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    Sarkopenie-Syndrom, Muskelschwund im Alter    
 

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Dr. Mesaric

 
 
 

Sarkopenie: ein verbreitetes und zu wenig bekanntes

Syndrom

 

Sarkopenie ist ein durch Alter, Krankheit und/oder inadäquate Lebens- und

Ernährungs-gewohnheiten verursachtes Syndrom, das im Abbau von skelettaler

Muskelmasse in kritischem Ausmaß und kritisch abgesenkter Muskelkraft und/

oder Muskelfunktionalität besteht. "Sarkopenie bedeutet erhöhte Krankheits-

häufigkeit, häufigere Behinderung, erhöhtes Sturz- und Knochenbruch-Risiko,

Invalidität, Verlust an Lebensqualität, Einschränkungen einer selbstbestimmten

Lebensführung und erhöhte Sterblichkeit", erklärt Prim. Dr. Klaus Hohenstein

MSc.

(Institut für Physikalische Medizin und Rehabili-tation, Geriatriezentrum

Wienerwald, Wien).


Sarkopenie-Syndrom. Muskelschwund im Alter

Muskelschwund im Alter

 

 

Fotograf/In: Anna Rauchenberger

Auftraggeber : B&K Medien- und

Kommunikationsberatung GmbH

Beschreibung: (C) Fotodienst/Anna

Rauchenberger Wien, 19.01.2011 -

 

Sarkopenie ist ein durch Alter,

Krankheit und/oder inadäquate

Lebensgewohnheiten verursachtes

Syndrom, das im Abbau von

Muskelmasse und kritisch abgesenkter Muskelkraft und/oder Muskelfunktionalität

besteht. Zu diesem Thema diskutierten Experten bei einer Fortbildungsveranstaltung

für Mediziner im MUMOK.

FOTO v.l.: Prim. Dr. Klaus Hohenstein MSc., Institut für Physikalische Medizin und

Rehabilitation, Geriatriezentrum Wienerwald, Wien, Dr.in.med. Eva- Maria Strasser,

Arbeitsgemeinschaft für klinische Ernährung (AKE), Sozialmedizinisches Zentrum Süd,

Kaiser-Franz-Josef-Spital, Prim. Univ.-Prof. Dr. Monika Lechleitner, Fachärztin für

Innere Medizin, Ärztliche Direktorin am LKH Hochzirl, Dr. Hannelore Nöbauer,

Stellvertretende Chefredaktion, Ärzte Krone, Moderation  

 

All das müsste nicht sein: Sarkopenie ist gut diagnostizierbar und es gibt hinreichende

Evidenz dafür, dass sie vor allem in frühen Stadien mit Bewegungs- und

Ernährungstherapie, insbesondere mit der essentiellen Aminosäure Leucin, gut

beeinflussbar ist. Allerdings ist die - seit 1989 so bezeichnete - Krankheit noch recht

unbekannt und wird viel zu selten diagnostiziert. Ein Team von Fachleuten hat jetzt

das Experten-Papier "Altersassoziierter Muskelverlust" erarbeitet, um Bewusstsein zu

schaffen und die Diagnose und Behandlung der Sarkopenie zu optimieren.

 

Je nach Definition wird die Häufigkeit der Sarkopenie (griechisch: "Fleischmangel") bei

60- bis 70-Jährigen mit bis zu 13 Prozent angegeben, demnach gibt es in Österreich

in dieser Altersgruppe rund 120.000 daran Erkrankte. Die Häufigkeit steigt mit

zunehmendem Alter an, bei den Über-80-Jährigen auf bis zu 50 Prozent. Nach

Schätzungen sind heute weltweit mehr als 50 Mio. Menschen davon betroffen, in 40

Jahren werden es mehr als 200 Mio. sein. In den USA betragen die gesundheitlichen

Gesamtausgaben für Sarkopenie 1,5 Prozent der direkten Gesundheitsausgaben.

