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Rheuma-Lexikon, Buchstabe R

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Rheumatoide Arthritis

(chronische Polyarthritis)

Rheumatoide Arthritis - Hand

 

Definition und Krankheitsbild

 

Die rheumatoide Arthritis (RA) auch als chronische Polyarthritis (cP) bezeichnet, ist

die häufigste und zugleich folgenschwerste Erkrankung aus der Gruppe der

entzündlich - rheumatischen Systemerkrankungen.

 

Die Bezeichnung "chronische Polyarthritis" kommt aus dem Griechischen und bedeutet

soviel wie "Entzündung vieler Gelenke" (poly = viel, arthros = Gelenk).

 

Typischerweise sind dabei kleine Gelenke betroffen, vor allem die

  • Fingermittelgelenke (proximale Interphalangealgelenke oder PIP-Gelenke),

  • Fingergrundgelenke (Metacarpophalangealgelenke oder MCP-Gelenke)

  • Zehengrundgelenke (Metatarsophalangealgelenke oder MTP-Gelenke)

  • Handwurzelgelenke (besonders Radiocarpalgelenke)

  • Gaenslen-Zeichen positiv ("schmerzhafter Händedruck")

Ungewöhnlich, aber nicht unmöglich, ist ein Befall der Fingerendgelenke (DIP = distale

Interphalangealgelenke).

 

Es kann aber auch jedes andere Gelenk von der rheumatoiden Arthritis befallen werden.

Oft sind auch mittelgroße und große Gelenke wie Ellenbogen, Schultern, Hüften,

Kniegelenke und Sprunggelenke betroffen. 

 

Die Erkrankung tritt vorwiegend bei Frauen (etwa 2/3 der Patienten) auf und wird

am häufigsten im Alter zwischen 40 und 70 Jahren diagnostiziert. Die Krankheit kann

sich aber auch schon sehr viel früher manifestieren und so können sogar schon

Säuglinge oder Kleinkinder an einer kindlichen Form, der Link juvenilen idiopathische

Arthritis, erkranken.

 

Wichtige Anzeichen (Symptome) einer rheumatoiden Arthritis

sind:

 

Die LinkEntzündungsschmerzen treten vor allem in Ruhe auf. Oft sind sie in der Nacht

am stärksten. Typisch ist, daß sie sich unter Bewegung bessern. Charakteristisch ist

der Schmerzgipfel in den frühen Morgenstunden und eine ausgeprägte Morgensteifig-

keit in den Gelenken, die bis weit in den Tag oder auch den ganzen Tag über anhalten

kann.

 

Die Krankheit äußert sich zunächst durch Schwellungen, Überwärmungen und einer

Funktionseinschränkung in den betroffenen Gelenken. Im weiteren Verlauf kommt es

unbehandelt zu einer zunehmenden Zerstörung der Gelenke (Destruktion) und des

gelenknahen Knochens mit der Folge von Fehlstellungen, Verformungen und zu-

nehmender Behinderung.

Neben den Gelenken sind auch weitere Strukturen im Bereich des Bewegungssystems

betroffen, so die

  • Schleimbeutel (Bursitis z.B. am Ellenbogengelenk), Baker-Zyste (Kniekehle),

    Sehnen und Sehnenscheiden (Tendovaginitis-häufig Sehnenscheide des

  • Musculus extensor carpi ulnaris betroffen)

  • und die Muskulatur.

Charakteristisch für die rheumatoide Arthritis sind unter der Haut liegende, derbe

Rheumaknoten, die typischerweise vor allem an der Streckseite von Gelenken und im

Bereich von Druckstellen, z.B. im Schuh, auftreten.

Rheumaknoten entwickeln sich meist erst bei längerem Krankheitsverlauf und sind in

der Regel ein Zeichen für eine ungünstigere Prognose.

 

Als schwere Systemerkrankung geht die rheumatoide Arthritis außerdem mit

allgemeinen Krankheitszeichen wie:

  • Müdigkeit,

  • einem allgemeinen Krankheitsgefühl,

  • Appetitlosigkeit,

  • Gewichtsabnahme,

  • Lustlosigkeit und

  • nächtliches Schwitzen

  • Depressivität einher,

außerdem vor allem in Schubsituationen mit:

  • einer deutlichen allgemeinen Leistungsminderung,

  • Abgeschlagenheit sowie einer

  • erhöhten Körpertemperatur bis hin zu leichtem Fieber.

 

Mitbeteiligung der Halswirbelsäule

 

Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis kann es schon frühzeitig zu einer entzünd-

lichen Mitbeteiligung der Halswirbelsäule und ihrer Bandstrukturen kommen (meist C1

und C2 = Atlantoaxialgelenk).

