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Rheuma-Lexikon, Buchstabe L

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Lupus erythematodes

Systemischer Lupus

erythematodes (SLE)

Systemischer Lupus erythematodes (SLE) 

 

Definition

 

Synonym: Lupus erythematosus disseminatus, abgekürzt LED

 

Der Lupus erythematodes (lat. lupus = "Wolf") ist eine LinkAutoimmunerkrankung aus

der Gruppe der LinkKollagenosen. Der Name "Lupus" leitet sich von der Möglichkeit von

Verstümmelungen im Gesicht durch CDLE-Läsionen (Chronisch-diskoider Lupus

erythematodes = Hautlupus) her. Ärzte früherer Generationen verglichen diese

abgeheilten Hautschäden mit Wolfsbissen (wegen der Linknarbenähnlichen Furchen).

 

"Erythematodes“ (engl. erythematosus) – "errötend“ leitet sich von den bei dieser

Krankheit häufig (bei 71 % der Patienten) vorkommenden Rötungen her. Besonders

typisch für SLE (systemischer Lupus erythematodes) ist das so genannte

LinkSchmetterlingserythem.

 

Der systemische Lupus erythematodes tritt vergleichsweise selten auf, etwa 50

von 100.000 Personen sind betroffen. Die Patienten sind zum überwiegenden Teil

Frauen im gebärfähigen Alter (weiblich : männlich = 10 : 1). Es gibt jedoch eine

Form von SLE, die nach dem 55. Lebensjahr auftritt (weiblich : männlich = 2 : 1).

Sehr selten sind Kinder und Jugendliche betroffen.

 

Krankheitsbild

 

Bei der Entstehung des systemischen Lupus spielen  Autoimmunprozesse eine

zentrale Rolle (= LinkAutoimmunerkrankung).

Der Körper bildet in diesen Fällen Abwehrstoffe, so genannte LinkAntikörper, die

gegen bestimmte Gewebestrukturen gerichtet sind und die körpereigenes Gewebe

fälschlicherweise als fremd ansehen (Autoantikörper). Autoantikörper sind bei

systemischem Lupus erythematodes vor allem gegen Bestandteile des Zellkerns

gerichtet. Zellkerne enthalten das Erbgut des Menschen, die DNA. Bei SLE findet

man Antikörper gegen die DNA so häufig, dass Ärzte sie als diagnostisches

Kriterium nutzen.

Aus diesem Grund kann der systemische Lupus potenziell viele Organe und

Organsysteme in Mitleidenschaft ziehen - daher auch die Bezeichnung

„systemisch". Als Folgen der Autoimmunreaktion bilden sich Komplexe aus

Antikörpern und Zellbestandteilen – diese lagern sich in den Gefäßen der Organe

ab und führen zu LinkEntzündungen.

 

Beim systemischen Lupus erythematodes kann es zu chronischen LinkEntzündungen

von Bindegewebe, Haut, Gelenken, verschiedenen Organen, Schleimhäuten, Gehirn

(ZNS= Zentralnervensystem) und der Wände der Blutgefäße ("LinkVaskulitis")

kommen. Lupus gehört zu den entzündlich-Linkrheumatischen Erkrankungen und

unter diesen zu der Gruppe der Bindegewebsentzündungen (LinkKollagenosen).

 

Der SLE kann akut-entzündlich mit schweren Schüben verlaufen. Diese

Verlaufsform führte früher häufig und schnell zum Tod. Sie ist heute dank

moderner Behandlungsmethoden sehr selten geworden. Heute liegt die

Überlebensrate bei 90%, obwohl sich die Erkrankungsrate in den letzten 40 Jahren

deutlich erhöht hat. Meist verläuft der SLE heute milder und mit weniger

Symptomen.

Des weiteren gibt es langsam-schleichende und schubweise Verlaufsformen. Es

gibt auch sehr milde Verlaufsformen, bei denen nur ein oder zwei LinkACR-Kriterien

erfüllt sind. Diese Verlaufsformen können nach jahrelangem Verlauf in einen SLE

übergehen.

 

Besonders schwerwiegende Auswirkungen kann SLE auf die Nieren und das zentrale

Nervensystem (ZNS) haben. In 40% der Fälle führt die Lupusnephritis

(Nierenentzündung) zum Verlust der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz). Lupus-

Patienten müssen sich dann einer Dialyse (künstlichen Blutwäsche) oder einer

Nierentransplantation unterziehen.

