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Der Streptokokkenrheumatismus, besser
bekannt als rheumatisches Fieber, ist eine
entzündlich rheumatische Systemerkrankung,
die durch eine Infektion mit dem
Bakterium Streptococcus pyogenes ausgelöst
wird.
Die Infektion wird durch ß-hämolysierende
Streptokokken der Gruppe A verursacht
und kann als Folgeerkrankung zu einem rheumatischen Fieber
führen. Sie wird daher
auch als Streptokokkenrheumatismus
bezeichnet. Die Erkrankung manifestiert sich
besonders an den Gelenken, Herz,
Nervensystem, Haut und Unterhautgewebe
(Knötchen).
Der Erkrankung geht besonders eine Infektion
des Nasen-Rachen-Raums (z.B. eitrige
Angina oder Scharlach), voraus. Oft
verlaufen diese Infektionen der oberen Luftwege
mit nur milden Symptomen.
Das rheumatische Fieber ist keine
Bakterieninfektion, sondern eine Reaktion des
Immunsystems auf eine vorausgegangene
Krankheit.
Das rheumatische Fieber ist eine Erkrankung
von Kindern und Jugendlichen sowie
jungen Erwachsenen. Bei Personen jenseits
des 25.-30. Lebensjahres ist die Diagnose
sehr unwahrscheinlich; jenseits des 35.
Lebensjahres sollte die Diagnose eines
rheumatischen Fiebers nicht gestellt werden.
Etwa ein bis drei Wochen nach einer
Infektion durch einen bestimmten Bakterientyp
(ß-hämolysierende Streptokokken Gruppe A),
wie zum Beispiel Scharlach,
Mandelentzündung oder einer
Mittelohrentzündung kommt es in 0,1 bis 3% der Fälle
zum rheumatischen Fieber. Noch vor wenigen
Jahrzehnten zählte dieses zu den
häufigsten rheumatischen Erkrankungen, kommt
heute jedoch in den hochentwickelten
Ländern dank der besseren medizinischen
Versorgung (Antibiotika!) nur noch relativ
selten vor.
Das Risiko bei Patienten nimmt zu, wenn
früher bereits rheumatisches Fieber
aufgetreten ist, insbesondere in den ersten
3 Jahren nach Beginn der Erkrankung.
Die Erkrankung ist die Folge einer
fehlgeleiteten Reaktion des Immunsystems.
Die Immunantwort tritt gegen die
Racheninfektion mit Streptococcus pyogenes auf.
Bei Patienten mit akutem rheumatischen
Fieber reagiert das Immunsystem nicht nur
auf den Angriff der Streptokokken, sondern
richtet sich auch gegen einzelne Gewebe
des eigenen Körpers.
Die Erkrankung tritt typischerweise auf als:
Eine vorausgegangene Streptokokkeninfektion
führt nach etwa ein bis drei Wochen
zu charakteristischen Symptomen. Diese
werden nach Jones in Major-Kriterien und
Minor-Symptome eingeteilt.
Minor-Symptome
-
Fieber
-
Gelenkschmerzen (Arthralgien)
-
Erhöhte Entzündungswerte im Blut,
z.B.
CRP,
BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)
-
Auffälliges EKG (verlängerte PQ-Zeit
oder PR-Zeit)
-
Bereits einmal an rheumatischem Fieber
erkrankt gewesen
-
Rheumatische Herzklappenfehler
Major-Kriterien
-
Herzentzündung
(Karditis), besonders die Herzbeutelentzündung
(Perikarditis)
und die Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
Am Herzen kommt es zu einer Entzündung.
Hierbei können alle Herzschichten
betroffen sein, je nachdem wo die
Entzündung lokalisiert ist, treten auch
unterschiedliche Symptome in den
Vordergrund. Ist das Endokard (glatte
Innenhaut des Herzens) betroffen, so
kann dies zu entzündlichen Prozessen
an den Herzklappen führen. Das
rheumatische Fieber ist daher auch ein
häufiger Grund für erworbene
Herzklappenfehler.
Ist dagegen die Muskelschicht vorwiegend
betroffen, so kommt es
üblicherweise zu Arrhytmien, zu
absterben von Muskelgewebe (Nekrosen)
und zur Ausbildung von Knoten.