Chronische Entzündungsprozesse können die Bandstrukturen der Halswirbelsäule schä-

digen, sodass die Stabilität zwischen dem ersten Halswirbel (Atlas) und dem zweiten

Halswirbel (Axis) gefährdet wird. Der Atlas ist ringförmig und trägt den Kopf. Der Axis

bildet zusammen mit dem Atlas das atlanto-axial Gelenk, welches nicht nur dem Kopf,

sondern auch der gesamten Halswirbelsäule die Beweglichkeit verschafft. Die Folgen

einer Instabilität in diesem Gelenk können verheerend sein und schlimmsten Falles zu

einer hohen Querschnittslähmung führen.

 

Eine langjährige LinkKortisonmedikation, Seropositivität (=LinkRheumafaktor positiv)

und eine voranschreitende schwere Verlaufsform mit Destruktion (Gelenkzerstörung)

der großen und kleinen Gelenke gelten als prognostisch ungünstig für die Ausbildung

schwerwiegender rheumatischer Veränderungen der HWS.

 

Es wird Empfohlen eine Röntgenuntersuchungen der Halswirbelsäule in das Routine-

programm bei Patienten mit rheumatoider Arthritis zu integrieren. Es sollte zunächst

eine seitliche Aufnahme in Beugehaltung des Kopfes durchgeführt werden. Finden

sich hierbei irgendwelche Auffälligkeiten wie Knochendefekte (Erosionen) oder eine

Subluxation, so sollte obendrein eine Röntgenaufnahme in voller Streckung erfolgen.

Besser sei es jedoch, jeden Patienten mit rheumatoider Arthritis im Laufe seiner

Erkrankung in beiden Funktionsstellungen zu röntgen (HWS-Funktionsröntgen).

 

Welche Symptome gibt es bei den Instabilitäten der Halswirbelsäule?

  • Nackenschmerzen/Kopfschmerzen

  • Instabilitätsgefühl -Schmerzhafte Krepitationen („Knirschen, Knacken”)

  • Blockierungen

  • Springphänomen

  • Missempfindungen bis hin zu kompletten neurologischen Ausfällen in Armen

    und Beinen als Zeichen der Link zervikalen Myelopathie (Druck auf das

    Rückenmark).

  • Vertebrobasiläre Insuffizienz mit Schwindel, Übelkeit und Nystagmus

    (unwillkürliche schnelle Augenbewegungen). Dies kann als Zeichen einer

    Minderdurchblutung der arteria basilaris und der arteriae vertebrales durch

    eventuell bestehenden Druck auf die Gefäße, ausgelöst durch die

    Verschiebungen im Bereich der oberen Halswirbelsäule, gesehen werden.

  • Drop attacks, ein plötzliches Umfallen bei erhaltenem Bewusstsein durch die

    arteria basilaris Insuffizienz und einer einsetzenden Gangstörung.

  • Lhermitte-Zeichen, bei dem es sich um einen Nervendehnungsschmerz

    handelt, der bei Bewegung der Halswirbelsäule elektrisierende

    Missempfindungen entlang der gesamten Wirbelsäule bis in das Gesäß auslösen

    kann.

  • Dyspnoe (Kurzatmigkeit),

  • Dysphagie (Schluckstörungen) und

  • Dysphonie (Stimmstörungen) als Zeichen der bulbären Beteiligung (Druck auf

    das verlängerte Rückenmark).

  • Blasen- und Mastdarmstörungen

  • Atemlähmung, plötzlicher Tod durch akute Einklemmung des oberen Halsmarks

 

Organmanifestationen außerhalb der Gelenke

 

Die rheumatoide Arthritis kann sich nahezu auf alle innere Organe und Organsysteme

erstrecken.

Im Spätstadium der Erkrankung ist die Beteiligung weiterer Organe nicht selten.

Insbesondere für Patienten mit Rheumaknoten und Patienten mit positivem

Link Rheumafaktornachweis ist das Risiko für eine solche "extraartikuläre"

Organmanifestation erhöht.

In Einzelfällen können Organmanifestationen jedoch auch als erstes Symptom der

Erkrankung auftreten. Ähnlich unterschiedlich können auch die Folgen sein.

"Extraartikuläre" Organmanifestationen verlaufen bei der Mehrzahl der Betroffenen

ohne spürbare Symptome. Sie können jedoch gelegentlich auch mit ernsthaften

Komplikationen verbunden sein. Die häufigste Ursache all dieser zusätzlichen Krank-

heitserscheinungen ist vermutlich eine immunkomplexvermittelte Entzündung, vor-

wiegend der kleinen Blutgefäße.