Darüber hinaus verkalken die Blutgefäße bei Lupus-Patienten leichter

(Atherosklerose) und können dadurch Herz- und Gefäßerkrankungen auslösen.

 

Eine Entzündung des Rückenmarkes stellt sich in Form von Lähmungen der Beine

und (seltener) der Arme (transverse Myelitis) dar. Wird sie nicht schnell genug

behandelt, führt sie im schlimmsten Fall zu einer Querschnittslähmung.

Ein weiterer Notfall ist die Entzündung des Sehnervs, bleibt  sie unbemerkt, kann

ein Lupus-Patient erblinden.

 

Neben dem systemischen Lupus gibt es auch den reinen Haut-Lupus (Linkdiskoider

Lupus erythematodes; "Diskus"= scheibenförmig), der nur die Haut betrifft und

dort runde, scharf abgegrenzte schuppende Flecken bildet.

 

Ein Lupus-ähnliches Syndrom (Medikamenten-induziertes Lupussyndrom) kann

unter Einnahme bestimmter Medikamente auftreten (z.B. Bluthochdruckmittel,

Epilepsie-Medikamente, Biologika [lupus like syndrom]). Nach Absetzen der

Therapie sind die Symptome reversibel, d.h. sie bilden sich ohne Folgeschäden

zurück.

 

Ursachen

 

Die Ursache des SLE ist weitgehend unbekannt. Mediziner gehen jedoch davon

aus, dass äußere Einflüsse und Faktoren den Ausbruch der Krankheit begünstigen

oder Schübe verschlimmern können.

Diese Einflüsse und Faktoren sind:

  • Schwangerschaft und Entbindung

  • hormonelle Faktoren (z. B. die Einnahme der Pille)

  • Infektionen (vor allem Virus-Infektionen)

  • UV-Strahlen (vermehrte Sonnenexposition)

Systemischer Lupus erythematodes tritt in manchen Familien gehäuft auf

(Verwandte ersten und zweiten Grades), Zwillinge von Betroffenen haben

ein erhöhtes Risiko, ebenfalls zu erkranken. Auch gibt es gewisse genetische

Veranlagungen, wie eine Störung der Apoptose (programmierter Zelltod) oder

andere Immundefekte, die mit der Überreaktion des Immunsystems in Verbindung

gebracht werden.

 

Symptome

 

Ein systemischer Lupus erythematodes kann viele unterschiedliche Symptome

auslösen. Das Krankheitsbild ist dementsprechend vielfältig und die Erkrankung

verläuft individuell sehr unterschiedlich. So kann sie plötzlich oder ganz langsam

einsetzen sowie in Schüben oder konstant über viele Jahre verlaufen.

 

Folgende Beschwerden und Krankheitszeichen können auftreten:

 

Allgemeinbeschwerden:

  • Fieber,

  • Schwäche,

  • Gewichtsverlust

  • Lymphknotenschwellungen

Hautveränderungen und Haare:

  • schmetterlingsförmige Rötung an Wangen und Nasenrücken

    (LinkSchmetterlingserythem)

  • leuchtend rote Erhabenheiten mit Schuppenbildung und Verhornung

    (Linkdiskoider Lupus)

  • langsam zunehmende oder plötzlich auftretende Hautausschläge an

    lichtexponierter Hautpartien (Gesicht, Dekolletee) 

  • Lichtempfindlichkeit

  • Gewebsdefekte (Ulzera) im Mund- und Nasenbereich

  • Kreisrunder Haarausfall (LinkAlopecia areata)

Ist nur die Haut betroffen, spricht man von CDLE (Chronisch diskoider Lupus

erythematodes) oder SCLE (Subakut cutaner Lupus erythematodes)

 

Gelenke und Muskeln:

  • Gelenkbeschwerden

  • schmerzhafte Entzündungen großer und kleiner Gelenke (LinkArthritis)

  • Entzündungen der Muskeln (Myositis)

  • Bindegewebsschwäche

  • Deformationen oder Fehlstehlungen der Gelenke (Lupusarthropathie)

Bauchraum und Lymphknoten:

  • Bauchfellentzündung (Peritonitis)

  • Magenschmerzen

  • Übelkeit und Erbrechen

Lunge:

