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Rheuma-Lexikon, Buchstabe R

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Raynaud-Syndrom

(Morbus Raynaud)

Raynaud-Syndrom-Hände 

 

Synonyme: Digitus mortuus (Totenfinger), Reill'scher Finger

Synonyme im weiteren Sinne: Raynaud-Phänomen, Morbus Raynaud, vasomotorische

Akroasphyxie, akrales Ischämiesyndrom, vasospastisches Syndrom, Ischämie-

Syndrom

 

Definition

 

Morbus Raynaud ist eine Gefäßerkrankung, die durch anfallsweises Weißwerden der

Hände und Füße, einzelner Finger - Zehen oder von Teilen der Finger - Zehen (Finger,

- Zehenkuppen), gefolgt von einer tiefblauen Verfärbung und anschließenden Rötung

gekennzeichnet ist.

Das Raynaud-Syndrom ist nach seinem Entdecker, dem französischen Arzt Maurice

Raynaud (1834–1881), benannt. Umgangssprachlich wird sie auch als Weißfingerkrank-

heit oder Leichenfinger bezeichnet.

Die Raynaud-Krankheit tritt bei 3% bis 16% der Bewölkerung auf, wobei Frauen fünf

bis zehnmal häufiger davon betroffen sind  als Männer. Die ersten Symptome beginnen

sich typischerweise im Alter von 14-40 Jahren bemerkbar zu machen. Bei Männern tritt

das im späteren Lebensabschnitten auf.

 

Krankheitsbild und Symptome

 

Das Raynaud-Syndrom ist eine Gefäßerkrankung, die durch Gefäßkrämpfe (Vaso-

spasmen) hervorgerufen wird. Die Krämpfe treten anfallsartig meist an den Fingern

und Zehen auf.

Unter Umständen können Nase und Ohren betroffen sein, bei stillenden Frauen auch

die Brustwarzen.

 

Das Raynaud-Syndrom verläuft meist dreiphasig:

  • Ischämie (blasse, weiße Haut) durch Minderdurchblutung mit Gefühllosigkeit,

    Schmerzen

  • Zyanose (Blauverfärbung) durch Hypoxie (Mangelversorgung des Gewebes mit

    Sauerstoff)

  • reaktive Hyperämie (vermehrte Durchblutung nach der Attacke) mit Rötung,

    Kribbeln, beißen, jucken, brennen, stechen oder pochen

 

Oft sind nicht alle drei Phasen dieser häufig funktionellen Durchblutungsstörung

vorhanden, z.B. bemerken Betroffene nur das Weiß- oder Blauwerden der Finger. 

Die Anfälle können wenige Minuten bis mehrere Stunden andauern und lösen sich

meist von selbst auf.

 

Der menschliche Körper braucht, um richtig funktionieren zu können, eine halbwegs

konstante Kerntemperatur. Die Temperatur wird dadurch gehalten, dass sich die

Blutgefäße in kalter Umgebung verengen um dem Wärmeverlust entgegenzuwirken,

und sich in warmer Umgebung erweitern, damit sich die Hitze nicht staut. An dieser

Regulation sind Nerven, Blutplättchen, Hormone sowie die Gefäß-Innenwand

(= Endothel) beteiligt. Bei Personen mit Raynaud scheint diese normale Reaktion

übermäßig aufzutreten.

 

Man unterscheidet zwei Formen des Raynaud-Syndroms:

  • primäres Raynaud Syndrom

  • sekundäres Raynaud Syndrom

Die ersten (primäre) Form ist eine rein funktionelle Störung der kleine versorgenden

Gefäße der Akren (Körperenden) ohne erkennbare Grunderkrankung ("idiopathisches

Raynaud-Phänomen"). Oft wird ein Anfall durch Kälteexposition oder psychische

Belastung ausgelöst, wobei die Kälte gar nicht ausgeprägt zu sein braucht. Es reicht

oft allein das Hineinfassen in eine Tiefkühltruhe/Kühlschrank oder auch nur Hände-

waschen mit kaltem Wasser. Stress, der bei den meisten Menschen kalte Hände

verursacht, kann der Auslöser für eine Raynaud- Attacke auch in warmer Umgebung

sein.