Die Abgrenzung zu medikamentenbedingten Nebenwirkungen kann manchmal schwierig

sein und erfordert eine sorgfältige ärztliche Diagnostik.

 

Gefäß- und Nervensystem:

Durch die LinkEntzündung der (kleinen) Blutgefäße (Link Vaskulitis) kann es beispiels-

weise zu mitunter schmerzhaften Durchblutungsstörungen im Bereich der Finger kom-

men.

Folge von Entzündung und Durchblutungsstörung können zudem auch die Ausbildung

von Hautgeschwüren oder Schädigung von Nerven sein.

Mögliche Folgen der Nervenschädigung sind dann Empfindungsstörungen

(Kribbelmissempfindungen oder Taubheitsgefühle) oder Kraftminderungen (bis hin zu

Lähmungen). Darüber hinaus werden Nerven bei der rheumatoiden Arthritis nicht

selten auch direkt durch den Umbau entzündeter Gelenke und Gewebe und die

daraus bedingte Kompression (Druck und Einengung) geschädigt.

Als relativ häufiges Beispiel kann hier das Karpaltunnelsyndrom genannt werden:

Hierbei wird der Nerv im Bereich der Handgelenksbeugeseite irritiert. Betroffene

empfinden Kribbelmissempfindungen bis hin zu Schmerzen im Bereich des Daumens

und Zeigefingers.

 

Störungen des Blutbildes:

Meist entwickelt sich eine Link Anämie (Blutarmut):

Diese kann sowohl Ausdruck der Link Entzündung, wie auch Nebenwirkung der Medika-

tion sein.

Je nach Ausmaß der Entzündungsaktivität kann es darüber hinaus zu einer Vermehrung

von Link weißen Blutkörperchen und Link Blutplättchen kommen. Verminderungen der

weißen Blutkörperchen hingegen sind seltener. Sie treten beispielsweise beim Felty-

Syndrom (Sonderform der rheumatoiden Arthritis) auf oder als Folge der medikamen-

tösen Beeinflussung des Immunsystems.

 

Herzbeutel, Brustfell:

Die häufigste Form der Beteiligung von Herz oder Lunge ist die Entzündung des Herz-

beutels (Perikarditis) bzw. des Brustfells (Pleuritis). Sowohl die Perikarditis, wie auch

die Pleuritis können in ihrer Schwere sehr unterschiedlich verlaufen.

 

Tränen- und Speicheldrüsen:

Neben Tränen- und Speicheldrüsen können auch Drüsen des Magen-Darm-Traktes

betroffen sein. Ursache für diese auch Link Sicca-Syndrom genannte Organbeteiligung

ist eine sich schleichend entwickelnde und über einen längeren Zeitraum anhaltende

Entzündung des Drüsengewebes.

 

Symptome der dadurch verminderten Tränen- und Speichelproduktion sind:

- ständig brennende Augen verbunden mit einem anhaltenden Fremdkörpergefühl

- sowie Mundtrockenheit mit erschwertem Kauen und Trinken.

 

Weitere Organe:

Eine Beteiligung der Augen sowie eine Beteiligung von Leber oder den Nieren ist

gelegentlich möglich. In seltenen Fällen kann es zur Entwicklung von Rheumaknoten

in den inneren Organen kommen.

 

Ursachen, Auslöser der rheumatoiden Arthritis

 

Die Ursache der rheumatoiden Arthritis ist unbekannt. Man vermutet eine ererbte

Veranlagung (genetische Prädisposition), die in Verbindung mit einer Reihe von

äußeren Faktoren (Auslösern) zu einer Fehlregulation des Immunsystems und einer 

Autoimmunreaktion führt. Dabei richtet sich das Immunsystem fälschlicherweise

gegen den eigenen Körper und setzt entzündliche Prozesse in den betroffenen

Gelenken und anderen Organsystemen in Gang. Wesentliche Fortschritte sind in

den letzten Jahren allerdings bei der Erforschung der weiteren Krankheitsentstehung

(Pathogenese) gemacht worden. So kennt man heute eine ganze Reihe von

Schlüsselereignissen, die zur Ausbreitung und zur Chronifizierung der Erkrankung

führen. Dabei wurde in den letzten Jahren insbesondere die zentrale Bedeutung

der sogenannten Zytokine aufgeklärt. Zytokine sind körpereigene Substanzen, die

beim Zusammenspiel der unterschiedlichen Körperfunktionen für den

Informationsaustausch zwischen den beteiligten Zellen und Zellsystemen sorgen.