-
Polyarthritis:
häufigste akut einsetzende
entzündliche Erkrankung, die
insbesondere die großen Gelenke wie Knie,
Ellenbogen, Sprunggelenke oder
Schultern betrifft. Typisch sind hier oft
wandernde oder flüchtig auftretende
Beschwerden.
Die
Gelenkschmerzen können sehr stark sein, obwohl die
Schwellung nicht
sehr ausgeprägt ist. Die Schmerzen
sprechen rasch auf nicht-steroidale
Antirheumatika (NSAR) an.
Besonders bei Kindern und Jugendlichen
ist sie die häufigste Majorsymptomatik.
-
Chorea minor
(Sydenham): Es handelt sich hier um eine neurologische
Autoimmunerkrankung, die durch Hyperkinesien (unwillkürliche,
ungezielte
und ausfahrende Bewegungen),
Muskelhypotonie und Hyporeflexie kenntlich
wird. Sie gehört zu den möglichen
Spätmanifestationen im Rahmen des
rheumatischen Fiebers. Bei etwa 10 bis
15 Prozent der Kinder tritt sie 1 bis 6
Monaten nach der Infektion auf.
Frühe Zeichen sind Schwierigkeiten beim
Schreiben, Schwierigkeiten beim
Anziehen und der Körperpflege und sogar
beim Laufen oder Essen infolge von
nicht kontrollierbaren Bewegungen. Der
Patient kann nur vorübergehend diese
Bewegungen willentlich unterdrücken, sie
verschwinden aber m Schlaf und
verstärken sich bei Stress oder
Müdigkeit.
Bei Schülern kommt es zu einer
Verschlechterung der Schulleistungen durch
Konzentrationsmangel und Angst. Wenn die
Krankheitserscheinungen nur
leicht sind, kann die Chorea übersehen
werden oder als Verhaltensstörung
interpretiert werden.
-
Rheumatisches
Erythem: rosarote, kreisrunde Flecken mit
abgeblasstem
Zentrum. Typische Hautveränderungen sind
hier das Erythema nodosum (am
Unterschenkel) und das Erythema anulare
(am Rumpf).
-
Rheumaknötchen:
hier handelt es sich um gewöhnliche, schmerzlose,
bewegliche Knoten, die unter der Haut an
den Streckseiten der Extremitäten
lokalisiert sind. Die Knötchen finden
sich in weniger als 5 % der Fälle.
-
Gehirn:
Ist das Gehirn betroffen, so äußert sie sich meistens als
Enzephalitis
(Entzündung des Gehirns).
Tendenziell entwickeln Erwachsene eine
Arthritis, Kinder und Jugendliche dagegen
eher eine Herzentzündung.
Eine weitere Form des
Streptokokkenrheumatismus ist die
infektreaktive Arthritis
nach einer Streptokokkeninfektion (sogenannte
Poststreptokokken-reaktive Arthritis,
abgekürzt PSRA). Diese Erkrankung kann auch
ältere Menschen betreffen. In ihrem
Erscheinungsbild entspricht sie den anderen
infektreaktiven Arthritiden (siehe
" infektreaktive
Arthritis").
Eine Poststreptokokken-reaktive Arthritis
befällt vor allem die großen Gelenke der
unteren Körperpartie. Meistens ist nur ein
Gelenk betroffen ("Monarthritis"), am
häufigsten das Kniegelenk. Allerdings können
auch mehrere Gelenke beteiligt sein
(Polyarthritis).
Typisch ist ein charakteristisches
zeitliches Intervall zwischen der Mandelentzündung
und dem Auftreten der Arthritis. Zunächst
kommt es zur Mandelentzündung, die dann
abklingt. Eine Woche bis drei Wochen nach
Verschwinden der Mandelentzündung
kommt es dann zur
Arthritis.
Die Dauer der Beschwerden ist sehr
unterschiedlich. Bei einer Poststreptokokken-
reaktiven Arthritis klingt die Arthritis im
Verlaufe von einigen Wochen ab, es kann aber
auch zu monatelangen Verläufen kommen. Bei
einigen Patienten bleiben die
Beschwerden mit wechselnder Intensität sehr
lange bestehen, es können sich sogar
chronische Verläufe entwickeln.