  • Rippenfellentzündung

  • Lungenfellentzündung (Pleuritis)

  • Schmerzen beim Atmen

  • Verlust der Elastizität der Lunge (Lungenfibrose)

Nieren:

  • Nierenentzündung (Lupusnephritis)

  • Funktionsunfähigkeit der Nieren (Niereninsuffizienz)

Herz:

  • Entzündliche Veränderungen des Herzbeutels,

  • der Herzinnenhaut sowie eine

  • Herzmuskelentzündung

Zentrales Nervensystem:

  • epileptische Anfälle

  • migräneähnliche Kopfschmerzen

  • Koordinationsstörungen

  • psychische Veränderungen (z. B. Psychosen, Depressionen)

  • unkontrolliertes Zittern

  • Krämpfe

Blutbild:

  • zu wenig weiße und/oder rote Blutkörperchen und/oder Blutplättchen

  • Blutarmut (LinkAnämie)

  • erhöhte Neigung zu Blutungen

Gefäße:

  • Entzündungen der kleinen Hautgefäße (LinkVaskulitis)

  • Einblutungen (rote Punkte bis Flecken) der Haut

  • Raynaud-Syndrom ("Gefäßkrampf" der Finger bei kalten Temperaturen;

    kann das erste Anzeichen des Lupus sein.)

Augen:

  • Enzündung der Blutgefäße am Augenhintergrund

  • Entzündung des Sehnervs (Erblindungsgefahr!)

  • Schleiersehen

  • Gesichtsfeldausfälle

  • Trockene Augen (Sicca-Syndrom)

Speichel- und Tränendrüsen:

  • Speichel - und Tränendrüsen bilden zu wenig Sekret (Sicca-Syndrom)

 

Diagnose

 

Hautlupus

 

Neben dem typischen Hautbild wird oft eine kleine Hautprobe entnommen

(Biopsie) und feingeweblich untersucht, um die Diagnosestellung zu sichern. Bei

der Untersuchung unter dem Mikroskop zeigen sich in den betroffenen Hautarealen

eine LinkHyperkeratose, Verstärkung der Basalmembran und eine hohe Anzahl von

CD4-T-LinkLymphozyten. Im Rahmen einer Spezialuntersuchung werden fluoreszie-

rende Antikörper eingesetzt, die sich an bestimmte Bereiche der Hautprobe binden

und ein typisches Bandenmuster bilden (positiver Lupusband-Test).

 

Systemischem Lupus erythematodes (SLE)

 

Bei systemischem Lupus erythematodes (SLE) stellt der Arzt die Diagnose sowohl

anhand der auftretenden Symptome als auch durch ergänzende Untersuchungen

bezüglich der befallenen Organe. Dazu kann der Rheumatologe beispielsweise mit

einem Hautarzt kooperieren sowie Herz- und Nierenspezialisten, Gynäkologen oder

Augenärzte hinzuziehen.Jeder Lupus-Patient weist ein individuelles Muster an

Symptomen auf. Menschen mit Lupus-ähnlichen Symptomen sollten deshalb einem

Spezialisten, d. h. einen Rheumatologen vorgestellt werden, der die entsprechenden

Untersuchungen veranlasst.

 

Neben Ultraschalluntersuchungen können bei systemischem Lupus erythematodes

zusätzliche Labor - und Gewebeuntersuchungen hilfreich sein. Außerdem muss

der Rheumatologe andere, ähnliche Erkrankungen ausschließen, wie z.B. "Pseudo-

LE" (lupus-like-syndrom) durch Medikamente oder Sonderformen wie das LinkAnti-

Phospholipid-Syndrom.

 

"ANA-negativer" SLE

 

Es sind Meinungen bekannt, daß es einen "LinkANA-negativen" SLE nicht gibt, sondern

nur Labors, die die ANAs nicht genau erfassen. Nach der Literatur liegt der Anteil

von Patienten mit "LinkANA-negativem" SLE unter 1%. Bei fehlenden LinkANA sollte man

mit der Diagnose eines SLE sehr vorsichtig sein, vor allem unter dem Aspekt, dass

es ja in Abhängigkeit von der Symptomkonstellation eine ganze Reihe an anderen

differentialdiagnostisch in Frage kommenden Krankheitsbildern gibt.