Innerhalb des Immunsystems spielen sie eine Rolle bei der Steuerung der

körpereigenen Abwehr. Einfach ausgedrückt, haben die Zytokine im Immunsystem

als eine Art Botenstoffe die Aufgabe, die Informationen von einer Zelle des Immun-

systems an eine andere Zelle des Immunsystems zu übermitteln.

 

Bei der rheumatoiden Arthritis spielen vor allem die Zytokine TNF-alpha und

Interleukin-1 (IL-1) eine zentrale Rolle bei der Auslösung und bei der Verstärkung

der chronischen Link Entzündungsreaktion.

 

Aufgrund dieser entzündlichen Vorgänge beginnt die Synovialmembran (Gelenkinnen-

haut) zu wuchern.

Sie besteht normalerweise nur aus ein bis zwei Zelllagen. Jetzt verdickt sie sich

durch Einwanderung von Makrophagen und Vermehrung von Bindegewebe

produzierenden Zellen. Auch Blutgefäße werden neu gebildet. Diese entzündlich

veränderte Synovialmembran bezeichnet man nun als Pannus. Dieser überwuchert

als Bindegewebe den Knorpel und den Gelenkspalt. In der Kontaktzone zum Knorpel

sind nun besonders viele Makrophagen vorhanden. Durch Einwirkung von TNF-

und IL-1 setzen diese jetzt wiederum Enzyme frei, die direkt an der Zerstörung

des Knorpels mitwirken. Ist der Knorpel zerstört, reiben die Knochen im Gelenk

ungeschützt aufeinander. Außerdem werden die Osteoklasten, also die

knochenabbauenden Zellen des Körpers, durch TNF- und die Interleukine 1 und

6 stimuliert. Andere Interleukine (IL-2 und IL-3) und das Interferon gamma kommen

dagegen im rheumatischen Gewebe nur in kleinen Mengen vor. Durch das gestörte

Gleichgewicht der einzelnen Faktoren und ihr wechselseitiges Ineinandergreifen

unterhält sich die LinkEntzündung selbst. Letztlich wird durch die Entzündung bei der

rheumatoiden Arthritis also der Knorpel und auch der darunter liegende Knochen des

Gelenks zerstört.

 

Diagnose der rheumatoiden Arthritis

 

Gerade bei Krankheitsbeginn ist es manchmal schwierig, eine rheumatoiden Arthritis

sicher zu diagnostizieren. Nicht immer liegt bereits zu Anfang das charakteristische

Krankheitsbild mit den zugehörigen Befunden vor. Dies gilt auch für die

Laboruntersuchungen, u.a. auch den Nachweis des Link Rheumafaktors (RF) im Blut.

Zwar sind die Laborbefunde bei der Diagnosestellung hilfreich und für die Abgrenzung

gegenüber anderen Erkrankungen unverzichtbar.

Gerade zu Krankheitsbeginn einer rheumatoiden Arthritis sind aber typische Laborbe-

funde oft noch nicht vorhanden.

 

So fehlen bei etwa einem Drittel der Patienten zu Anfang die typischen Entzündungs-

zeichen im Blut, beispielsweise die Erhöhung der Link Blutsenkung

(Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit, BSG) oder des Link c-reaktiven Proteins

(CRP).

 

Ähnliches gilt für den Link Rheumafaktor, dessen Bezeichnung eine wichtige Rolle bei

der Diagnostik einer rheumatoiden Arthritis annehmen lässt. Der Rheumafaktornach-

weis im Blut ist aber nicht gleichbedeutend mit der Diagnose einer rheumatoiden

Arthritis; umgekehrt schließt das Fehlen eines Rheumafaktors die Diagnose einer

rheumatoiden Arthritis nicht aus. So ist auch der Rheumafaktor bei Krankheitsbeginn

oft nicht im Blut nachweisbar. Und selbst im weiteren Krankhheitsverlauf ist der

Rheumafaktor nur bei etwa der Hälfte der Patienten positiv. Außerdem findet sich

ein positiver Rheumafaktornachweis auch bei anderen Erkrankungen und sogar bei

einem kleinen Teil von völlig Gesunden. Der Rheumafaktor liefert damit für die

Diagnose zwar eine wichtige Zusatzinformation, aber nicht den letztendlich richtungs-

weisenden Befund.

 

Eine hohe Genauigkeit für die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis bietet der Nach-

weis eines Antikörpers (anti-CCP, Link Antikörper gegen citrullinierte cyclische

Peptide).

Allerdings findet sich auch dieser Marker nicht bei allen Patienten. 

 

Die genaue Beschreibung der Laborwerte können sie hier nachlesen:

Link Rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthrititis) - Laborwerte

 

Entscheidende Elemente für die Diagnose einer chronischen Polyarthritis sind:

  • eine detaillierte Patientenbefragung (Anamnese) und

  • eine ausführliche körperliche Untersuchung mit besonderem Schwerpunkt

  • auf der Erhebung des sogenannten Gelenkstatus.

