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Rheuma-Lexikon, Buchstabe V

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Vaskulitis, Vaskulitiden

Vaskulitis

 

Definition:

 

(Von griech. vaskul- = Gefäß und -itis = entzündlich): LinkEntzündung von Gefäßen

(Angiitis).

Die meisten Vaskulitiden  sind Folge einer Störung des Immunsystems bei denen es

zu LinkEntzündungen von Arterien, Arteriolen, Kapillaren, Venolen und Venen kommt,

wodurch die versorgten Organe ebenfalls geschädigt werden.

Am häufigsten ist eine Allergie vom Typ 3 für die Vaskulitiden verantwortlich.

 

Zu den Vaskulitiden zählen mehrere sehr unterschiedlich verlaufende

LinkAutoimmunerkrankungen.

Diese sind in folgende Gruppen einteilbar (Krankheitsdefinitionen gemäß der Chapel

Hill Consesus Conference):

  • Primäre Vaskulitis: Diese Gruppe umfasst eigenständige, entzündlich-

  • rheumatische Krankheiten.

    Die Vaskulitiden kleinerer Gefäße werden zuerst zwischen LinkANCA-assoziiert

    und nicht LinkANCA-assoziiert unterschieden. Die ANCA (antineutrophile

    cytoplamatische Antikörper), die sich gegen bestimmte Linkweiße Blutkörper-

    chen richten, sind hier für die Entstehung der Krankheit von Bedeutung.

    Die ANCA-assoziierte Vaskulitiden lassen sich in:

    - LinkWegener-Granulomatose,

    - LinkChurg-Strauss-Syndrom und

    - Mikroskopische Polyarteriitis (MPA oder mPAN) unterscheiden.

    Die nicht ANCA-assoziierten Vaskulitiden teilen sich auf in:

    - Purpura Schönlein-Henoch,

    - LinkVaskulitis bei essentieller Kryoglobulinämie und

    - kutane leukozytoklastische Angiitis.

    Die Vaskulitiden mittlerer Gefäße sind

    - LinkPolyarteriitis nodosa (PAN oder cPAN) und

    - Kawasaki-Syndrom.

    Vaskulitiden großer Gefäße sind die

    - Riesenzellarteriitis (auch Arteriitis cranialis, Arteriitis temporalis

      oder Morbus Horton genannt) und die

    - Takayasu-Arteriitis.

  • Sekundäre Vaskulitis: Diese Gruppe entsteht durch Infektionen oder

  • Medikamente oder tritt in Begleitung *anderer Erkrankungen auf.

    Bei dieser Form von Vaskulitis sind sogenannte Immunkomplexe die Ursache

    für die Gefäßentzündung: Körpereigene Antikörper binden Medikamente oder

    aber Bestandteile von Bakterien und bilden somit Immunkomplexe, die sich

    in den Gefäßwänden ablagern und die Gefäße schädigen.

    Die Eigenschaft der Antikörper, bestimmte Eiweißstrukturen des Immunsystems –

    das sogenannte Komplementsystem – zu aktivieren, verursacht eine Entzündung

    der betroffenen Gefäße.

    *Sekundäre Vaskulitis bei Rheumatoider Arthritis (=Rheumatoide Vaskulitis)

    System. Lupus Erythematodes

    Virusinfektionen (z.B. Hepatitis, HIV)

    bösartigen Tumoren

    Blut- und Lymphkrankheiten

  • Nichtklassifizierte Vaskulitiden sind die:

  • - Endangiitis obliterans, das

    - Behçet-Syndrom und die

    - isolierte Vaskulitis des ZNS (Zentralnervensystem).

 

Das Krankheitsbild der Vaskulitis

 

Blutgefäße durchziehen alle Organe unseres Körpers und versorgen sie mit Sauerstoff

und Nährstoffen. Je nachdem, welche Blutgefäße in welchem Organ von der Krankheit

befallen sind, ist das Beschwerdebild ganz unterschiedlich. Vaskulitis kann Haut,

Schleimhäute, Muskulatur, Nieren, Magen, Darm, Leber, Herz, Hirn, Rückenmark,

autonomes und endokrines (hormonelles) System, Gelenke und weitere Organe

betreffen und dort schwerwiegende Beschädigungen und Funktionsstörungen

hervorrufen.

