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Rheuma-Lexikon, Buchstabe S

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Das Sjögren-Syndrom

 

sjögren-syndrom 

Definition

 

Das Sjögren-Syndrom (SS) ist eine Erkrankung, die auf einer Fehlfunktion der

körpereigenen Abwehrmechanismen beruht. Diese richten sich fälschlicherweise gegen

den eigenen Körper. Das Abwehrsystem bildet sogenannte Autoantikörper, die

körpereigenes Gewebe angreifen und zu LinkEntzündungen führen (LinkAutoimmuner-

krankung).

 

Das Sjögren-Syndrom ist eine Erkrankung aus der Gruppe der systemischen

Bindegewebserkrankungen (LinkKollagenosen) bei der die Immunzellen die Speichel-

drüsen und Tränendrüsen angreifen und die Funktion der Drüsen massiv einschränken.

Dies kann zur Austrocknung (LinkSicca-Syndrom) der Augen (Keratokonjunktivitis

sicca), der Nase (Rhinitis sicca), des Mundes (Xerostomie) und einer chron. Speichel-

drüsenentzündung (chronische Parotitis) führen.

Im weiteren Krankheitsverlauf kann das SS jedoch auch eine Austrocknung weiterer

Schleimhautbereiche (z. B. Geschlechtsorgane, Atemwege) und der Haut bewirken.

 

Das Sjögren-Syndrom kommt als eigenständige Erkrankung ("primäres SS") oder auch

als Begleiterkrankung bei anderen rheumatischen Erkrankungen des Immunsystems wie

z.B. der Linkrheumatoiden Arthritis oder dem LinkLupus erythematodes vor

("sekundäres SS").

Innerhalb der Gruppe der rheumatischen Immunerkrankungen ist es nach der

rheumatoiden Arthritis am zweithäufigsten.

Bei der primären Form kann es ebenfalls zu Muskel - und Gelenkschmerzen kommen. Die

Gelenkveränderungen sind jedoch nicht erosiv (keine Gelenkzerstörung).

 

Die Erkrankung betrifft Frauen deutlich häufiger als Männer (9 : 1) und tritt meist nach

den Wechseljahren auf.

 

Sjögren-Syndrom - Symptome

 

Hauptsymptome (Glanduläre Symptome):

  • Mundtrockenheit (Xerostomie): Über mehr als 3 Monate anhaltende

  • Mundtrockenheit, anhaltende oder immer wieder kehrende Schwellung

    der Speicheldrüsen beim Erwachsenen, häufiges Benutzen von

    Getränken als Schluckhilfe für trockene Speisen;

  • Trockenheit der Augen (Xerophthalmie) LinkKeratokonjunktivitis

  • sicca: Über mehr als 3 Monate anhaltendes tägliches Trockenheits-

    gefühl und wiederkehrendes Sandkorngefühl der Augen, Benutzung von

    künstlicher Tränenflüssigkeit für mehr als dreimal pro Tag.

 

Manchmal trocknen auch andere Schleimhäute und Hautpartien aus, hierzu gehören

insbesondere die Schleimhäute der Nase, der Luftröhre, der Lunge, des Bronchialsys-

tems und der Geschlechtsorgane (Vaginaltrockenheit). Heiserkeit, Hustenreiz und

Sexualfunktionsstörungen können die Folge sein.

 

Weitere, außerhalb der Drüsen gelegene Symptome (Extraglanduläre

Symptome) sind:

Selten können andere Organe wie etwa Nieren, Blutgefäße ("LinkVaskulitis"), Lungen,

Leber, Pankreas oder das Gehirn betroffen sein.

 

Neurologische und neuromuskuläre Symptome

  • Myopathie (Muskelerkrankung)

  • Muskelschmerz (Myalgie)

  • Schwäche (z. B. das Treppensteigen wird unmöglich)

  • Fieber,

  • Erschöpfung,

  • Gelenkschmerzen (Arthralgie)

  • Lymphadenopathie (bleibende Lymphknoten-Vergrößerung)

 

Schwäche kommt insbesondere bei Nierenbeteiligung, tubulärer Azidose und Kalium-

mangel vor.

Wenn der Verdacht auf Muskelbeteiligung besteht, sollten entsprechende

Blutuntersuchungen, - eine Elektromyographie und zusätzlich Muskel - und Nerven-

biopsie erwogen werden.