Wesentliche weitere Befunde ergeben sich aus:

  • Blutuntersuchungen,

  • Röntgenaufnahmen und ggf.

  • weiteren Untersuchungen wie Ultraschalluntersuchungen,

  • Knochenszintigraphie

  • oder Kernspintomographie.

  •  

Als Orientierung für die Diagnose einer chronischen Polyarthritis dienen die Kriterien

des American College of Rheumatologie (ACR = wissenschaftliche Fachgesellschaft der

amerikanischen Rheumatologen). Diese sogenannten ACR-Kriterien wurden allerdings

nicht als diagnostische Kriterien für einen einzelnen Patienten entwickelt, sondern als

epidemiologische Kriterien für die Vergleichbarkeit von wissenschaftlichen Studien. Sie

sind deshalb zwar ein guter Anhalt für die Diagnosestellung, dürfen letztendlich aber

nicht als das maßgebliche Instrument und vor allem auch keinesfalls als das alleinige

Instrument für die Diagnose verwendet werden.

 

Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) zur Diagnose der

chronischen Polyarthritis (rheumatoiden Arthritis) aus dem Jahr 1987

 

1

Morgensteifigkeitin oder um die Gelenke (mindestens 1 Stunde)

2

Link Arthritis in 3 oder mehr Gelenkregionenmit Schwellung oder Erguss

3

Arthritis der Gelenke der Hand: Handgelenke; Fingergrundgelenke oder

Fingermittelgelenke

4

Symmetrische Schwellung (Arthritis) derselben Gelenke auf beiden Seiten

des Körpers

5

Rheumaknoten unter der Haut, über Knochenvorsprüngen oder in Gelenknähe

6

Nachweis des Link Rheumafaktors im Serum (Blutuntersuchung)

7

Typische Veränderungen einer rheumatoiden Arthritis im Röntgenbild z.B.

gelenknahe Osteoporose (Entkalkung) oder Erosionen (Knochendefekte)

 

Auswertung:

3-4 Kriterien erfüllt: Erkrankung möglich

5-6 Kriterien erfüllt: eindeutige Erkrankung

7 oder mehr Kriterien erfüllt: klassische Form der Erkankung

Allgemein: Punkt 1-5 müssen für wenigesten 6 Wochen bestehen

 

RA-Klassifikationskriterien von 2010 – eine gemeinsame Initiative des

American College of Rheumatology und der European League Against

Rheumatism

(ACR-EULAR-Kriterien)

 

  • *Synovitis in mindestens einem großen Gelenk

  • Fehlen einer alternativen Diagnose, die die Synovitis erklären könnte

  • Und mindestens 6 Punkte (von möglichen 10 Punkten) der individuellen Scores

    in den vier Gebieten:   

    - Anzahl und Lokalisation der Gelenke (0-5 Punkte)  

    - Serologie: Link Rheumafaktor, Link APCA (0-3 Punkte)  

    - Akutphaseproteine: Link CRP, Link BSG (0-1 Punkte)  

    - Symptomdauer: < 6 Wochen, ≥ 6 Wochen (0-1 Punkte)

 

siehe  Link Tabelle 3 und  Link Abbildung 1  in der Originalveröffentlichung. 

 

Jeder Betroffene mit einem Score von mindestens sechs Punkten kann eindeutig als

RA-Patient klassifiziert werden.

 

Um Fehlbeurteilungen zu verhindern, gehen die neuen Kriterien sehr genau auf bestim-

mte Begriffe ein. So etwa sollen kleine Gelenke, die häufig von arthrotischen Veränder-

ungen betroffen sind, von der Punktewertung ausgeschlossen werden. Dazu zählen

das Großzehengrundgelenk, das erste Karpometakarpalgelenk sowie die Interphalan-

gealgelenke.

Auch Gelenke mit frischen Verletzungen dürfen nicht zur Bewertung herangezogen

werden.

Alle anderen Gelenke, die bei der Untersuchung schmerzhaft oder geschwollen erschei-

nen, werden im Punktescore berücksichtigt. Die Bewertung der Dauer der Symptome

bezieht sich auf die Angaben des Patienten zu schmerzhaften, geschwollenen oder

bewegungseingeschränkten Gelenken, die zum Zeitpunkt der Untersuchung auffällig

sind.