Manchmal sind nur die großen Blutgefäße betroffen, manchmal nur die ganz kleinen.

Bei manchen schwillt die Gefäßinnenhaut an, so dass ein vollständiger Verschluss

droht.

Andere Gefäße werden ausgedehnt und schlaff und bilden Ausbuchtungen, die reißen

und lebensbedrohliche Blutungen verursachen können (Aneurysmen) .

Auch besteht die Gefahr, dass sich in den Aussackungen Blutgerinnsel bilden. Die

Folge ist ein Infarkt.

Werden kleinste Gefäße von der Krankheit befallen, ist mit einer vermehrten

Durchlässigkeit der Gefäßwand zu rechnen, die zum Austritt von Blut oder einzelnen

Blutbestandteilen in das umliegende Gewebe führt.

 

Für die Gefährlichkeit und den Verlauf einer Vaskulitis ist es von entscheidender

Bedeutung, ob die Vaskulitis mit einer Zerstörung der Gefäßwände und einem

Verschluß der Gefäße einhergeht. In diesen Fällen spricht man von einer

nekrotisierenden Vaskulitis (nekrotisierend = Nekrose machend, Nekrose =

abgestorbenes Gewebe). Durch die Zerstörung der Gefäßwand und durch den

Verschluß der Gefäßöffnung wird das von diesem Gefäß versorgte Gewebe nicht

mehr ausreichend durchblutet. Die Folge ist ein Infarkt. Im Versorgungsgebiet der

betreffenden Arterie stirbt das Gewebe ab, es bildet sich eine sogenannte Nekrose.

 

Bei einer nekrotisierenden Vaskulitis kleiner und kleinster Blutgefäße (Arteriolen,

Venolen, Kapillaren) sind diese Infarkte sehr klein. Da in den Organen oder anderen

betroffenen Strukturen aber viele kleine Gefäße betroffen sein können, sind ebenfalls

erhebliche Organschädigungen und Funktionsausfälle möglich. In der Regel verlaufen

aber Infarkte als Folge von Vaskulitiden, die größere und große Gefäße befallen,

schwerer und führen auch zu größeren Schäden. Sie gehen oft auch mit akut

lebensdrohlichen Komplikationen einher (z.B. Herzinfarkte, Lungeninfarkte,

Gehirninfarkte). Grundsätzlich sind aber alle nekrotisierenden Vaskulitiden sehr

ernsthafte Erkrankungen. Geht die Vaskulitis nicht mit einer Zerstörung der

Gefäßwände und nicht mit Gefäßverschlüssen einher, ist die Erkrankung in der Regel

nicht so schwer; außerdem sind der Krankheitsverlauf und die Prognose günstiger.

Auch nicht-nekrotisierende Vaskulitiden können aber mit einer ganzen Reihe von

Symptomen einhergehen und die Betroffenen sehr belasten.

 

Vaskulitiden treten bei Menschen aller Altersgruppen auf. Es gibt allerdings

bevorzugte Altersgruppen und eine Geschlechtsbevorzugung für einzelne Vaskulitiden.

Manche (das Kawasaki-Syndrom und die Purpura Schönlein-Henoch) kommen fast

ausschließlich im Kindesalter vor, andere (die Arteriitis temporalis) treffen nur

Menschen jenseits des 50. Lebensjahres. Untersuchungen zur Häufigkeit haben

ergeben, dass ca. 200 Menschen pro eine Million der Bevölkerung an einer Vaskulitis

leiden. Ca. 50 Menschen erkranken jedes Jahr neu an einer Vaskulitis pro eine Million

der Bevölkerung. Die häufigste Vaskulitis ist die Arteriitis temporalis, sie tritt bei

Frauen doppelt so häufig auf wie bei Männern. Am zweithäufigsten sind die

Vaskulitiden der kleinen Gefäße, bei denen im Blut ganz bestimmte Antikörper

nachweisbar sind (sog. LinkANCA).