 

Neuropathie (Erkrankung von Nerven)

Die Polyneuropathie (Poly=viel; Erkrankung vieler Nerven) beim Sjögren-Syndrom kann

eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • meist PNP vom Multiplextyp (Störungen in Versorgungsgebieten mehrerer

  • *peripherer Nerven);

  • auch symmetrische PNP oder akute Polyneuritiden (Nervenentzündungen)

  • möglich

überwiegend **distal-symmetrisch ***sensomotorische Neuropathie:

  • strumpf- und handschuhförmige Parästhesien (unangenehme/schmerzhafte

  • Körperempfindungen) und Gefühlsstörungen,

  • schlaffe Paresen (leichte,-nicht vollständige Lähmung)

  • abgeschwächte bis erloschene Eigenreflexe

  • "Restless legs"-Symptome mit Brennschmerz, Kribbelparästhesien,

  • Berührungsempindlichkeit und Bewegungsunruhe, die sich bei Herumlaufen bessert

Schmerzen, sensible Ausfälle:

  • vermindertes Temperaturempfinden (insbesondere Kälteempfinden),

  • Pallhypästhesie (krankhafte Verminderung des Vibrationsempfindens)

  • trophische Hautveränderungen (Verhärtung, Hautverfärbung, Hautentzündung,

  • Ekzem, Atrophie, Haarlosigkeit)

 

*Das periphere Nervensystem ist der außerhalb von Gehirn und Rückenmark liegende

Teil des Nervensystems. Es besteht aus den Nerven, die als "Wurzeln" aus dem

Rückenmark austreten, sich in Nervengeflechten (den Plexus) beidseitig der Wirbelsäule

vermischen und als periphere Nerven für Bewegung oder Gefühl die Haut, die Muskeln

und die (Sinnes-) Organe des ganzen Körpers versorgen.

**Weiter von der "Körpermitte" oder von einem Organ "entfernt" gelegen.

***Sinnesreize (sensorische Reaktion) und die dadurch veranlaßte Muskelreaktion

(motorische Reaktion) betreffend. 

Ein Beispiel vereinfacht dargestellt: Hand greift auf die heiße Herdplatte; Nerv meldet

esdem Gehirn (sensorische Reaktion), das Gehirn gibt den Befehlt: Hand zurück ziehen

(motorische Reaktion).

 

 

Zentrales Nervensystem

Störungen des zentralen Nervensystems können Gehirn und Rückenmark betreffen.

Sie können motorische und sensorische Schäden hervorrufen mit Lähmungen,

Sprachstörungen, Schlaganfall. Bewegungsstörungen, Gehirnentzündung, aseptische

Meningitis (Hirnhautentzündung ohne die Beteiligung von Erregern), Demenz oder

psychische Abnormalitäten können auftreten.

 

Krankheiten des Rückenmarks können sein:

Knochenmarkentzündung, Brown-Sequard-Syndrom (motorische Lähmung) und

neurogene Blase. Neuropsychologische Abnormalitäten sind Aufmerksamkeits- und

Konzentrations-Schwäche sowie Defizite bei der verbalen Intelligenz (z. B. Wortfin-

dungsstörungen; Defizite sind größer als bei nicht-verbaler Intelligenz). Alzheimer-

Demenz kann ausgeschlossen werden.

Außerdem sind Hysterie, Hypochondrie, Depression, Verstimmungen, Angst und Anfälle

von Panik möglich.

 

Depressionen

Depressionen können in verschiedenen Formen auftreten. Hierzu gehören auch

Konzentrationsstörungen, ein verminderter Appetit oder Schlafstörungen. Die

genaue Rolle der Entzündungen sowie des hormonellen Ungleichgewichts beim Sjögren-

Syndrom als möglicher Unterstützungsfaktor ist unklar, man geht jedoch davon aus,

dass bestimmte Formen der Depression zumindest teilweise durch chemische

Veränderungen im Gehirn hervorgerufen sind. Stress, schlechter Schlaf und die

chronische Krankheit können zur Depression beitragen.

 

Nicht selten tritt das Sjögren-Syndrom gemeinsam mit einer chronisch entzündlichen

LinkSchilddrüsenerkrankungen auf, in 6% der Fälle auch mit einer bösartigen

Erkrankung des lymphatischen Systems (malignes Lymphom).