 

Über die serologischen Tests könne Sie in unseren Laborwerten nachlesen:

LinkLaborwerte - SLE

 

Fotos zum Krankheitsbild gibt es auf DermIS zu sehen:

 

ACR - Kriterien

 

Nach den Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) ist das Vorliegen

eines SLE wahrscheinlich, wenn zumindest vier der folgenden Punkte zutreffen:

  • Schmetterlingserythem

  • Diskoider Lupus

    • scheibenförmig erhabenes Exanthem/Hautausschlag

  • Fotosensibilität (Lichtempfindlichkeit):

    • Nach Sonneneinstrahlung können beispielsweise Kopfschmerzen,

    Abgeschlagenheit und Fieber auftreten – dies hat in diesem

    Zusammenhang nichts mit Sonnenbrand oder Sonnenstich zu tun!

  • Gewebsdefekte an Mund und Nase

  • LinkGelenksentzündung an zwei oder mehr Gelenken

  • Lungenfell- oder Herzbeutelentzündung

  • Nierenbeteiligung:

    •  Mehr als 0,5 g Eiweiße pro Tag im Urin oder

    • krankhafte Harnsedimente wie Blutreste oder Harnzylinder

  • Neurologische Veränderungen:

    • epileptische Anfälle oder

    • psychische Krankheiten ohne bekannte metabolische oder

      medikamentöse Ursache als Auslöser

  • Blutbefund:

  • Immunologische Befunde:

    • Autoantikörper gegen körpereigene DNS

    Antinukleäre (gegen Bestandteile des Zellkerns gerichtete)

    Antikörper (LinkANA)

 

Tests zum Monitoring der Krankheitsaktivität

 

Nach den bekannten Studien sind lediglich die dsDNA-Ak für ein Monitoring der

Krankheitsaktivität im Verlauf des SLE geeignet, und dies auch nur im

intraindividuellen Vergleich. Die absolute Höhe der dsDNA-Ak alleine besagt

nichts oder wenig über die Krankheitsaktivität; ein Absinken der Werte im

Verlauf unter Therapie sprechen jedoch schon für ein Ansprechen der

Behandlung, ebenso muß man bei einem Anstieg an einen neuen beginnenden

Krankheitsschub denken. Die Höhe des LinkANA-Titers korreliert nicht mit der

klinischen Aktivität.

 

Ein wichtiger Parameter ist desweiteren das Linkc-reaktive Protein (CRP). CRP-

Werte korrelieren beim Lupus eher nicht mit der Krankheitsaktivität; wenn es

deshalb im intraindividuellen Verlauf zu einem deutlichen Anstieg der CRP-Werte

kommt und klinisch differentialdiagnostisch die Frage im Raum steht, ob das Fieber

Ausdruck eines Lupus-Schubes oder einer Infektionskomplikation ist, deutet ein

hohes CRP auf eine (in der Regel bakterielle) Infektionskomplikation.

 

Therapie

 

Die Therapie des systemischen Lupus erythematodes richtet sich danach, welche

Organe betroffen sind, und nach der jeweiligen aktuellen Krankheitsaktivität. Es

gibt bisher keine heilende Therapie des SLE, weshalb das Behandeln und Lindern

der Beschwerden im Vordergrund steht.

 

Regelmäßige Untersuchungen sind erforderlich, um frühzeitig den Befall von

Organen wie etwa Herz oder Niere zu erkennen. Da UV-Licht die

Hauterscheinungen des Lupus erythematodes verschlimmert, ist konsequenter

Sonnenschutz notwendig (LSF > 60).

 

Die medikamentöse Therapie des Lupus ist stufenförmig aufgebaut und richtet

sich nach der Stärke der Beschwerden, der Organbeteiligung und der Wirksamkeit

bei den einzelnen Patienten.

 

Bei leichter Erkrankung ist in einigen Fällen gar keine oder nur eine

symptomatische Behandlung mit Hautcremes und/oder sogenannten NSAR

(nichtsteroidalen Antirheumatika = Entzündungshemmende Schmerzmittel ohne

Cortison) nötig.

 

Für die medikamentöse Therapie werden 4 verschiedene

Substanzgruppen eingesetzt:

 

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR):

  • Diese Medikamentel haben entzündungshemmende und somit schmerzstillende

    Wirkung.