 

Abbau von Muskelmasse mit massiv steigender Tendenz

 

Es beginnt scheinbar harmlos mit Problemen beim Gehen oder Stiegen steigen. Die

Wegstrecken, die bewältigt werden, werden immer kürzer, die Pausen dazwischen

immer länger. Eine gefüllte Einkauftasche zu tragen fällt schwer, ebenso wie jede

anstrengende Tätigkeit im Haushalt, und selbst Stehen über 10 oder 15 Minuten

kann zum kaum bewältigbaren Problem werden. Solche Probleme können erste

Anzeichen einer Sarkopenie sein. Prim. Hohenstein: "Sarkopenie ist ein

multifaktorielles Geschehen, das durch genetische, allerdings zum Teil reversible

Alterungsprozesse ausgelöst und durch zusätzliche Faktoren verstärkt werden kann:

Zum Beispiel durch Aktivitätsmangel, verschiedene Krankheiten und Defizite in der

Ernährung, insbesondere die inadäquate Aufnahme von Energie und/oder Proteinen."

 

Ab 40 liegt der natürliche Verlust der Muskelmasse zwischen 0,5 und 1 Prozent pro

Jahr. Ab 50 nimmt die Muskelmasse im Bevölkerungsquerschnitt jährlich um ein bis

2 Prozent ab. Die Muskelkraft reduziert sich um 1,5 Prozent, ab dem 70. Lebensjahr

sogar um 3 Prozent, insbesondere geht die Schnell-Kraft verloren. "Ursachen sind u.a.

Fehlfunktionen zellulärer Prozesse in den Muskelfasern, ein altersbedingtes Übergewicht,

muskelabbauende ("katabole") Prozesse und die Verringerung muskelaufbauender

("anaboler") Vorgänge", so Prim. Hohenstein. "Die Muskeln sprechen auf anabole Stimuli

immer weniger an. Bei gleichbleibender Ernährung steht eine reduzierte Sensitivität des

Muskels gegenüber den anabolischen Effekten von essentiellen Aminosäuren,

insbesondere Leucin, einer geringeren Bioverfügbarkeit dieser Substanzen gegenüber."

 

Proteinreiche Ernährung und Krafttraining

 

Die Therapie basiert immer auf einer Kombination von proteinreicher Ernährung und

physischer Aktivität. Zur Umkehr der sarkopenischen Dynamik hat sich regelmäßiges

Krafttraining (medizinische Trainingstherapie) als wirksam erwiesen. Ist das nicht oder

nur eingeschränkt möglich, kann inaktivitätsbedingter Muskelabbau durch funktionelle

Elektrostimulation reduziert werden.

 

Höherer Proteinbedarf im Alter - Unterversorgung ist weit

verbreitet

 

"Ältere Menschen benötigen zur Bildung der gleichen Menge von Muskelproteinen eine

höhere Eiweißzufuhr als jüngere", erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Monika Lechleitner

(Fachärztin für Innere Medizin, Ärztliche Direktorin am LKH Hochzirl). In Bezug auf

Sarkopenie verdient die Tatsache, dass ältere Menschen einen höheren Proteinbedarf

haben, besondere Beachtung, weil sie in den derzeit gängigen Ernährungsempfehlungen

(RDA) nicht berücksichtigt wird: Dort wird undifferenziert eine Tagesdosis von 0,8

Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht für alle Erwachsenen ab dem 19. Lebens-

jahr als Minimum empfohlen. Prim. Lechleitner: "Studien ergaben allerdings, dass für

ältere, speziell sarkopenische Menschen zur Aufrechterhaltung der Stickstoffbalance

bzw. der fettfreien Körpermasse eine höhere Dosis erforderlich ist, etwa 1 bis 1,5g/kg/

Tag."

 

Doch selbst die täglichen 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht werden von

25 Prozent der älteren Menschen nicht erreicht, bei den Über-70-Jährigen sind es

bereits 40 Prozent. 50 Prozent der älteren Menschen weisen eine tägliche Zufuhr von

unter einem Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht auf. Prim. Lechleitner: "Es ist

also eine weit verbreitete Unterversorgung mit Proteinen zu diagnostizieren, die

dramatische Konsequenzen haben kann."

 

Gleichmäßige Eiweißzufuhr - zentraler Stellenwert von Leucin

 

Erforderlich ist eine den Empfehlungen entsprechende, möglichst gleichmäßig über die

drei Hauptmahlzeiten verteilte Eiweißzufuhr. Angesichts der Ernährungsgewohnheiten

älterer Menschen ist häufig eine entsprechende Supplementierung der Eiweißzufuhr

angezeigt. "Die Supplementierung von Protein und Aminosäuren, insbesondere Leucin,

hat nachweisliche den Muskelabbau verringernde Effekte. Leucin ist beim Menschen

eine essentielle Aminosäure, die für den Energiehaushalt im Muskelgewebe eine zentrale

Rolle spielt. Unter den essentiellen Aminosäuren dürfte die Aminosäure Leucin der

mächtigste Regulator der Proteinsynthese des Skelettmuskels sein", so Prim.