Gelenke, die früher schmerzhaft oder geschwollen waren, zum Zeitpunkt der Klassifi-

zierung aber unauffällig sind, gehen nicht in die Bewertung bezüglich der Symptom-

dauer ein. Seitens des Befallmusters gibt es die Neuerung, dass Symmetrie nicht mehr

erforderlich ist, um die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis stellen zu können. Insge-

samt sind die neuen Kriterien als dynamische zu betrachten. Ein Patient, der zu einem

bestimmten Zeitpunkt der Erkrankung die Kriterien für eine RA nicht erfüllt, kann sie

selbstverständlich zu einem späteren Zeitpunkt sehr wohl erfüllen.

 

*Die Synovitis ist eine Entzündung der inneren Schicht der Gelenkkapsel, der Mem-

brana synovialis (Synovialis, Synovialmembran - Gelenkinnenhaut).

 

Weitere Informationen:

Link Rheumatoide Arthritis - Die neuen ACR-EULAR-Klassifikationskriterien -

    was ändert sich?

 

Link DGRh-Leitlinie: Management der frühen rheumatoiden Arthritis (2011)

    Neu: dritte überarbeitete Auflage

 

Bildgebung (Typische Röntgenbefunde bei rheumatoider

Arthritis):

 

Röntgenveränderungen an Händen und Füßen sowie anderer befallener Gelenke:

  • Schwund der subchondralen Grenzlamelle

  • subchondrale Osteoporose = gelenknaher Kalksalzmangel im Knochen

    (Frühzeichen)

  • Erosionen (oberflächliche halbrunde mäusebissartige Defekte am äußeren

    Rand der Gelenkfläche ) und Usuren, im floriden Stadium ohne Sklerosesaum

  • Destruktionen, Mutilationen, Dissektionen konzentrische Gelenkspaltverschmäle-

    rung

  • fibröse oder ossäre Ankylose

  • Zystenbildungen

  • Gelenkfehlstellungen Füße

    • Hallux valgus (Abweichung der Großzehe nach außen)

    • Hammerzehen (fixierte Beugestellung der Zehenendgelenke)

    • Spreizfuß

    • Platt-Knickfuß (ebenfalls durch Erweichung des Bindegewebes durch

    • das LinkRheuma)

    • Windmühlenvorfuß (Abweichung aller Zehen nach außen, durch

      rheumatischen Angriff der Sehnen und Bänder des Fußes) 

    • Hallux rigidus (Arthrose des Großzehengrundgelenkes mit schmerzhafter

      Beweglichkeit und evtl. Überstreckung des Großzehenendgelenkes) 

  • Gelenkfehlstellungen Hände:

    • Knopflochdeformität (Nachobentreten des Fingerknöchels)

    • Schwanenhalsdeformität (Abknicken des letzten Fingerglieds nach unten)

    • 90° / 90°-Deformierung des Daumens: fixierte Beugestellung im Daumen-

      grundgelenk und Überstreckung des Daumenendgelenk

    • Ulnardeviation (Abrutschen der Finger nach außen)

    • Caput ulnae – Syndrom (Hervortreten und Überbeweglichkeit des

      Ellenköpfchens am Handgelenk)

  • Halswirbelsäule, v.a. atlantodentale Distanzierung oder Arrosion des Dens

    (= eine Verschiebung der Wirbelkörper der Halswirbelsäule bei Mitbefall des Kopf

    -Halsgelenks )

Röntgenaufnahmen der Hände und Füße sind besonders gut geeignet, um frühzeitig

typische Veränderungen zu erkennen.

 

Einteilung nach STEINBROCKER:

 

- Stadium I: gelenknahe Osteoporose

- Stadium II: zusätzlich beginnende Knorpel- / Knochendestruktionen

- Stadium III: zusätzlich beginnende Subluxationen/Fehlstellungen

- Stadium IV: Gelenkdeformierung, -zerstörung, -luxationen, Ankylose (Versteifungen)

 

Die Krankheitsaktivität bei Diagnose und zur Therapiesteuerung wird häufig über den

Link DAS28 ermittelt.

 

Bilder zur RA finden sie auf Link DermIS:

Link Chron. Polyarthritis

und in unserem Link Rheuma-Forum:

Link Rheuma-Bilder

 

Therapie der rheumatoiden Arthritis (chronischen Polyarthritis)

 

Die Therapie eines Patienten mit rheumatoider Arthritis erfordert große Erfahrung

sowie eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen internistischen Rheumatologen,

Orthopäden, Krankengymnasten und Ergotherapeuten.

Der Erfolg der Behandlung hängt wesentlich davon ab, für die unterschiedlichen

Krankheitsbilder und Krankheitssituationen die jeweils richtige Behandlungskombination

zusammenzustellen. Zu Berücksichtigen ist die Krankheitsaktivität, das Krankheits-

stadium, das Ausmaß der körperlichen Einschränkungen und die prognostischen

Einschätzung der Erkrankung.