    Zu ihnen gehört z. B. der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin). Es ist auch

    fiebersenkend und verhindert das Verklumpen der Blutplättchen (Thrombose).

Anti-Malaria-Mittel (Chloroquin / Hydroxychloroquin z.B. Resochin

  • Diese Substanzen werden vor allem eingesetzt, wenn die Haut und Gelenke

    betroffen sind, außerdem bei leichten Verläufen als Alternative für

    Glukokortikoide (Cortison).

Basistherapeutika

  • Die nächste Stufe stellen die sogenannten Basistherapeutika dar. Sie

    gehören zur Familie der immununterdrückenden Wirkstoffe

    (Immunsuppressiva). Sie verringern die Aktivität des Immunsystems und

    sollen so die Immunreaktion gegen körpereigene Strukturen hemmen.

Weiter Informationen zu den Basistherapeutika können sie hier nachlesen:

Mitunter werden einzelne dieser Medikamente untereinander kombiniert, häufiger

ist die Kombination mit Cortison.

 

Glukokortikoide (Cortison)

  • Ein großer Vorteil der Glukokortikoide gegenüber anderen

    Immunsuppressiva ist, dass sich ihre entzündungshemmende Wirkung

    bereits nach einigen Stunden bis Tagen entfaltet.

    Sie werden daher auch häufig bei akuten LinkKrankheitsschüben

    eingesetzt. Dabei wird Cortison in hohen Dosen über einen kurzen

    Zeitraum als so genannte Stoßtherapie, verabreicht.

    Cortison wird insbesondere in Akutsituation wie auch bei

    lebensbedrohlichen Komplikationen (Beteiligung des

    Zentralnervensystems, Lupus-Nephritis = Entzündung der Niere, Perikarditis

    = Herzbeutelentzündung etc.). In der Akutsituation ausreichend hoch

    dosieren (1-1,5-2mg/kg KG, ggf. fraktionierte Dosis)! In der Langzeittherapie

    sind Glukokortikoide manchmal zum LinkRemissionserhalt unverzichtbar;

    angestrebt werden sollte jedoch zur Vermeidung von Langzeitschäden eine

    so geringe Dosis wie irgend möglich (nach Möglichkeit 5 mg Prednisolon-

    Äquivalent oder niedriger).

Plasmapherese

  • Zusätzlich setzen sie in manchen Fällen eine besondere Form der Blutwäsche,

    die sogenannte Plasmapherese, ein. Hierbei werden im Anschluss an eine

    Behandlung mit Cyclophosphamid die Antikörper aus den flüssigen

    Blutbestandteilen (Blutplasma) entfernt.

    Diese Behandlung kann in sehr schweren Fällen wirksam sein, ist aber wegen

    teilweise aufgetretener schwerer Infektionen umstritten.

Andere Behandlungsmethoden

  • Andere Behandlungsverfahren sind:

    • Immunadsorption,

    • Stammzelltransplantation,

    • Immunglobuline und

    • physikalische Therapie.

 

Verlauf und Prognose

 

Bis dato ist eine Heilung des systemischen Lupus erythematodes (SLE) noch nicht

möglich. Dank verschiedener Medikamente ist die Krankheit jedoch ganz gut in den

Griff zu bekommen. Ein früher Therapiebeginn wirkt sich dabei positiv auf den

Verlauf der Autoimmunerkrankung aus.

 

Die Erkrankung verläuft normaler Weise in Schüben, wobei längere symptomfreie

Abschnitte von Monaten oder sogar Jahren nicht ungewöhnlich sind. Mit der Zeit

werden die Schübe zudem seltener und schwächer. Meist verläuft die Erkrankung

mit zunehmendem Alter milder.

 

Durch die neuen Medikamente haben die meisten Patienten heute aber eine

annährend normale Lebenserwartung. Während in den 1960er Jahren die 5-Jahres-

Überlebensrate noch zwischen 20 und 30% lag, ist sie inzwischen auf mehr als

90% gestiegen.

Häufigste Todesursache ist inzwischen nicht mehr der systemische Lupus selbst,

sondern die Komplikationen. Da die Therapie des systemischen Lupus

erythematodes größtenteils aus einer Unterdrückung des Immunsystems besteht,

zählen Infektionen oder Tumorerkrankungen zu den Komplikationen der Behandlung.