Noch häufiger kann ein sogenanntes Pseudolymphom auftreten, das histologisch

schwer von einem echten Lymphom unterschieden werden kann.

 

Die Nervenbeteiligung beim Sjögren Syndrom wird oft mit der Multiplen Sklerose

verwechselt, besonders wegen der ähnlichen Symptome, wie Defizite im Gehirn und

Rückenmark. Beim Sjögren Syndrom können jedoch auch Krankheiten des peripheren

Nervensystems auftreten, was bei MS eher seltener vorkommt.

Dagegen hat der Linksystemische Lupus erythematodes mit seiner Beteiligung des

zentralen Nervensystems Ähnlichkeit mit Sjögren-Patienten, die eine Krankheit des

zentralen Nervensystems haben, wobei Schlaganfälle beim Lupus häufiger vorkommen.

Bei Gefäßerkrankungen und Mikroinfarkten im Gehirn und Rückenmark ist es schwer,

zwischen Sjögren und Lupus zu unterscheiden.

 

Krankheitsbild

 

Oft stellt das Sjögren-Syndrom keine reine Erkrankung der schleimproduzierenden

Drüsen, sondern auch des gesamten Organismus dar.

Die chronische Störung der Drüsenfunktion führt vor allem im Bereich des Mundes und

der Augen zu schweren Beeinträchtigungen und unangenehmen Folgeerscheinungen.

Hierzu zählen z. B. chronische Entzündungen und häufige Infektionen im Bereich der

Mundhöhle und der Bindehäute, Karies und Paradontose, Mundgeruch, Schwierigkeiten

beim Schlucken fester und vorallem trockener Speisen, Geschmacks- und auch

Geruchsstörung, Heiserkeit und später ständige Atemwegsinfekte.

 

Im einzelnen ist das Sjögren-Syndrom definiert durch das gleichzeitige Vorhandensein

der folgenden Symptome (Krankheitszeichen):

Durch die Fortschritte in der Immunologie stehen weitere Bluttests zur Verfügung, die

auf ein Sjögren-Syndrom hindeuten. So sind aus der Gruppe der LinkENA-Antikörper die

Ro-(SSA)-Antikörper sowie die La-(SSB)-Antikörper diagnoseleitend für ein Sjögren-

Syndrom.

Häufig wird der Begriff "Sjögren-Syndrom" aber auch für eine alleinige Sicca-Symptomatik

verwendet, obwohl dies eigentlich unkorrekt ist (Syndrom = griech. das Nebeneinander

von mehreren Symptomen).

 

Diagnose

 

Leider wird die Diagnose eines SS meist erst mit mehrjähriger Verzögerung gestellt, weil

die fast immer frühzeitig vorhandenen Symptome Augen - und Mundtrockenheit oft im

Frühstadium dem Arzt nicht berichtet oder von diesem nicht richtig gedeutet werden.

Um das Sjögren-Syndrom eindeutig bestimmen zu können, müssen – neben dem aus-

führlichen Anamnesegespräch - eine ganze Reihe von Diagnose-Untersuchungen durch-

geführt werden.

Neben den typischen klinischen Befunden ist zunächst mit einfachen Funktionstests

eine mangelhafte Tränen - bzw. Speichelproduktion nachweisbar. Genaue Unter-

suchungen der Speicheldrüsen mittels bildgebender Verfahren mit Kontrastmittel

(Szintigraphie, Sialographie, Kernspintomographie) führen dann zur Verdachts-Diagnose,

eine Probeentnahme aus der Lippeninnenseite mit mikroskopischer Untersuchung von

Drüsengewebe schließlich meist zum Beweis (oder Ausschluß).

 

Schirmer Test:

Beim Schirmer-Test (Funktionsprüfung der Tränenproduktion) wird ein Filterpapier-

streifen in die untere Augen-Bindehautfalte gelegt. Wenn der Streifen nach 5 Minuten

nicht mindestens fünf Millimeter hoch mit Tränenflüssigkeit benetzt ist, ist das Ergebnis

pathologisch.