 

Meist erkranken die Menschen um das 60. Lebensjahr herum, Männer gleich häufig

wie Frauen. Die Häufigkeit von Vaskulitiden steigt mit dem Lebensalter deutlich an.

Im Vergleich mit anderen Ländern in Europa und den USA scheint es regionale

Unterschiede in der Häufigkeit von Vaskulitiden zu geben. Im Allgemeinen treten

Vaskulitiden in nördlichen Ländern häufiger auf als in südlichen Regionen (sog. Nord-

Süd-Gefälle). Im Vergleich mit anderen Erkrankungen sind Vaskulitiden etwa doppelt

so häufig wie die landläufig sehr viel bekanntere Multiple Sklerose (MS).

 

Symptome der Vaskulitis

 

Auf Grund der vielfältigen Organbeteiligungen sind auch die Zeichen einer Vaskulitis

vielfältig.

Die klinischen Zeichen einer Vaskulitis (Durchblutungsstörung) variieren je nach

Krankheitsaktivität und Organbeteiligung.

Zu Beginn sind allgemeine Krankheitszeichen vorhanden wie:

  • Konjunktivitis und

  • Skleritis ("rotes Auge"),

  • Rhinitis und Sinusitis (Nasen und Nebenhöhlenentzündung),

  • Stomatitis (Mundschleimhautentzündung),

  • allerlei Haut-Exantheme einschl. Urtikaria (Nesselsucht) und

  • Ödeme (Schwellungen durch Histamin-Intoleranz),

  • Kopf- und Rückenschmerz,

  • auffällige Ermüdbarkeit.

Weitere Hinweise können:

  • Bluthusten (Hämoptysen),

  • blutiger Schnupfen,

  • blutige Durchfälle oder

  • blutiger Urin sein.

Diese Symptome weisen auf eine Vaskulitis der kleinen Gefäße hin. Auch einem

Herzinfarkt oder Schlaganfall in jungen Jahren kann eine Vaskulitis zu Grunde liegen.

 

Später kommt es zusätzlich u.a. auch zu:

  • Hörsturz und Tinnitus,

  • unklaren Seh- und Hörstörungen,

  • Gewichts- Ab- oder Zunahme,

  • Nachtschweiß,

  • allgemeine Schwäche oder

  • allgemeines Getriebensein,

  • Mononeuritis multiplex (spez. Polyneuropathie des sensiblen und autonomen

  • Systems),

  • Paraesthesien (Kribbelgefühle) sowie

  • Restless-Legs-Syndrom (unruhige Beine),

  • Burning-Feet-Syndrom (brennende Füße).

Schließlich können dazu noch auftreten:

  • Rheuma (LinkKollagenosen: Schmerzen in Weichteilen, Muskeln, Gelenken),

  • Komplexes Regionales Schmerzsyndrom (CRPS, "Sudeck" ~ unendlicher

    Schmerz und keiner weiß warum),

  • Magen-Darm-Probleme,

  • Durchfälle,

  • Ödeme,

  • Mikro-Hämaturie (Spuren von Blut im Urin, frühe Nierenschädigung),

  • erhöhte LinkBlutsenkung,

  • Hypoglykämien (Unterzuckerung durch Zucker-Intoleranz mit reaktiver

  • Triglyceridämie),

  • innerliche Unruhe,

  • innerliches Beben oder Vibrieren,

  • Herzrhythmusstörungen,

  • Angina pectoris,

  • eine gefährliche Neigung zu Thrombosen (aller Art - aller Blutgefäße - aller

  • Organe!),

  • Luftnot bei hyper-reagiblem Bronchialsystem (asthma-ähnliche Zustände),

  • abnorme Müdigkeit, aber auch

  • Schlaflosigkeit,

  • erhebliche Konzentrations- und Koordinationsstörungen u.v.a.m.

Viele dieser Beschwerden können natürlich auch ganz andere Ursachen haben.

Meistens sind daher zusätzliche Untersuchungen erforderlich.