Die Diagnose gilt als gesichert bei Nachweis
des vorangegangenen Streptokokken-
infektes (Rachenabstrich / erhöhter, bzw.
ansteigender
Antistreptolysintiter)
und wenn zwei Major-Kriterien oder ein
Major-Kriterium + zwei Minor-Symptome
vorliegen.
Nach der körperlichen Untersuchung wird noch
ein EKG (Veränderungen zu
beobachten, z.B. verlängerte PQ-Zeit) und
ein Herzultraschall (Herzgeräusche)
durchgeführt.
Zunächst wird man eine eventuell noch
bestehende Streptokokken-Infektion über
einige Wochen mit hohen Dosen von Penicillin
(bei Allergikern Erythromycin)
behandeln.
Die Einhaltung von Bettruhe ist beim
rheumatischen Fieber ein wichtiger Schritt zur
Heilung.
Man behandelt in der Regel die verschiedenen
Symptome mit mehreren Medikamenten.
Behandlung von Entzündungen durch
entzündungshemmende Medikamente aus der
Gruppe der Nichtsteroidalen Antirheumatika
(NSAR), wie zum Beispiel
Acetylsalicylsäure (Aspirin®), Ibuprofen,
Indometacin oder Etofenamat. Wenn dies
allein nicht ausreichend ist, werden
zusätzlich Kortikosteroide ( Cortison)
gegeben.
Besteht der Verdacht auf einen Streuungsherd,
z.B. Tonsillen (Rachenmandeln), so
erfolgt eine operative Sanierung dieses
Fokus (hier Tonsillektomie, aber nur im
symptomfreien Intervall!).
Nach einer Karditis mit bleibendem
Herzklappenfehler erfolgt die Prophylaxe
mindestens während zehn Jahren und
mindestens bis zum Erreichen des 40.
Lebensjahres, nach einer Karditis ohne
Klappenfehler ist sie bis zum Erreichen des
Erwachsenenalters und mindestens während
zehn Jahren notwendig, ohne
vorangegangene Karditis soll sie bis zum
Erreichen des 21. Lebensjahres und
mindestens während fünf Jahren durchgeführt
werden
Im Akutstadium der Erkrankung, können eine
Gelenkschonung und Kälteanwendungen,
z.B. Eisbeutel, auf den betroffenen Stellen
zu einer Linderung führen. Zur
Fiebersenkung kann man neben Medikamenten
auch Wadenwickel anwenden.
Eine physikalische Therapie im engeren Sinne
ist nicht notwendig, da das
Rheumatische Fieber keine bleibenden
Einschränkungen der Beweglichkeit verursacht.
Die Heilungschancen sind gut, solange keine
schwerwiegende Herzbeteiligung
aufgetreten ist. Eine frühzeitige Behandlung
führt in der Regel zur Heilung von
Arthritis und Karditis innerhalb von vier
bis acht Wochen. Die Herzbeteiligung kann
zu schweren Folgen z.B. Herzklappenfehlern
oder sogar zum plötzlichen Herzstillstand
führen. Es besteht immerhin eine erhöhte
Sterblichkeit von 2 bis 5 Prozent. Alle
anderen Beschwerden heilen folgenlos ab.
Chronisch rheumatische Herzerkrankungen
werden von etwa 50 Prozent der Patienten mit
akutem rheumatischem Fieber
entwickelt.
Jede fieberhafte Infektion des
Nasen-Rachen-Raumes sollte möglichst bald vom Arzt
untersucht werden. Dieser kann
gegebenenfalls frühzeitig eine Antibiotika-Therapie
einleiten und somit unter günstigen
Umständen schon einen ersten Ausbruch des
Rheumatischen Fiebers verhindern.
Autor: Eveline Ioannidis
Quellen:
rheuma-online.de
medizin-netz.de
wikipedia.org
chirurgie-portal.de
autoimmun.org
Bildquelle:
Centers for Disease Control and Prevention
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