 

Bengalrosa-Test:

Bindehaut und Hornhaut werden mit Bengalrosa - ein tiefrosa färbender, bakteriologisch-

mikroskopischer Farbstoff - angefärbt. Auf einer Farbveränderungstafel von eins bis

neun kann der Arzt ablesen, ob ein pathologischer Befund vorliegt. Ab einer Häufung von

Pigmentfehlern, die auf der Skala dem Punktewert vier entspricht, liegt ein patholo-

gischer Befund vor.

 

Lippenbiopsie:

Dabei werden Gewebeteile entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Eine

Speicheldrüsenbiopsie wird meist an der Unterlippe vorgenommen. Zusätzlich kann auch

eine Tränendrüsenbiopsie erfolgen. Lässt sich auf 4 mm2 Gewebefläche mindestens ein

Entzündungsherd finden, dann ist das Gewebe pathologisch verändert

 

Speicheldrüsentest:

Beim Speicheldrüsentest wird ohne Stimulation, oder stimuliert mit Zitronensäure, der

Speichelfluss gemessen. Mindestens 1,5 ml Speichel in 15 Minuten müssen fließen. Bei

der Sialografie werden die Speicheldrüsen mit einem Kontrastmittel eingefärbt und

anschließend geröntgt. Auch die Szintigrafie kommt zum Einsatz. Mit Magnetresonanz-

tomografie können Strukturveränderungen im Drüsengewebe ebenfalls gut dargestellt

werden.

 

Bei Verdacht auf ein Sjögren-Syndrom untersucht der Mediziner auch die Lymphknoten.

Steht die Diagnose Sjögren-Syndrom fest, werden die Lymphknoten regelmäßig

untersucht und beobachtet, da sich auf diese Weise die Ausbildung eines

Lymphknotentumors frühzeitig erkennen und behandeln lässt.

 

Auch Laboruntersuchungen leisten Hilfestellung, können aber allein die Diagnose nicht

sichern. Nützlich ist hier vor allem der immunologische Nachweis von bestimmten

LinkAntikörpern, die bei vielen – aber nicht allen! – SS-Patienten im Blut zu finden sind

(SS-A- und SS-B-Antikörper).

 

Es ist allerdings unbedingt zu beachten, daß es viele andere mögliche Ursachen für

Mund- und Augentrockenheit gibt. Andere Erkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus

("Zuckerkrankheit") oder Fibromyalgie-Syndrom, aber auch Viruserkrankungen (z. B. die

virale Leberentzündung (Hepatitis) führen nicht selten zu ähnlichen Folgesymptomen,

außerdem führen eine Reihe von Medikamenten (z. B. gegen Bluthochdruck und

psychische Erkrankungen) zur Mundtrockenheit. Es ist auch zu beachten, daß mit

zunehmendem Alter die Drüsenproduktion auch bei Gesunden nachlassen kann.

 

Auch Speicheldrüsenschwellungen können zahlreiche andere Ursachen haben. All dies

muß im Rahmen der Abklärung als Ursache ausgeschlossen werden, eine gründliche

fachärztliche Untersuchung durch den Augenarzt und HNO-Arzt ist hierfür zusätzlich zu

den obengenannten Maßnahmen sinnvoll.

 

Von europäischen Ärzten (European League against Rheumatism; Abk.: EULAR) wurde

folgender Klassifikationsvorschlag erarbeitet (es gibt keine Diagnosekriterien):

 

     

  • Augenbeschwerden:

    • Mindestens eine positive Antwort auf eine der Fragen 1-3 im

    • untenstehenden Fragenkatalog.

  • Beschwerden im Mundbereich:

    • Mindestens eine positive Antwort auf eine der Fragen 4-6 im

    • untenstehenden Fragenkatalog.

  • Augenbefunde:

    • Positiver Schirmer- oder Rose-Begal-Test.

  • Gewebsbefunde:

    • Mindestens 1 Lymphoidzell-Focus (>50 mononukleäre Zellen) pro 4 mm²

    • Speicheldrüsengewebe.

  • Speicheldrüsenbeteiligung:

    • Mindestens ein positives Ergebnis in den folgenden drei Tests:

    • - Speicheldrüsenszintigrafie,

      - Parotis-Sialografie,

      - unstimulierter Speichelfluss (< 1,5 ml pro 15 Minuten)

  • Autoantikörper-Nachweis:

 

Fragenkatalog zur Erfassung von Augen- und Mundtrockenheit beim Sjögren-Syndrom:

 

     

  • Leiden Sie seit mehr als drei Monaten unter täglicher, belastender Augen-

  • und Mundtrockenheit?