 

Bilder zum Krankheitsbild der Vaskulitis finden Sie auf "LinkDermIS":

Symptome - Primäre Vaskulitiden

 

Die bei einer Vaskulitis auftretenden Symptome können für einzelne primäre

Vaskulitiden kennzeichnend sein:

  • Die Arteriitis temporalis

  • äußert sich in Schläfenkopfschmerz, manchmal mit Anschwellen der

    Schläfenarterie, Kieferschmerzen beim Kauen und bei Beteiligung der

    Augengefäße plötzliche, meist zunächst einseitige Sehverschlechterung.

    Hier ist sofortiges Handeln geboten, da sonst die Erblindung droht.

  • Bei der Takayasu-Arteriitis

  • führt der Verschluss entzündeter großer Blutgefäße zum häufigen ersten

    Symptom dieser Vaskulitis: der Pulslosigkeit eines Arms. Es können auch

    Gelenkschmerzen und allgemeine Symptome auftreten.

  • Das Leitsymptom der Panarteriitis nodosa

  • ist ein starkes Krankheitsgefühl mit Muskelschmerzen und Hodenschmerzen.

    Infolge der Organbeteiligungen auftretende Symptome sind

    Durchblutungsstörungen im Darm und im Gehirn sowie Nierenentzündungen.

    Diese Vaskulitis führt durch sich aussackende Gefäße (Aneurysmen) zu

    charakteristischen Knötchen, die manchmal in der Haut zu tasten und durch

    Röntgen (Angiographie) der Gefäße sichtbar sind.

  • Bei Morbus Wegener (Wegenersche Granulomatose)

  • zeigen vor allem die zuerst befallenen Atemwege Symptome der

    Gefäßentzündung:

  • Nase,

  • Nasennebenhöhlen,

  • Luftröhre und

  • Lunge.

  • Später zeigt sich die Vaskulitis aber meist auch an anderen Organen,

    (z.B. an Augen und Nieren).

  • Das für die Churg-Strauss-Vaskulitis

  • typische Anzeichen ist ein Asthma bronchiale. Weitere Symptome dieser

    Vaskulitis sind bestimmte Linkweiße Blutkörperchen, die sowohl im Blut als

    auch im entzündeten Gewebe zu finden sind: Linkeosinophile Granulozyten,

    die auch das normale Asthma bronchiale verursachen. Häufig beteiligte

    Organe sind die Körpernerven (Mono- und Polyneuritis) und das Herz (Endo-

    Myokarditis).

 

Symptome - Sekundäre Vaskulitiden

 

Auch durch Medikamente, Infektionen oder andere Krankheiten entstandene Formen

von Vaskulitis können charakteristische Symptome auslösen. Eine typische Form der

sekundären Vaskulitis ist die Kleingefäßvaskulitis der Haut, die bei Menschen mit

schwerer Linkrheumatoider Arthritis auftreten kann. Ihre Symptome sind ausge-

stanzte große Hautdefekte der unteren Extremitäten.

 

Kennzeichnendes Symptom einer sogenannten Hypersensitivitäts-Vaskulitis, zu der

auch die Schönlein-Henoch-Erkrankung gehört, sind meist kleinfleckige Hautrötungen,

die durch Blutungen in die Haut (Purpura) der unteren Extremitäten entstehen;

Organbeteiligungen sind seltener.

 

Symptome - Nichtklassifizierte Vaskulitiden

 

Die für Morbus Behcet typischen Symptome sind immer wieder auftretende kleine

Geschwüre der Mundschleimhaut (Aphten) und meist auch des Genitals, außerdem

Augenentzündungen (Uveitis), Gelenkentzündungen (LinkArthritis) und Vaskulitis

verschiedener Organe. Die Augenentzündung kann nicht selten zur Erblindung führen.

Ein weiteres Kennzeichen für den Morbus Behcet ist die Entzündung der Venen: Bei

anderen Vaskulitiden sind entzündete Venen sehr selten.

 

Diagnose der Vaskulitiden

 

Damit bei einer Vaskulitis die Diagnose gelingt, ist es wichtig, die verschiedenen

Symptome und Befunde der Untersuchungen zu einem Gesamtbild zusammenzufügen.