Für jeden einzelnen Patienten muss seine individuelle Therapie erstellt werden.

 

Die wichtigsten Elemente der Rheumabehandlung sind:

  • Medikamente

  • Krankengymnastik (z.B. als Einzelgymnastik und 00

    Gruppengymnastik, als Trockentherapie und im Bewegungsbad)

  • Ergotherapie (z.B. Gelenkschutztraining, Anpassung an die

    Anforderungen in der allgemeinen Lebensführung, im Haushalt,

    im Beruf und in der Freizeit),

  • Link Hilfsmittelversorgung, (sogenannte funktionelle Therapie)

  • Physikalische Therapie (z.B. Wärme, Kälte, Massagen, Elektrotherapie)

  • Operative Therapie (z.B. Korrekturoperationen bei Gelenkfehlstellungen oder

    Funktionseinschränkungen, Gelenkersatz)

  • Patientenschulung

  • Psychologische Maßnahmen (z.B. psychologische Schmerzbewältigung,

    Entspannungstraining, seelische Stützung und Begleitung)

  • Sozialberatung und soziale Unterstützung

Die medikamentösen Therapie der rheumatoiden Arthritis

 

Die Medikamente werden in 5 Hauptgruppen unterteilt:

  • Schmerzmittel, cortisonfreie Entzündungshemmer (NSAR)

  • Link Cortison

  • Link langwirksame Antirheumatika (früher so genannte „Basismedikamente“)

  • krankheitskontrollierende Medikamente

 

Um den gelenkzerstörenden Verlauf der rheumatoiden Arthritis aufzuhalten, muss

eine konsequente und ausreichende medikamentöse Therapie durchgeführt werden.

Das Ziel ist hierbei, die Link Entzündung der Gelenke so weit wie möglich zu kontrol-

lieren. Einen unverzichtbaren Teil nehmen dabei die sogenannten Basismedikamente

oder auch disease-modifying antirheumatic drugs (Link DMARD) ein, welche den

Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen können.

 

Eine besondere Stellung unter den Basismedikamenten nimmt Link Methotrexat ein,

das in der Regel eine hohe Wirksamkeit bei vertretbaren Nebenwirkungen besitzt.

Methotrexat kommt aus der Krebstherapie, wo es in höheren Dosen Anwendung

findet. Methotrexat kann sowohl in Tablettenform als auch als Injektion intramuskulär,

intravenös oder subkutan (unter die Haut) gegeben werden.

 

Alle Basismedikamente brauchen eine gewisse Zeit bis die Wirkung eintritt.

In der Regel liegt dies zwischen etwa 4 Wochen (Link Methotrexat, Link Leflunomid)

und 6 Monaten (Link injizierbares Gold) liegen. Bei ungenügendem Ansprechen auf

ein einzelnes Basismedikament sollten verschiedene Medikamente miteinander kombi-

niert werden.

 

Weitere Informationen zur Basistherapie (Basismedikamenten) gibt es hier zum

nachlesen:

 

Krankheitsverlauf und Prognose

 

Mögliche Komplikationen:

 

  • Gelenkeinsteifungen mit Funktionsverlust

  • Nebenwirkungen der antirheumatischen Therapie

  • reaktive sekundäre Amyloidose vom AA-Typ (5%) mit Nierenbeteiligung

  • Osteoporose: zunächst periartikulär, dann generalisiert (Nebenwirkung der

    Medikamente, Immobilisation)

  • rheumatoide Link Vaskulitis

 

Die Progressionsrate der rheumatoiden Arthritis ist in den ersten drei Erkrankungs-

jahren am höchsten, etwa 70 Prozent der RA-PatientInnen entwickeln innerhalb von

drei Jahren radiologische Veränderungen, wobei festgehalten werden muss, dass

Gelenkveränderungen schon evident sind, ehe sie im Röntgenbild sichtbar sind.

 

Der Verlauf der rheumatoiden Arthritis ist von PatientInnen zu PatientInnen unter-

schiedlich.

Bei einem Großteil der Betroffenen nehmen die Beschwerden im Laufe der Jahre zu,

wobei die Krankheit in Schüben mit immer kürzeren Abständen auftritt. Schwere

Verläufe sind durch eine Mitbeteiligung der verschiedenen Organsysteme gekennzeich-

net (siehe: Link Organmanifestationen außerhalb der Gelenke).

Diese Organmanifestationen sind in der Regel ein Zeichen für einen prognostisch

ungünstigen Verlauf und können mit lebensbedrohlichen Komplikationen einhergehen.