  • Verspüren Sie häufig ein Fremdkörpergefühl (Sand) in den Augen?

  • Benutzen Sie mehr als drei Mal täglich Tränenersatzlösungen?

  • Leiden Sie seit mehr als drei Monaten unter täglicher Mundtrockenheit?

  • Litten Sie als Erwachsener unter wiederkehrenden oder dauernden

  • Schwellungen von Mundspeicheldrüsen?

  • Sind Sie gezwungen, zum Schlucken trockener Speisen etwas zu trinken?

 

Diese Klassifikationskriterien werden nicht angewandt, wenn folgende Erkrankungen

bereits vorliegen:

  • Lymphom,

  • AIDS,

  • Sarkoidose,

  • Graft-versus-Host-Krankheit.

Wenn diese Erkrankungen nicht bestehen und keine weiteren (rheumatischen)

Krankheiten vorhanden sind, kann mit einer über 90%igen Wahrscheinlichkeit

davon ausgegangen werden, dass ein primäres SS vorliegt, wenn vier der sechs

Kriterien erfüllt sind (bei Punkt 6 müssen nur SS-A/Ro-Antikörper vorliegen).

 

Wenn bereits eine weitere (rheumatische) Erkrankung bekannt ist, zum Beispiel

eine Linkrheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis), LinkLupus erythematodes

oder Sklerodermie, kann mit einer über 90%igen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen

werden, dass ein sekundäres SS vorliegt, wenn das erste oder zweite Kriterium

sowie das sechste Kriterium und zwei der Kriterien 3, 4 und 5 erfüllt sind.

(Nach Peter, H.-H.; Pichler, W. J.: Klinische Immunologie, München: Urban und

Schwarzenberg, 1996)

 

An anderer Stelle heißt es, dass die Diagnose sekundäres SS als gesichert angesehen

werden kann, wenn typische Beschwerden (zum Beispiel Trockenheitsprobleme) und

SS-A/Ro- bzw. SS-B/La-Antikörper vorliegen. Es ist dann nicht unbedingt erforderlich,

weitergehende Untersuchungen wie zum Beispiel eine Lippenbiopsie durchzuführen.

(Nach Krüger, K.: Das Sjögren-Syndrom. In: mobil. Magazin der Deutschen Rheuma-

Liga e. V. 25 (1999), Nr. 2, S. 4-9).

 

Hinweis: Diese Klassifikationskriterien beschreiben ein fortgeschrittenes Krankheitsbild.

Zur Frühdiagnose des SS sind sie nicht geeignet. Derzeit gibt es noch keine

Untersuchungsverfahren oder Diagnosekriterien, mit denen ein SS im Frühstadium

zuverlässig diagnostiziert werden kann. Daher wird die Erkrankung häufig erst dann bei

Betroffenen erkannt, wenn die Trockenheitsbeschwerden massiv auffällig geworden sind.

Dies ist oftmals erst im Alter von 50 Jahren oder mehr der Fall. Da das SS in der Regel

langsam chronisch-progredient verläuft, ist anzunehmen, dass die Krankheit in den

meisten Fällen viel früher beginnt, wahrscheinlich im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

 

Beachten Sie bitte:

Der Schirmer-Test ist relativ ungeeignet, um Störungen der Tränensekretion zu messen,

da besonders zu Beginn von Erkrankungen, bei denen die Tränensekretion gestört ist

(z. B. Sjögren-Syndrom), die Tränensekretion sogar reflektorisch erhöht sein kann.

Aussagefähigere Tests sind nicht bekannt.

Das Auftreten von SS-A/Ro- und SS-B/La-Antikörpern kann dem Auftreten von

Beschwerden um Jahre vorausgehen.

Nach einer Lippenbiopsie kann die Heilung der Schleimhaut beim Sjögren-Syndrom

erschwert sein.

(Aus dem "Lupus erythematodes Tagebuch" und dem "Lupus erythematodes Lexikon"

von D. Maxin, Darmstadt: Verlag für Neue Medizin, 2003/2000)

 

Das Risiko, der Vererbung ist niedrig. Es besteht ein leicht erhöhtes Risiko für die

Nachkommen der Patienten, diese Erkrankung zu entwickeln. Schwangere Patienten

sollten ihren Gynäkologen über die Erkrankung informieren, da die Autoantikörper die

Plazenta (Mutterkuchen) überwinden - und es dadurch zu Komplikationen beim Kind

kommen könnte.