 

Klinische Zeichen:

Da nahezu alle Organe des Körpers von der Vaskulitis betroffen sein können, sind

in der Betreuung von Vaskulitis-Erkrankten auch fast sämtliche medizinische

Fachdisziplinen und deren Zusammenarbeit gefordert.

Der erste Verdacht auf eine Vaskulitis ergibt sich aus o. g. möglichen Beschwerden.

Einige Symptome können auch bereits längere Zeit zurückliegen und zunächst ohne

Behandlung wieder verschwinden. Dies muss durch eine genaue Befragung durch den

Arzt oft erst wieder in Erinnerung gerufen werden.

Untersuchungen haben gezeigt, dass oft mehrere Jahre vergehen zwischen

vermutlichen Erstsymptomen bis zur richtigen Diagnose. Richtungsweisend sind dann

allgemeine Symptome, wie Krankheitsgefühl, "grippe-ähnliche“ Symptome,

unerklärliches Fieber oder Gewichtsabnahme und häufig Nachtschweiß. Dann muss

durch die verschiedenen Fachärzte Organ für Organ untersucht werden, um Zeichen

einer Vaskulitis zu finden. Dies ist auch für die spätere Therapie notwendig, die dann

an die Organbeteiligung angepasst wird.

 

Sehr viele Erkrankte klagen über rheumatische Beschwerden, die von Tag zu Tag

wechseln können wie z.B. springende Gelenkschmerzen, manchmal auch Schwellungen

und Rötungen wie bei einer Gelenkentzündung (LinkArthritis) oder Beschwerden wie

man sie bei einem Muskelkater hat.

Wichtig ist zunächst eine sekundäre Vaskulitis auszuschließen. Es sind deshalb weitere

Untersuchungen notwendig, um eine infektiöse Ursache oder auch ein bis dahin

unentdecktes Krebsleiden auszuschließen.

Diese Untersuchungen erfordern eine ausführliche Erklärung durch den Arzt, damit der

Patient versteht, warum z. B. der Darm gespiegelt werden muss, wo doch andere

Organe von der Vaskulitis betroffen sind. Es ergibt sich aber damit die Chance,

eine Ursache der Vaskulitis zu finden, die behandelt werden kann und muss.

 

Laboruntersuchugen

 

Beim ersten Verdacht auf eine Vaskulitis sind ausführliche Blut- und Harnunter-

suchungen notwendig.

Es können für die Diagnose verschiedene Laboruntersuchungen hinweisend sein,

wie z.b. die Zeichen der Entzündung im Blut:

Hohe Entzündungswerte sind aber nicht beweisend, denn die Erhöhung dieser Werte

findet man auch bei vielen anderen Krankheiten.

 

Weitere Informationen zu den Laborwerten der Wegener-Granulomatose und dem

Churg-Strauss-Syndrom sind unter "Laborwerte A-Z" nachzulesen:

Link Vaskulitis-Syndrome

 

Bildgebende Untersuchungen

 

Bei Befall großer und mittelgroßer Gefäße spielen bildgebende Verfahren eine wichtige

Rolle. Durch den Einsatz moderner bildgebender Verfahren (Kernspintomographie,

nuklearmedizinische Verfahren) kann dabei häufig auf belastende Röntgenstrahlen

verzichtet werden. Außerdem lässt sich auf diese Weise auch die Ausdehnung der

Vaskulitis im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und im Gehirn untersuchen oder eine

Lungenbeteiligung nachweisen.

 

Mit Ultraschall können innere Organe wie etwa die Nieren, das Herz , die Gelenke und

Muskeln untersucht werden, die Doppler-Sonografie ermöglicht die Beurteilung des

Blutflusses und ist bei Großgefäßvaskulitiden hilfreich.

 

Die Kernspinntomografie (=Magnetresonanztomografie, MRT) kann Entzündungen der

unterschiedlichen Organe, etwa des Gehirns, der Musklatur und der Gelenke sichtbar

machen.