Lechleitner. Supplement-Mischungen aus essentiellen Aminosäuren wirken allerdings auf

Sarkopenie nur dann anabolisch, wenn der Leucin-Anteil hoch ist (2,8g bzw. 41%),

Produkte mit niedriger Leucin-Dosierung wirken nur bei Jüngeren muskelaufbauend.

 

Vitamin D

 

Neben Proteinen äußert sich die ausreichende Aufnahme von Vitamin D bei älteren

Menschen in einem Anstieg von Kraft und Funktion sowie einer Reduktion von Stürzen.

Bei Sarkopenie sollte deshalb die empfohlene Tagesdosis von 800-1.000 IU eingehalten

werden. Vitamin D-Quellen sind zum Beispiel Seefische, maßvolle Sonnenexposition und

Supplemente.

 

"Es geht also darum, die Sarkopenie als gefährliche Krankheit ernst zu nehmen, Risiko-

personen oder Menschen mit den typischen Beschwerden eine kompetente Diagnose zu

ermöglichen, und bei Vorliegen einer Sarkopenie diese angemessen zu behandeln", so

Prim. Hohenstein. "Die Möglichkeiten dafür gibt es, sie müssen nur konsequent genützt

werden."

 

Richtlinien für die Diagnose

 

Voraussetzung einer kompetenten Behandlung ist eine möglichst frühzeitige und exakte

Diagnose. Das Expert/-innen-Papier präsentiert auch einen einfachen Diagnose-

Algorithmus für die klinische Praxis: Ein erster Check der Ganggeschwindigkeit und der

Handkraft, der Hinweise auf Sarkopenie geben kann, kann sehr einfach in der Ordination

durchgeführt werden. Er sollte bei Menschen ab dem 65. Lebensjahr und bei Vorliegen

spezieller Risikofaktoren auch bei Jüngeren erfolgen. Bei einer Ganggeschwindigkeit

unter 0,8m/sek und/oder wenn die Handkraft vermindert ist, besteht ein starker

Verdacht auf Sarkopenie. In diesem Fall ist zur Sicherung der Diagnose eine

Muskelmasse-Messung mittels Absorptiometrie (DXA) oder Bioelektrische

Impedanzanalyse (BIA) anzustreben.

 

Leucin-Gehalt einiger Lebensmittel

 

Lebensmittel

Gesamtprotein

Leucin

Anteil

Rindfleisch, roh

21,26 g

1691 mg

8,0 %

Hühnerbrustfilet, roh

23,09 g

1732 mg

7,5 %

Lachs, roh

20,42 g

1615 mg

7,9 %

Hühnerei

12,58 g

1088 mg

8,6 %

Kuhmilch, 3,7 % Fett

3,28 g

321 mg

9,8 %

Walnüsse

15,23 g

1170 mg

7,7 %

Weizen-Vollkornmehl

13,70 g

926 mg

6,8 %

Mais-Vollkornmehl

6,93 g

6,93 g

12,3 %

Reis, ungeschält

7,94 g

657 mg

8,3 %

Erbsen, getrocknet

24,55 g

1760 mg

7,2 %

 

Leucin ist Bestandteil tierischen und pflanzlichen Proteins. Die oben stehenden

Beispiele beziehen sich jeweils auf 100g des Lebensmittels, zusätzlich ist der

prozentuale Anteil von Leucin am Gesamtprotein angegeben.

 

 

Proteingehalt einiger Lebensmittel

Fleisch

14-22 %

Kartoffel, Brot, Gemüse

4-8 %

Eier

12-14 %

Milch

3-3,7 %

Käse

10-33 %

Fisch

15-20 %

Sojamehl

35-45 %

Sojabohnen getrocknet

35 %

 

 

Quelle:

Kontakt: B&K Bettschart & Kofler Medien- und Kommunikationsberatung GmbH;

Mag. Daniela Pedross;

A-1090 Wien, Liechtensteinstraße  

 

 

 

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