 

Bilder zur Diagnose gibt es auf LinkDermIS:

LinkSjögren-Syndrom

 

Sjögren-Syndrom: Therapie

  

Auch wenn die Erkrankung bis heute nicht heilbar ist, und es keine Medikamente gibt,

welche sämtliche Symptome erfolgreich bekämpfen, existieren doch eine Reihe von

Behandlungsmöglichkeiten.

Die Therapie beschränkt sich darauf, die Symptome zu lindern.

 

Zwei verschiedene Behandlungsansätze sind gegenwärtig zu unterscheiden:

    1.) Trockenheitssymptome werden in erster Linie durch Ersatzstoffe wie

    künstliche Tränen und Speichel oder Nasen-Gel, im Fall der Mund-

    trockenheit zudem durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr behandelt.

    Verschiedene Tränen- und Speichelersatzstoffe sind erhältlich. Beide

    Maßnahmen lindern aber nur die Symptome und sind außerdem

    ziemlich lästig in der Anwendung. Nebenbei schmeckt künstlicher

    Speichel nicht sonderlich gut. Oft hilft zur Steigerung der Speichel-

    produktion Säure, z.B. das Lutschen von Zitrone oder von sauren

    Bonbons. Das kann man aber auch nicht den ganzen Tag lang machen.

    2.) Systemischen, d. h. den Gesamtorganismus betreffenden Krankheitsformen.

    Es stehen eine Reihe von Medikamenten mit jeweils bestimmten Einsatzbereichen

    zur Verfügung. Diese Medikamente haben jedoch kaum Einfluß auf die

    Trockenheitssymptome, sind also entbehrlich, wenn nur diese Symptome

    vorhanden sind!

Es muß individuell ausgetestet werden, welcher für den einzelnen Patienten jeweils

der optimale ist.

 

Medikamentöse Therapie

 

Pilocarpin (Salagen®) und Cevimelin Tabletten können durch Stimulation der Drüsen

eine vermehrte Flüssigkeitsproduktion bewirken. 

 

Wenn im Blutbild hohe Entzündungswerte (LinkBlutsenkung, Linkc-reaktives-Protein)

festzustellen sind (als Hinweis auf eine starke Überaktivität des Immunsystems), kann

ein Versuch mit Medikamenten gemacht werden, die das Immunsystem dämpfen

(Immunsuppressiva). Am schnellsten bekommt man Klarheit mit einer kurzen und

ausreichend hohen Gabe von LinkCortison (Stoß oder Bolustherapie). Kommt es darunter

zu einer raschen und deutlichen Besserung der Beschwerden, sollte die Einleitung einer

cortisonsparenden, immunmodulatorischen Therapie erfolgen (Linklangwirksame

entzündungshemmende Therapie oder auch sogenannte langwirksame

immunmodulatorische Therapie, früher "LinkBasistherapie"). Interessante Arbeiten

zeigen eine gute Wirksamkeit von LinkCiclosporin (z.B. (z.B. Immunosporin) auch und

gerade auf die LinkSicca-Symptomatik.

 

Fachmann für eine solche Therapie ist ein internistischer Rheumatologe. Dies gilt

insbesondere auch für die Therapie der Gelenkschmerzen und Gelenkschwellungen.

In Büchern steht, daß diese Symptome beim Sjögren-Syndrom nicht so schlimm

seien wie bei anderen Linkentzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Die Realität

sieht aber ganz anders aus. Die Patienten leiden sehr unter der Gelenkbeteiligung des

Sjögren-Syndroms und benötigen eine ausreichende und fachmännisch begleitete

Therapie.

 

Die recht häufig auftretenden Mykosen (Pilzinfektion) der Mundschleimhaut werden

mit Antimykotika behandelt.

 

Falls antidepressive Medikamente zur Verbesserung des Schlafs bzw. zur Behandlung

der Müdigkeit eingenommen werden, sollten Medikamente ohne anticholinerge

Nebenwirkungen bevorzugt werden. Bestimmte Antidepressiva wie die sogenannten

trizyklischen Antidepressiva oder Monoaminooxidase-Hemmer können die Trockenheit

verstärken und sollten daher nicht eingenommen werden.

