rheuma-hand      rheuma-selbst-hilfe logo   logo
         
   
Home     Forum
         
    Rheuma-Lexikon, Buchstabe R    
 

Ärzteliste

SHG

Formulare

 
 
 

Forum

Chat

Lexikon

Laborwerte

Links

Archiv

Impressum

Über uns

Dr. Mesaric

 
 
 

Rheuma-Lexikon, Buchstabe R

- A - B - C - D - E - F - G - H - I - J - K - L - M
 
- N - O - P - Q - R - S - T - U - V - W - X - Y - Z -

Reiter Syndrom (Morbus Reiter)Morbus Reiter

 

 

Synonyme:

Morbus Reiter, Urethro-konjunktivales-synoviales Syndrom, Reiter-Krankheit,

Fiessinger-Leroy-Syndrom

 

Definition

 

Der Reiter-Syndrom ist eine Folgeerkrankung von gastrointestinalen (Magen-Darm-

Infektionen) oder urogenitalen (Infektion der Harnwege - Geschlechtsorgane) Infekten.

Sie ist durch die drei Hauptsymptome LinkArthritis (Gelenkentzündung), Urethritis

(Harnröhrenentzündung) und Konjunktivitis (Bindehautentzündung) bzw. Iritis

(Regenbogenhautentzündung) charakterisiert.

Das Reiter-Syndrom ist einer Sonderform der Linkreaktiven Arthritis und gehört in die

Gruppe der Linkseronegativen Spondylarthritiden. Es ist häufig mit dem Risikomarker

LinkHLA-B27 assoziiert.

 

Betroffen sind in westlichen Ländern etwa 3–4 pro 100.000 Einwohner; dabei etwa 20-

mal mehr Männer als Frauen, meist zwischen dem 20 und 40. Lebensjahr.

 

Krankheitsbild des Reiter Syndroms (Morbus. Reiter)

 

Das Reiter-Syndrom kann als Zweiterkrankung auftreten nach einer urogenitalen

Infektion (Infektion der Harn,-Geschlechtsorgane) wie z.B. einer Gonorrhoe oder

einer nicht-gonorrhoischen Harnröhrenentzündung einer Magen-Darm-Infektion durch

Yersinien, Salmonellen, Shigellen, Campylobacter jejuni und andere Erreger.

Typischerweise tritt das Reiter-Syndrom ca. 2-6 Wochen in 2-3% der Fälle nach einer

solchen Infektion auf und ist als Reaktion der Körperabwehr zu verstehen.

Vermutlich lösen Reste der Erreger als Fremdstoffe eine LinkEntzündungsreaktion des

Immunsystems aus, die sich dann gegen körpereigene Zellen richtet. Der genaue

Hergang ist allerdings noch unklar. Die Reiter-Syndrom wird zu den

LinkAutoimmunkrankheiten gerechnet . Das Antigenmerkmal LinkHLA-B27 ist bei 80%

der Patienten positiv.

 

Symptome des des Reiter Syndroms (Morbus. Reiter)

  • Fieber,

  • LinkGelenkentzündungen,

  • Entzündung der Bindehaut,

  • Entzündung der Harnröhre sowie

  • Hautveränderungen.

Die LinkGelenkentzündung ist schmerzhaft, wobei meist mehrere Gelenke der unteren

Extremitäten betroffen sind. Die Gelenke schwellen an, sind gerötet und überwärmt.

Die Stärke der Gelenkschmerzen kann sehr unterschiedlich sein. Selten ist nur ein

einziges Gelenk betroffen (Monoarthritis), oftmals asymmetrisch mehrere Gelenke der

Beine, wie z.B. Hüft-, Knie- oder Fußgelenke (Oligo- oder Polyarthritis).

Die Beschwerden können sich auch auf die Ansätze von Sehen und Muskeln ausbreiten.

(Enthesiopathien). Nicht selten klagen die Betroffenen über nächtliche Kreuzschmerzen

(Sakroiliitis = Gelenke zwischen Kreuzbein und Darmbein, Iliosakralgelenke) .

 

Die Hautveränderungen (Reiter-Dermatose) können unterschiedlich sein. Typisch sind

Hautveränderungen an der Vorhaut (Balanitis circinata). Andere häufig befallene

Hautstellen sind die Hand- und Fußsohlen (Pustolosis palmaris et plantaris) sowie die

Nägel. Die Hautveränderungen können einer LinkSchuppenflechte (Psoriasis) ähneln,

als gerötete Knoten (Erythema nodosum) auftreten oder zu einer Verhornung der Haut

(Hyperkeratose) führen. Die Mundschleimhaut kann ebenfalls betroffen sein.

 

Daneben kommt es zu Bindehautentzündungen (Konjunktivitis) mit Lichtscheu und

Brennen der Augen sowie der Harnröhre (Urethritis) mit brennenden Schmerzen beim

Wasserlassen und evtl. Ausfluss aus der Harnröhre. Neben dieser typischen

Kombination, der "Reiter-Trias", können auch viele andere Symptome auftreten.

Selten sind innere Organe wie Herzmuskel, das Nervensystem oder der Darm betroffen.

