktoren) in der Blutflüssigkeit, die dazu da sind, Bakterien, Viren oder andere

Erreger zu beseitigen. Dabei wird ein Komplementfaktor nach dem anderen aktiviert,

die entstehenden Eiweißstoffe haben dann verschiedene Wirkungen:

 

Zerstörung der Erreger

Aus bestimmten Komplementfaktoren kann ein Komplex gebildet werden, der sogenan-

nte Membranen-Angriffs-Komplex, der Krankheitserreger zerstören kann, indem er

deren Oberflächen durchbohrt.

 

"Würzen" der Erreger (Opsonierung)

Andere Faktoren des Komplementsystems können sich an die Oberfläche von Krank-

heitserregern setzen, wodurch diese gewissermaßen "gewürzt" sind und von

Fresszellen beseitigt werden können. Diese Würzung (=Opsonierung) ist ein wichtiger

Vorgang, denn die Fresszellen müssen ja wissen, welche Zellen sie fressen sollen.

Sonst würden sie sich ja auch auf die eigenen Zellen stürzen.

 

Anlocken von weißen Blutkörperchen (Chemotaxis)

Ein dritter Weg, auf dem das Komplementsystem die Abwehr unterstützt, ist das

Anlocken von Abwehrzellen an den Infektionsort. Wir haben ja eine Menge Abwehrzellen

im Blut. Am Ort der LinkEntzündung werden aber besonders viele gebraucht. Damit sie

gerade dorthin kommen werden sie von sog. chemotaktischen Stoffen angelockt. Dazu

gehören auch Faktoren des Komplementsystems.

 

Neben der Aktivierung bei der Infektabwehr, ist das Komplementsystem aber auch bei

LinkAutoimmunerkrankungen, wenn sich unser Abwehrsystem versehentlich gegen uns

selbst richtet, aktiviert. Bei der Beurteilung und Beobachtung der Aktivität, manchmal

auch bei der Diagnose verschiedener Autoimmunerkrankungen hat die Bestimmung von

C3, C4 und CH50 rößte Bedeutung.

 

Hinweis: aus isolierten, leichten Erhöhungen oder Erniedrigungen von Laborwerten kann

man in den allermeisten Fällen keine Schlussfolgerungen auf irgendeine Erkrankung

ziehen. Liegen also nur leichte Veränderungen vor, muss keineswegs irgendeine der

nachfolgend genannten Erkrankungen oder Veränderungen vorliegen!

 

Zustand/Befund

CH50

C3

C4

Faktor B

Normalbefund

normal

normal

normal

normal

Klassische

Aktivierung

z.B.

Virusinfektionen,

rheumatische

Erkrankungen

niedrig

niedrig

niedrig

normal

Alternative

Aktivierung

z.B.Sepsis

(vor allem

gramnegative,

bestimmte

Glomerulone-

phritiden

(Nierenentzün-

dungen)

niedrig

niedrig

normal

niedrig

C3

Mangel

fehlend

fehlend

normal

normal

C4 oder

C1-

Inhibitormangel

fehlend

normal

fehlend

normal

C2 oder

C1

Mangel,

Kryoglobulinämie

niedrig

normal

niedrig

normal

Aktive

Immunkomplex-

erkrankung,

chronische

Lebererkrankung,

Mangelernährung

niedrig

niedrig

niedrig

niedrig

Andere

Komplement-

defekte

(außer

C3, C4

oder

Faktor B)

fehlend

normal

normal

normal

Entzündung

hoch

hoch

hoch

hoch

 

REFERENZ-

BEREICH:

 

Bereich

Einheit

C3c

0.9 - 1.8

g/l

C4

0.1 - 0.4

g/l

CH50

23 - 46

U/ml

ERHÖHUNG:

Erhöhungen der Komplementfaktoren haben keine

besondere diagnostische Bedeutung. Viele Komplement-

faktoren, auch C3 und C4, sind LinkAkutphasenproteine,

d.h. sie steigen bei Entzündungszuständen an. Aber

dafür gibt es verlässlichere Parameter (z.B. das LinkCRP).

VERMIN-

DERUNG:

Allgemein:

Ursachen einer Verminderung sind entweder der Verbrauch

von Komplementfaktoren (Infektion, LinkAutoimmunerkrankung),

die Bildung (z.B. schwere Leberschäden) oder Eiweißverluste

(z.B. über die Nieren im Harn). Manche erblichen Defekte können

auch zu Verminderungen der Komplementfaktoren führen.

 

Infektionen

- Bakterielle Sepsis (Blutvergiftung nach Infektion)

- Virale Infektionen (Leberentzündung, HIV)

- Malaria

 

Autoimmunprozesse

- LinkRheumatoide Arthritis („Rheuma“)

- Aktiver LinkLupus Erythematodes

  LinkAutoimmunkrankheit mit typischerweise symetri-

  schen Rötungen im Gesicht, Gelenksbeschwerden,

  Schäden verschiedener Organe (u.a. Niere, Herz)

  möglich.

-LinkVaskulitis (Gefäßentzündungen),

  Periarteriitis nodosa (Entzündung größerer Gefäße)

- Glomerulonephritis (Nierenentzündung); bes.

  sog. Membranoproliferative und poststreptokokken Form

- Pemphigus vulgaris, Bullöses Pemphigoid

  (blasenbildende, durch Autoantikörper verursachte

  Hauterkrankungen)

- Immunhämolytische Anämien (Blutarmut, bei

  der die Linkroten Blutkörperchen durch Antikörper

  und teilweise durch Komplementwirkung zerstört

  werden)

- Kryoglobulinämie (Auftreten von in der Kälte

  ausfallenden Eiweißstoffen im Blut; führt zur

  Kälteempfindlichkeit der etwas kühleren

  Körperspitzen, z.B. Finger. Meist Begleiterkrankung

  von Autoimmun-, Tumor-, oder Infektionserkrankungen,

  bes. Hepatitis C)

  Achtung: Kryoglobuline können auch im Röhrchen

  nach der Blutabnahme entstehen und Komplement

  binden. Dies führt zu falsch niedrigen Komplement

  werten.

 

Eiweißmangel

- roteinmangelernährung (zuwenig Eiweiß in der Nahrung)

- Schwere Leberzirrhose

- Nephrotisches Syndrom (Nierenerkrankung mit

  hohen Eiweißverlusten im Harn)

 

Sonstiges

- Akute Entzündungen der Bauchspeicheldrüse

  (aus der Bauchspeicheldrüse freiwerdende Enzyme

  können Komplement aktivieren)

- Ausgedehnte Verbrennungen

- Angeborene Komplementfaktormängel  (selten), ev.

  kombiniert mit IgA-Mangel

- Hereditäres Angioödem (angeborener Mangel oder

- Funktionsschwäche des C1-Inhibitors mit Gesichts-

  und Schleimhautschwellungen)

 

 

 

Autor: Dipl. MTF Nicole Dorner

 

Stand: 30.07.2010

 

Quellen:

wikipedia.at/

AKH consilium

med4you.at/

 

 

 

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