 

Krankheitsbewältigung

 

  • Auf intensive Mundpflege (milde Zahnpasta verwenden!) und sorgfältige

  • Kariesprophylaxe (Vermeidung von zuviel Zucker, Fluorgabe), außerdem

    auf häufige zahnärztliche Kontrollen ist zu achten!

  • Eine Candida Infektion kommt bei einigen Patienten vor, Zugenbrennen,

  • Mundwinkelentzündungen zeigen häufig auf diese Infektion. Es ist daher

    wichtig bei diesen Symptomen eine Untersuchung vornehmen zu lassen.

    Die Behandlung dauert bei positivem Befund ca. 3-4 Wochen.

  • Anwendung von Kauhilfen (z. B. zuckerfreier Kaugummi) stimuliert die

  • Speicheldrüsen.

  • Die erhöhte Infektionsgefahr beachten – im Zweifelsfall umgehende

  • Facharzt-Konsultation!

    Auch plötzliches schmerzhaftes Anschwellen der Speicheldrüse spricht für

    eine infektiöse Komplikation.

  • Ausreichende Luftbefeuchtung sowie Vermeidung von ungünstigen

  • Umgebungsbedingungen (Klimaanlage, Rauchen) beachten, bei starkem

    Wind Brille mit seitlichem Schutz verwenden.

  • Nächtliche Anwendung von Augengel oder -salbe anstatt künstlichen

  • Tränen ist mit deutlich verlängerter Wirkung (und damit ungestörterem

    Schlaf) verbunden.

  • Bei Beteiligung der Nasenschleimhaut ausreichende Verwendung von

  • Nasengel, um der ansonsten drohenden Borkenbildung entgegenzuarbeiten.

  • Eine „bleierne“ Müdigkeit ist für das SS typisch – gönnen Sie sich soviele

  • Ruhepausen wie möglich (Nachmittagsschlaf!).

  • Erfahrungsaustausch mit Leidensgefährten nutzen.

 

Die Symptombehandlung ist beim Sjögren-Syndrom in der Regel lebenslang begleitend.

Weil sich bösartige Lymphknoten noch Jahre nach dem Krankheitsbeginn entwickeln

können, bleibt eine lebenslange Überwachung der Krankheit notwendig.

 

Psychologische Betreuung

 

Beim Sjögren-Syndrom haben psychische Faktoren einen großen Einfluss auf den

Krankheitsverlauf. Chronischer Stress kann direkte Auswirkungen auf den Hormonspiegel

und damit auf das Immunsystem haben. Eine psychologische Hilfe - von Stresstraining,

Autogenem Training bis hin zu Verhaltenstherapie - kann sich vorteilhaft auf den

Krankheitsverlauf auswirken. Viel Selbstdisziplin ist außerdem für das Meistern der oft

jahrelang quälenden Symptome der Augen- und Mundtrockenheit vonnöten.

Selbsthilfegruppen und Rheumazentren bieten Hilfe, um besser mit Schmerz umgehen zu

können und um Strategien zu erlernen, mit denen man den Alltag besser meistert.

 

Krankheitsverlauf

 

In den meisten Fällen ist der Verlauf des Sjögren-Syndroms gutartig.

Bestehen noch weitere Erkrankungen, so entwickelt sich das Syndrom abhängig von

der Grunderkrankung.

 

Bei etwa 5 von 100 Menschen mit Sjögren-Syndrom entwickelt sich ein

Lymphdrüsentumor (malignes Lymphom). Daher ist eine regelmäßige Kontrolle der

Lymphknoten ein wichtiger Bestandteil der Kontrolluntersuchungen. Je früher der Tumor

entdeckt wird, desto besser sind seine Heilungschancen.

 

Weitere Informationen:

LinkErnährung bei Sjögren-Syndrom

 

Verwandtes Thema:

LinkSicca-Syndrom, Sicca-Symptomatik, das trockene Auge

 

 

 

Autor: Eveline Ioannidis

Bildurheber: Eveline Ioannidis 

 

Quellen:

rheuma-liga.de

wikipedia.org/

sjoegren-syndrom.at

onmeda.de

rheuma-online.at

 

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