In Verbindung mit der Gefäßdarstellung, Angiografie, erlaubt sie Aussagen über

Großgefäßvaskulitiden, die von außen nicht zugägnlich sind wie etwa das entzündliche

Aortenbogensyndrom. Hier ist außerdem eine neue Technik, die

Positronenemissionstomografie-PET zum Aufdecken unerkannter Entzündungen

hilfreich. Im Unterschied zu den vorab genannten sind letztere sehr kostspielig.

 

Histologie

 

Für die Diagnose einer Vaskulitis ist vor allem die Wissenschaft der Körpergewebe

(Histologie) von Bedeutung: Vor allem die Biopsie (Feinnadelpunktion) der Haut und

der Nieren, aber auch anderer Organe wie der Lunge oder ganzer Gefäße wie der

Schläfenarterie ermöglicht es, durch den Nachweis kennzeichnender feingeweblicher

Veränderungen die verschiedenen Formen der Vaskulitis zu diagnostizieren.

 

Die Kombination aus

  • Krankengeschichte (Anamnese),

  • klinischem Befund,

  • Serologie,

  • bildgebender Diagnostik und

  • Histologie

führen zur Diagnose "Vaskulitis".

 

Therapie der Vaskulitis

 

Systemische Vaskulitiden sind entzündliche Erkrankungen der Blutgefäße die den

gesamten Körper befallen können. Der Name "systemisch" unterscheidet sie von

"organbegrenzten" Gefäßentzündungen wie z.B. der Hautvaskulitis. Systemische

Vaskulitiden bedrohen die Funktion der Organe und können lebensgefährdend sein.  

 

Die gegen eine Vaskulitis zum Einsatz kommende Therapie ist von Einzelfall zu

Einzelfall unterschiedlich: Welche Behandlung für Sie am besten geeignet ist, hängt

davon ab, in welchem Ausmaß Organe beteiligt sind und wie aktiv die Erkrankung ist.

 

Im Akutstadium bei nahezu allen Vaskulitis-Formen ist trotz der unerwünschten

Nebenwirkungen der Einsatz von Kortison (LinkCortison) unverzichtbar.

Ziel der modernen Vaskulitis-Behandlung ist aber, möglicht schnell von einer hohen

Dosis Cortison herunterzukommen. Dies gelingt bei vielen Vaskulitiden nur durch

Kombination mit weiterer Medikamente.

 

Wichtigste Ausnahmen ist die Arteriitis temporalis (Horton'sche Erkrankung), eine

Entzündung der Schläfenarterie, und die Panarteriitis nodosa, eine Entzündung

mittelgroßer Gefäße. Diese Vaskulitisformen lassen sich öfter nur mit Cortison

(in zunächst hoher Dosierung als Infusion, dann wird schrittweise ausgeschlichen)

zum Stillstand bringen.

Systemische Vaskulitiden kleiner Gefäße (charakteristischerweise mit Nieren-,

Lungen- und Nervenschädigung) müssen neben hochdosiert Cortison zusätzlich

mit weiteren Medikamenten behandelt werden. Hierzu haben sich Substanzen aus

der Krebstherapie bewährt, welche in viel niedriger Dosis als zur Krebsbekämpfung

eingesetzt werden.

Diese Substanzen nennen sich Zytostatika (sind Substanzen, die die Zellteilung

hemmen, wie z.B. LinkEndoxan®) oder Immunsuppressiva (sind Substanzen, die das

Immunsystem unterdrücken, wie z.B. LinkMTX und LinkImurek®). Da auch diese

Medikamente nicht selten starke Nebenwirkungen haben, (dies ist wohlgemerkt Dosis-

und Behandlungsdauer - abhängig) und in der langfristigen Therapie häufig nicht mehr

vertragen werden oder ihre Wirkung verlieren, gibt es neue Medikamente.

 

Die neuen Substanzen greifen gezielter die zur Vaskulitis führenden Prozesse an und

treffen weniger die Zellteilung und das Abwehrsystem als Ganzes.

 

Ca. 10-15% der Patienten sprechen auf diese Standardtherapie nicht ausreichend an.