 

Welcher PatientInnen diese schweren Stadien der Rheumatoiden Arthritis durchleiden

muss, lässt sich im voraus nicht sicher vorhersagen.

Eine wichtige Voraussetzung ist die möglichst frühzeitige Diagnose und die schnellst-

mögliche Einleitung einer wirksamen Behandlung. Die Chancen auf einen guten

Therapieerfolg sinken mit zunehmender Krankheitsdauer und mit der anhaltenden

Dauer der entzündlichen Prozesse. Forschungsergebnisse lassen ein therapeutisches

Fenster von bis zu 3 Monaten nach Krankheitsbeginn vermuten („window of opport-

unity“), in dem die therapeutischen Chancen am größten sind.

 

Auch PatientInnen mit fortgeschrittenen Krankheitsbildern können von einer Therapie

mit modernen antirheumatischen Medikamenten profitieren.

PatientInnen mit Rheumatoiden Arthritis haben wahrscheinlich eine erhöhte Mortalität

gegenüber Gesunden; Untersuchungen sprechen von einer bis zu 15 Jahren verkürzten

Lebenserwartung. 

 

Verlaufskontrolle

 

Die Verlaufskontrolle während einer frühen RA soll engmaschig alle ein bis drei Monate

erfolgen. Bei jedem Besuch ist eine klinische Untersuchung mit Beurteilung der

Gelenksitiuation durchzuführen. Es ist von Vorteil die Zahl und Lokalisation der

geschwollenen und schmerzempfindlichen Gelenke zu dokumentieren. Anhand

verschiedener Skalen sind auch die Beurteilungen von Arzt und Patient zur

Krankheitsaktivität festzuhalten.

 

Labortechnisch sind insbesonders Link CRP und Link BSG (Blutsenkung) von Bedeutung.

Diese Parameter zur Überprüfung der Arthritisaktivität werden in sogenannten compo-

site indices, wie dem Link DAS28 oder dem CDAI zur Erfassung der Krankheitsaktivität

zusammengefasst. Für die Routine können auch reine Patientenfragebögen, wie z.B.

der HAQ (Health Assessment Questionnaire), der funktionelle Veränderungen, Behin-

derungen und Krankheitsaktivität erfasst oder der RADAI-5 herangezogen werden. 

Strukturelle Veränderungen während der ersten Krankheitsjahre sollten zumindest alle

12 Monate mittels Röntgenbild beider Hände und beider Füße und der betroffenen

Gelenke dokumentiert werden. Auch das Röntgen der Halswirbelsäule sollte jährlich

durchgeführtwerden.

 

Informationen zur Kontrolle unter Basismedikamenten/Basistherapie finden Sie im

im Link Rheuma-Lexikon unter:

Link Basistherapie, Basismedikamente, DMARDs, LWAR

 

Remissionskriterien der rheumatoiden Arthritis

 

Remission bedeutet: Rückbildung der Erkrankung, Krankheitskontrolle.

Die Remissionskriterien dienen zur Beurteilung ob, - in wie weit eine Rückbildung der

Erkrankung vorliegt.

 

Eine Remission liegt vor, wenn mehr als 5 Kriterien über mehr als 2 Monate erfüllt sind.

  • Morgendliche Gelenksteife < 15 Min.

  • Kein Auftreten von Ermüdung

  • Keine Gelenkschmerzen

  • Keine druckschmerzhaften Gelenke, kein Gelenkschmerz bei Bewegung

  • Keine Gelenkschwellungen

  • Link BSG < 30mm/h bei Frauen, < 20mm/h bei Männern

Zusätzlich dürfen keine Zeichen aktiver systemischer Manifestationen wie z.B. Peri-

karditis (Herzbeutelentzündung) , Pleuritis (Brustfellentzündung), Link Vaskulitis oder

Myositis (Muskelentzündung) vorliegen. Unerklärlicher Gewichtsverlust und / oder

uner-klärliches Fieber in der jüngsten Vergangenheit sprechen gegen eine komplette

Remission.

 

Weitere Informationen zu den verschiedenen Formen der Remission:

Link Remission - Remissionskriterien

 

Weitere Informationen zur rheumatoiden Arthritis:

Link Ernährung bei  rheumatoider Arthritis (chronischer Polyarthritis)

Link Rheuma-Bilder Hände, Rheuma-Bilder Füße

 

 

 

 

 

Autor: Eveline Ioannidis

 

Letzte Aktualisierung: 09.09.2011

 

 

Quellen:

 

netdoktor.at

dr-gumpert.de 

rheuma-online.de

tiz-info.de

de.wikipedia.org

universimed.com

dgrh.de

 

 

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