 

Grundsätzlich sollten sich Betroffene alle 3-6 Monate von einem Rheumatologen

untersuchen lassen. Die meisten Lupus-Patienten müssen zeitlebens behandelt

werden. Lediglich bei lang anhaltenden symptomfreien Phasen (LinkRemission) kann

die Behandlung unter Umständen ausgesetzt werden. Dies sollte jedoch unbedingt

nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt geschehen.

 

Was können Lupus-Kranke selbst tun? Tipps zur Vorbeugung

von Krankheitsschüben

 

Als Betroffener haben Sie zum Teil die Möglichkeit, den Schüben der Erkrankung

entgegen-zuwirken. Mögliche Schubauslöser sind alle Situationen, die mit starkem

"immunologischen Streß" verbunden sind und noch weiteren unbekannten Faktoren. 

 

Dabei gibt es einige Verhaltensregeln, die sich positiv auf den Verlauf des

systemischen Lupus erythematodes auswirken können:

  • Versuchen Sie, die Krankheit zu akzeptieren und sich trotz der Erkrankung

    eine positive Lebenseinstellung zu bewahren. Hierbei können sie auf

    Entspannungstechniken wie z. B. autogenes Training zurückgreifen, aber

    auch professionelle Betreuung durch einen Psychologen kann das seelische

    Gleichgewicht wieder herstellen. Viele Patienten haben auch Hilfe durch die

    Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe gefunden

  • Meiden Sie intensive Sonneneinstrahlung, intensive UV-Strahlung, z.B. bei

    einem Urlaub im Hochgebirge (besonders kritisch: Skiurlaub im Hochgebirge)

    oder bei einem Urlaub im Sommer in Südeuropa oder vergleichbaren Gegenden

    (besonders kritisch: Urlaub in solchen Gegenden am Meer), aber auch die

    Sonnenbank (!)

  • Achten Sie im Winter bei der Bekleidung auf guten Kälteschutz

  • Meiden Sie starken Klimawechsel, u. U. verstärkt durch starke

    Zeitumstellung, z. B. bei Fernreisen

  • Einnahme von Hormonpräparaten (besonders östrogen-haltige Präparate,

    dazu gehört bei Frauen auch die "normale" (östrogenhaltige) Pille zur

    Empfängnisverhütung)kann schubauslösend wirken

  • Starke physische Belastung / Überlastung (z. B. extensiver Sport oder

    "Gewalttouren"im Urlaub) sind zu vermeiden

  • Vermeiden Sie Übergewicht

  • Verzichten Sie völlig auf Nikotin und trinken Sie Alkohol nur in Maßen

  • Bewegen Sie sich regelmäßig und versuchen Sie in Maßen Sport zu treiben,

    auch wenn Gelenkschmerzen und latente Müdigkeit Ihnen dies erschweren

  • Achten Sie auf eine ausgewogene und fettarme Ernährung mit ausreichend

    Vitaminenund Mineralien. Das gilt besonders während der Einnahme von

    Cortison, da dieses Appetit fördernd wirkt.

  • Versuchen Sie so weit wie möglich Infektionen vorzubeugen. Z. B bei

    Grippeepidemien Menschenansammlungen meiden, häufiges Händewaschen,

    Grippeschutzimpfung

 

Schwangerschaft bei systemischen Lupus erythematodes

 

Früher wurde Lupus-Patientinnen von von einer Schwangerschaft abgeraten, da

die Schwangerschaft einen Schub auslösen kann.

Heute steh man einer Schwangerschaft bei Lupus-Patientinnen eher positiv

gegenüber. AusErfahrung weiß man, dass die Schwangerschaft komplikationslos

verlaufen kann, wenn sie gut geplant und überwacht wird. Dennoch ist eine

solche Schwangerschaft immer eine Risikoschwangerschaft und muss deshalb

sorgfältig beobachtet werden.

Besteht ein Schwangerschaftswunsch, so sollte dies möglichst mit dem

behandelnden Arzt besprochen werden. Die Risiken lassen sich durch eine

regelmäßige Überwachung und Planung der Schwangerschaft vermindern.

 

Bei einer schweren Krankheitsaktivität und insbesondere bei einer aktiven

Nierenbeteiligung, LinkAntiphospholipidsyndrom oder einer ZNS-Beteiligung kann

es auch zur so genannten Schwangerschaftsvergiftung (= eine

Stoffwechselerkrankung mit hohem Blutdruck, Eiweiß im Urin und Neigung zu

Thrombosen) kommen. Bei schwerem Krankheitsverlauf und bei bestimmten

Therapien wird Lupus-Patientinnen daher von einer Schwangerschaft abgeraten.