Für diese Patienten haben sich sog. Antikörpertherapien als sehr erfolgsversprechend

erwiesen. Man setzt hier Antikörper ein, die gezielt entzündungsfördernde Botenstoffe

angreifen, abfangen und beseitigen oder blockierenen. Hier sind in erster Linie die sog.

TNF-alpha-Blocker zu nennen, die seit längerem u. a. für die Behandlung von Patienten

mit rheumatoide Arthritis zugelassen sind.

 

Weitere Informationen zu Basistherapie und Biologika (Biological):

Einengungen oder Verschlüsse großer Gefäße können mittels Katheteruntersuchung

aufgedehnt werden, meist kombiniert mit dem Einsetzen eines Röhrchens, das den

Wiederverschluss verhindern soll (Dilatation und Stent-Implantation).

 

In lebensbedrohlichen Situationen bei Vaskulitis mit Lungenblutung und Nierenversagen

(pulmorenales Syndrom bei der Wegener'schen Erkrankung) können in einem Verfahren

ähnlich der Blutwäsche durch die Plasmaseparation (Apherese) krankmachende

Antikörper aus dem Blut gefiltert werden.

 

Zusammengefasst sollte man die schwere systemische Vaskulitis unverzüglich mit

hochdosiert Cortison in Verbindung mit einem Zytostatikum/Immunsuppressivum bis

zur Rückbildung der Entzündung behandeln (Remissionsinduktion typischer Weise

mit hochdosiert Kortison und LinkEndoxan® über möglichst kurze Zeit: wenn möglich

unter 6 Monaten). Bei ausbleibender Besserung oder Unverträglichkeit der Cortison/

LinkEndoxan®-Therapie können zusätzliche oder andere Medikamente wie etwa

LinkBiologika oder IvIg zum Einsatz kommen. Sobald die schwere Entzündung

überwunden ist wird auf eine mildere remissionserhaltende Therapie mit niedrig-

dosiert Cortison und z.B. LinkImurek®, LinkMTX umgestellt. Da Vaskulitiden leider

häufig wiederkehren (Rezidiv) und häufig eine geringradige Entzündung verbleibt muß

diese Therapie häufig über Jahre und eventuell lebenslang fortgesetzt werde.

 

Krankheitsverlauf und Prognose der Vaskulitiden

 

Bei einer Vaskulitis hängt der Verlauf davon ab, welche Form der LinkAutoimmun-

erkrankung vorliegt: Zu den Vaskulitiden zählt ein sehr breites Spektrum

unterschiedlicher Erkrankungen. Die Prognose einer Vaskulitis ist in jedem Fall durch

eine rechtzeitige und konsequente Therapie beeinflussbar, die an das Stadium und

die Aktivität der Vaskulitis angepasst sein sollte.

 

Bei entsprechender Behandlung der Vaskulitis können im Durchschnitt etwa 80

Prozent der Betroffenen damit rechnen, dass die Erkrankung innerhalb eines Jahrs

zurückgeht und ein völlig normales und beschwerdefreies Leben möglich ist. Da eine

Vaskulitis jedoch auch noch nach Jahren erneut auftreten kann, ist es wichtig,

erste Warnzeichen rechtzeitig zu erkennen:

  • das Wiederauftreten von rheumatischen Beschwerden,

  • ein allgemeines Krankheitsgefühl,

  • unerklärliches Fieber oder

  • Gewichtsabnahme,

  • Nachtschweiß

  • oder gerötete Augen –

sollten Sie daher immer abklären lassen.

 

Einige Formen von Vaskulitis (wie z.B. die Panarteriitis nodosa oder der Morbus

Wegener) gehören zu den schwerwiegendsten entzündlich-rheumatischen

Erkrankungen mit teilweise sehr schlechter Prognose. Hier ist eine optimale Betreuung

in einem erfahrenen Zentrum ganz besonders wichtig.

 

 

Autor: Eveline Ioannidis

 

Bildquelle:

© Rheuma-Selbst-Hilfe.at 

 

Quellen:

rheumanet.org

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie

rheuma-online.de

onmeda.de

 

 

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