 

Diagnose

 

Einen besonderen Hinweis auf ein Reiter-Syndrom liefert bereits die Kombination

einer Gelenkentzündung mit einer durchgemachten Harnwegs- oder Darminfektion in

der Krankengeschichte.

Mit Hilfe von Blut-, Stuhl- oder Urintests lassen sich die Erreger nachweisen.

Unspezifische Entzündungsparameter wie LinkBSG und LinkCRP sind mäßig bis deutlich

erhöht.

LinkRheumafaktoren und LinkAutoantikörper sind negativ.

Bei etwa 80 % der Betroffenen findet sich im Blut auch das vererbliche Antigen

HLA-B27.

 

Genaue Informationen zu den einzelnen Laborwerten können Sie in unseren

LinkLaborwerten nachlesen: LinkSeronegative Spondylarthritiden

 

Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen der Gelenke und Wirbelsäulenabschnitten

können über das Ausmaß der LinkEntzündungen Aufschluss bringen.

 

Die Therapie des des Reiter Syndroms (Morbus. Reiter)

 

Bei der Behandlung des Reiter-Syndroms müssen die unterschiedlichen Symptome

einzeln behandelt werden. Ist noch eine aktive Infektion als eigentliche Ursache

nachweisbar, sind den nachgewiesenen Erregern entsprechende Antibiotika

unbedingt erforderlich. Da Harnwegsinfekte bei Sexualkontakten ansteckend sind,

muss der Partner oder die Partnerin ebenfalls untersucht und ggf. mitbehandelt

werden. 

Ansonsten ist eine symptomatische Behandlung mit nicht-steroidalen Antirheumatika

(NSAR) sowie eine physikalische Therapie (z.B. Kryotherapie = Kältetherapie) der

akuten LinkArthritis meist ausreichend. Bei schweren Verlaufsformen sowie bei einer

Beteiligung des inneren Auges können Glukokortikoide (Cortison) eingesetzt werden.

Bei der größeren Zahl der Patienten kommt es darunter im Verlauf der nächsten

Wochen bis Monaten zu einem Abklingen der Symptome und einer anhaltenden

LinkRemission.

 

Verlauf und Prognose

 

Bis zu 80% der Fälle heilen nach 12 Monaten aus. LinkHLA-B27-positive Patienten

sowie schwere Verläufe neigen eher zur Chronifizierung, die von der Symptomatologie

und den Krankheitsmanifestationen viel Ähnlichkeit mit einem LinkM. Bechterew oder

anderen Erkrankungen aus der Gruppe der LinkSpondylarthropathien haben kann.

Die mittlere Verlaufsdauer der Erkrankung beträgt drei Jahre. In seltenen Ausnahme-

fällen sind Krankheitsverläufe von 10-15 Jahren möglich.  

 

Als Komplikationen bei einem chronischen Verlauf kann es zu zunehmender Zerstörung

der betroffenen Gelenke bis hin zu völligem Funktionsverlust kommen. Breitet sich die

Entzündung in den Augen zur Regenbogenhaut und dem Aufhängeapparat der Linse

aus (Iridozyklitis), resultieren möglicherweise Sehstörungen oder ein grüner Star.

 

Therapie bei chronischem Verlauf des des Reiter Syndroms

(Morbus. Reiter)

 

In diesem Fall ändert sich die Therapiestrategie grundlegend, indem man nun nicht

mehr nur mit rein symptomatisch wirkenden Medikamenten behandelt, sondern indem

man nun mit einer sogenannten Linklangwirksamen antirheumatischen Therapie

beginnt (LWAR; auch Linkkrankheitsmodifizierende Therapie oder LinkDMARD-

Therapie genannt von engl. disease modifying antirheumatic drugs).

 

Als Mittel der ersten Wahl wird dazu Salazopyrin (LinkSulfasalazin) eingesetzt. Diese

Substanz gehört in diese Gruppe der Linklangwirksamen Antirheumatika.

Das Ziel der Behandlung ist es, eine langanhaltende LinkRemission zu erreichen.

 

LinkSulfasalazin wirkt in der Regel nicht nur auf die Gelenkbeteiligung sondern auch

auf die Linkentzündlichen Rückenschmerz und die Allgemeinsymptome wie Morgen-

steifi-keit und verringerte Leistungsfähigkeit. Studien belegen darüber hinaus auch

eine Wirksamkeit im Hinblick auf die Uveitis.

 

Mit der Zulassung der LinkTNF-alpha-Blocker Infliximab und LinkEtanercept für die

Therapie des LinkM. Bechterew hat sich auch für die Behandlung von chronischen,

schweren und anhaltend aktiven Verläufen eines chronischen Reiter-Syndroms eine

neue therapeutische Perspektive ergeben. So gibt es Beobachtungen über eine

Wirksamkeit dieser Substanzen auch bei solchen Patienten, bei denen die herköm-

mlichenTherapiemethoden versagt haben.

 

Autor: Eveline Ioannidis

 

Stand: 04.01.2012

 

Quellen:

doccheck.com

autoimmun.org

gesundheit.de

netdoktor.at

rheuma-online.de

 

Bildquelle:

medicalgraphics.de/  

 

 

 

top hinauf

 

 

 

 

   
   

  - Rheuma-Selbst-Hilfe.at.com              kuvert  E-Mail