 

Antiphospholipid-Syndrom

 

Im letzten Jahrzehnt wurde ein Syndrom aus vermehrten Fehlgeburten und

Thrombosen beschrieben, das im Zusammenhang mit sogenannten

Antikardiolipin-Antikörpern auftritt. Bei Lupus-Patientinnen mit gehäuften

Fehlgeburten sind häufig diese Antikörper im Blut zufinden. Das Erkennen dieser

Antikörper ist für die Therapie wichtig, da man diesen Patientinnen in der

Schwangerschaft vorbeugend z.B. Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®) gibt, um

die Schwangerschaft zu schützen. In den letzten Jahren konnten so viele

Frauen, die bereits mehrere Fehlgeburten erlitten hatten, eine normale

Schwangerschaft erleben.

 

Ausführliche Informationen zum Antiphospholipid-Syndrom können Sie in

unseren LinkLaborwerten nachlesen:

LinkAntiphospholipid-Syndrom

 

Um das Risiko für Mutter und Kind gering zu halten, sollte eine Schwangerschaft

möglichst erst in einer krankheitsstabilen, d. h. einer mindestens 6 Monate lang

schubfreien Phase begonnen werden.  Eine bereits bestehende medikamentöse

Therapie wird auf ihre Notwendigkeit überprüft. Medikamente können gezielt

abgesetzt werden, wenn es die Krankheitsaktivität erlaubt. Nach Beendigung

einer Therapie sollte die Schwangerschaft aber frühestens nach 3 - 4 Monaten

geplant werden, da das Absetzen dieser Medikamente einen Schub auslösen

kann.

 

Auch während einer Schwangerschaft gibt es verschiedene, risikoarme

Therapiemöglichkeiten. Wichtig ist eine regelmäßige immunologische und

gynäkologische (Sono, Duplex) Überwachung. Generell muß jede Entscheidung

und Empfehlung individuell getroffen und mit der Patientin besprochen werden.

Eine enge Zusammenarbeit zwischen dem behandelnden Rheumatologen,

Gynäkologen und der Patientin unterstützt hierbei einen positiven

Schwangerschaftsverlauf.

 

SLE - SelteneAuswirkungen auf das Baby

 

Babys von Lupus-Patientinnen kommen im Durchschnitt etwas früher und mit

etwas geringerem Körpergewicht zur Welt. Fehl - und Frühgeburten kommen

bei Lupus-Patientinnen etwas häufiger vor als bei gesunden Frauen

(LinkAntiphospholipidsyndrom).

  • Neonatales Lupus-Syndrom

    Das sogenannte neonatale Lupus-Syndrom sind vorübergehende Lupus

    erythematodes ähnliche Hauterscheinungen oder auch

    Blutbildveränderungen durch übertragene mütterliche Antikörper. Im

    Alter von 6 Monaten sind die Hautveränderungen in den meisten Fällen

    verschwunden.

  • SS-A(Ro-)-Antikörper

    Einige SLE-Patientinnen haben im Blut spezielle, sogenannte

    SS-A(Ro-)-Antikörper. Diese können zu einer Störung des

    Reizleitungssystems am kindlichen Herzen mit einem zu langsamen

    Herzschlag führen (sogenannter kompletter AV-Block). Bis zu 5 % der

    Kinder entwickeln diesen Herzfehler, davon benötigt etwa die Hälfte

    einen Herzschrittmacher. Bei Vorhandensein dieser Antikörper sind daher

    bei den betroffenen Frauen regelmäßige Kontrollen durch einen

    erfahrenen Gynäkologen, der mittels Ultraschall einen solchen Fehler

    erkennen und behandeln kann, erforderlich.

Je nachdem, welche Antikörper bei einer Patientin auftreten, können auf Lupus

spezialisierte Ärzte bestimmte Komplikationen gut vorhersehen.

 

 

Autor: Eveline Ioannidis

 

Stand: 03.03.2011

 

Quellen:

rheuma-online.de

wikipedia.org

netdoktor.at

onmeda.de

internisten-im-netz.de

 

 

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