 

Typisch ist ein beidseitiger Befall (Symmetrie) der Hände bzw. der Zehen welche

Daumen bzw. Großzehe meist ausspart, Die Krankheit manifestiert sich vor dem 40.

Lebensjahr, meist gibt es eine positive Familienanamnese.

Im Gegensatz zum sekundären Raynaud-Syndrom  ist die Langzeitprognose bei der

primären Form günstig und es kommt fast nie zum Absterben der Fingerkuppen 

(Nekrosen, Rattenbissphänomen). Die Beschwerden lassen mit dem Alter nach. Das

primäre Raynaud-Syndrom ist die häufigste Form und kommt bei ca. 70% der

Betroffenen vor.

 

Das sekundäre Raynaud-Syndrom (syn. Raynaud-Phänomen) tritt als Begleiterkran-

kung auf, beispielsweise bei:

  • Arteriosklerose (Arterienverkalkung)

  • Kälteagglutininkrankheit (bestimmte Antikörper - Kälte-Agglutinine;

    Sie verklumpen sich bei Kälte und lösen eine Abwehrreaktion

    [Komplement-Kaskade] des Körpers aus ),

  • verschiedenen Traumata (= eine Schädigung, Verletzung oder Wunde, die

    durch Gewalt von außen entsteht) , Arbeit mit den Fingern (Sekretäre,

    Pianisten) oder Arbeit mit vibrierenden Werkzeugen (Vibrationsbedingtes

    Vasospastisches Syndrom durch Presslufthammer, - Motorsäge )

  • Vergiftungen durch Schwermetalle, Vinylchlorid, Ergotaminpräparate, Zytostatika

    oder als Nebenwirkungen von Medikamenten, wie z. B. Betablocker,

    abschwellende Nasentropfen, Mutterkornalkaloide (Ergotamin), Drogen oder

    Chemotherapie, Nikotin, Ergotamine, Amphetamine oder Interferone. 

In der Rheumatologie denkt man bei einer Raynaud-Symptomatik vor allem an eine:

- beginnende Sklerodermie,

- ein CREST-Syndrom,

- einen systemischen Lupus erythematodes (SLE),

- Kollagenosen,

- Vaskulitiden sowie an eine

- chronische Polyarthritis (rheumatoide Arthritis).

 

Beim Fortschreiten der Erkrankung kann es zu Wachstumsstörungen der Nägel sowie

Absterben der Fingerkuppen (Rattenbissphänomen) kommen. Die Langzeitprognose

hängt von der Grunderkrankung ab.

 

Diagnose des Raynaud-Syndroms

 

Die Diagnose wird klinisch anhand der oben genannten Symptome gestellt

Zudem kann versucht werden, einen Raynaud-Anfall zu provozieren, indem der

Betroffene die Hände in Eiswasser legt. Auch die sogenannte Faustschlussprobe wird

zur Diagnostik herangezogen. Dabei schließt der Patient seine erhobene Hand etwa

20-mal zur Faust, während der Arzt das Handgelenk umschließt, um die Blutzufuhr zu

verringern. Anschließend prüft er, ob die Durchblutung der Finger rasch erfolgt oder

verzögert ist.

 

Außer der klinischen Diagnostik gibt es noch die apparative Diagnostik (Messmethoden).

Mit dem Oszillographen wird die Durchblutung der Akren gemessen und mit dem Doppler

-Verfahren (Form der Ultraschalluntersuchung) werden segmentale Gefäßverschlüsse

oder –verengungen lokalisiert.

 

Bilder zum Raynaud-Syndrom finden sie in unserem Rheumaforum, im Forum

Rheuma-Bilder:

Rheuma-Bilder-Hände 

 

Therapie

 

Ein symmetrischer Befall des 2.-5. Fingers (Zeigefinger bis kleiner Finger) deutet auf

ein primäres Entstehen der Krankheit hin.

Beim primären Raynaud-Syndrom ist eine ursächliche Therapie nicht möglich, da die

Ursache nicht festzustellen, also idiopathisch, ist. Besserung kann durch Wärme oder

Nitroglycerin erreicht werden, außerdem haben sich sowohl körperliches als auch

geistiges Training im Sinne einer Stresskontrolle bewährt.

 

Gute Erfahrungen wurden bisher mit Nifedipin, Amlodipin, Diltiazem, Felodipin und

Isradipin gemacht. Auch andere vasoaktive Substanzen wie lokales Nitroglyzerin,

Losartan, Pentoxifyllin, Ginkgo sowie das Antidepressivum Fluoxetin (wegen seines

serotoninergen Effekts) sind weitere erfolgversprechende Substanzen.

Es wird darüber diskutiert, ob Sildenafil helfen könnte.

 

Sollte diese Therapien versagen oder in schweren Fällen nicht ausreichend sein, zieht

man die Durchtrennung des Nervus Sympathikus in Erwägung (Sympathektomie).

 

Wenn einzelne Finger asymmetrisch betroffen sind und weder auf Wärme, noch

Nitrolingual mit einer Besserung der Symptome reagieren, spricht das eher für ein

sekundäres Raynaud-Syndrom.

Weiterführende Untersuchungen sind dann notwendig, um potenziell schwerwiegende

Systemerkrankungen nicht zu übersehen.

Beim sekundären Raynaud-Syndrom kann in schweren Fällen durch spezielle Apherese

(= Blutwäsche oder Blutreinigungsverfahren) sowohl die ursächliche Erkrankung wie

z. B. eine Autoimmunerkrankung, behandelt als auch die Durchblutung des

Gewebes angeregt werden, um das Absterben (Nekrose) zu verhindern.

 

Selbsthilfe, Vorbeugung

 

1 Schützen Sie sich insbesondere vor nasser Kälte. Sorgen Sie für warme

Kleidung und besonders warme Handschuhe (z.B. Taschenwärmer)

2. Schützen Sie sich vor Verletzungen, denn Sie neigen aufgrund Ihrer

Durchblutungsstörung zur Wundheilungsstörung.

3. Mehr Bewegung! Sportliche Aktivität steigert den Blutdruck und fördert die

Durchblutung.

4. Das Rauchen aufgeben! Meiden Sie verrauchte Räume. Nikotin verengt die

Blutgefäße zusätzlich. Das verschlimmert die Beschwerden - die Erkrankung

schreitet schneller voran.

5. Sorgen Sie für Entspannung! Versuchen Sie Situationen, die übermäßig

Stress erzeugen, zu vermeiden oder ganz abzubauen.

6. Ernähren Sie sich gesund. Vitamine, vor allem C, E und Folsäure haben

einen schützenden Effekt auf die Gefäße.

7. Falls Sie Kopfschmerzen oder Schnupfen haben, nehmen Sie bitte keine

Medikamente ohne Absprache mit Ihrem Arzt. Viele Schmerz- und

Erkältungsmittel enthalten Stoffe, die die Gefäße verengen.

8. Teilen Sie jedem Arzt, den Sie aufsuchen, mit, dass Sie unter Durch-

blutungsstörung leiden.

9. Regelmäßige, jährliche Kontrolle der Durchblutung und der Gefäße

 

 

 

Autor: Eveline Ioannidis

 

Stand: 04.01.2012 

 

Quellen:

dr-gumpert.de

wikipedia.org

gefaesserkrankung.at

medical-tribune.at

meduniwien.ac.at

netdoktor.de

rheuma-online.de

 

 

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