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Dr. Mesaric

 
 
 

Zum Arzt zu gehen, wenn ein Gelenk über 2 bis

3 Wochen geschwollen ist

 

Frauen und Männer im Fokus: Geschlechts-spezifische  Besonderheiten

brauchen Gender-sensible Medizin und  Zielgruppen-gerechte Aufklärung.

 

"Die Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie (ÖGR) hat in den vergangenen

Jahren an öffentlichen Plätzen rund 4500 interessierte Betroffene beraten.

Die Bilanz ist alarmierend: Etwa 50% waren mit ihren Beschwerden noch nie in

ärztlicher Behandlung, die durchschnittliche Dauer der Beschwerden lag bei 8 Jahren.

Das zeigt, wie wichtig Aufklärung ist", so ÖGR-Präsident Univ.-Prof. Dr. Winfried

Graninger (Leiter der Abteilung für Rheumatologie, MU Graz).

 

Schmerzen im Bewegungsapparat können erste Anzeichen für chronisch-entzündlicher

Gelenkserkrankungen wie Linkrheumatoide Arthritis (RA) oder LinkMorbus Bechterew

(MB) sein. Die Häufigkeit von RA liegt in Österreich zwischen 0,7 und 1 Prozent der

Bevölkerung, bei MB zwischen 0,5 und 1 Prozent. An RA sind also 56.000 bis 80.000,

an MB 40.000 bis 80.000 Menschen erkrankt.

 

Frühzeitigen Therapiebeginn ist sehr wichtig

Werden solche "Immune-mediated inflammatory diseases" nicht rechtzeitig ausreichend

behandelt, führen sie bei RA zu Gelenkszerstörung, bei MB zu massiven Bewegungsein-

schränkungen und möglicher Weise zu einer Verknöcherung der Wirbelsäule.

 

Prof. Graninger: "Die ÖGR ruft deshalb alle Österreicher/innen auf, bereits dann zum

Arzt zu gehen, wenn ein Gelenk über einen Zeitraum von 2 bis 3 Wochen geschwollen

ist. Das ist der beste Zeitraum für einen frühzeitigen Therapiebeginn."

 

Fortschritte in der medikamentösen Therapie - wichtige Entwicklungen

in den kommenden Jahren

Eine frühzeitige Diagnose ist umso wichtiger, als Medikamente entwickelt wurden, die

in das Krankheitsgeschehen eingreifen. Biologika sind biologisch hergestellte eiweiß-

haltige Medikamente, die zielgerichtet Entzündungen und die damit verbundene Gelenks-

zerstörung verhindern können. Es werden Biologika wie LinkAdalimumab, LinkEtanercept

und LinkInfliximab, die den Tumornekrosefaktor alpha hemmen, ebenso eingesetzt wie

Aktivierungsbremsen der Linkweißen Blutkörperchen wie Abatacept oder Rituximab.

Prof. Graninger: "2009 soll der monoklonale Antikörper LinkTocilizumab auf den Markt

kommen. Er blockiert den Interleukin-6-Rezeptor (IL-6R), der eine Schlüsselfunktion bei

Entzündungsreaktionen hat."

 

Große Erleichterung schaffen auch die in ganz Österreich eingerichteten Rheuma-

Ambulanzen. Hier bekommen die Patienten meist innerhalb von ca. 3 Wochen einen

Termin, bei akuten Schmerzen sofort.

 

Rheuma-Forschung in Österreich z.B. zu Gelenksentzündung und

Knorpelzerstörung

"Österreichischen Universitäten, vor allem die MU in Graz und Wien, beteiligen sich

intensiv an der Erforschung rheumatischer Erkrankungen. So laufen derzeit Projekte

die helfen sollen, die immunologische Reaktion zu verstehen, die zur

LinkGelenksentzündung führt", so Prof. Graninger. "In Graz erforschen Rheumatologen

gemeinsam mit Orthopäden die Zerstörung des Knorpels. Das ist deshalb bedeutsam,

weil rund 90% der Fälle von RA durch eine Zerstörung des Knorpels verursacht werden."

 

Ein weiterer Fortschritt ist die Erstellung von Leitlinien. So konnten vor kurzem erstmals

Behandlungsleitlinien für das LinkFibromyalgie-Syndrom (FMS) präsentiert werden: Es

betrifft meist Frauen mittleren Alters, die im ganzen Körper starke Schmerzen haben.

Da man technisch keine Ursache für den Schmerz findet, wurden die Ursachen für die

Schmerzen oft als psychosomatisch bedingt angegeben.

 

Frauen und Männer im Fokus

"Bei Rheuma sind die geschlechtsbezogenen Differenzen zum Teil eklatant", sagt OA Dr.

Ulrike Stuby, Leiterin der Sozialbetreuenden Sektion der ÖGR (AKH Linz). "Eine für

geschlechtsspezifische Unterschiede sensible Versorgung, die eine Über-, Unter- und

Fehlversorgung von Rheuma-Patientinnen und Patienten verringern will, muss Besonder-

heiten bei Frauen und Männern ernst nehmen."

 

Risikofaktor Frau

80% der Osteoporose-Patienten sind Frauen. Besonders häufig betroffen sind sie nach

dem Klimakterium und unter Langzeit- LinkKortisonbehandlung, vor allem bei

entzündlichen Rheumaleiden wie RA (zu 72%).

 

An RA erkranken Frauen 3 Mal so häufig (75%) wie Männer.

An dem LinkSystemischen Lupus erythematodes (SLE) leiden etwa 10 Mal mehr

Frauen als Männer. Bei SLE beschränkt sich der entzündlich-rheumatische Angriff nicht

auf die Gelenke, sondern kann auch die Haut, das Herz, die Lunge, die Nieren und das

Zentralnervensystem erfassen.

 

Frauen mit RA leiden stärker unter Schmerzen und Funktionseinschränkungen und

schätzen ihren Gesundheitszustand deutlich schlechter ein als Männer, zeigen Studien.

Trotzdem werden sie zurückhaltender medikamentös behandelt.

Die Krankheit verläuft bei ihnen zudem eher schwerer, trotzdem erreichen sie später

eine spezialisierte rheumatologische Versorgung als Männer, so OA Stuby.

 

Ursache einer RA sind vermutlich fehlgeleitete Zellen des Immunsystems. Sie greifen

gesunde Körperzellen in den Gelenken an und setzen so LinkEntzündungsprozesse in

Gang.

OA Stuby: "Bei Frauen funktioniert das Immunsystem jedoch anders als bei Männern.

So fällt zum Beispiel die Antwort der körpereigenen Abwehr auf einen äußeren Reiz

bei ihnen grundsätzlich stärker aus. Einen weiteren Ansatz sehen manche Wissen-

schaftler im unterschiedlichen Hormonstatus der Geschlechter."

 

Risikofaktor Mann

Morbus Bechterew wiederum befällt Männer 3 Mal häufiger als Frauen. Der Beginn setzt

meist zwischen dem 16. und 40. Lebensjahr ein, mit einem Gipfel im 3. Lebensjahrzehnt.

Bei den männlichen Patienten kommt es im Vergleich zu Frauen früher und häufiger zu

einer Wirbelsäulen-Versteifung.

OA Stuby: "Umso wichtiger ist es, dass junge Männer Hinweise auf Morbus Bechterew

richtig deuten und eine Spezialistin oder einen Spezialisten aufsuchen, bevor die Krank-

heit schwere Schäden angerichtet hat."

 

Mit Zielgruppen-gerechter Information die sozialen Pole unserer Gesellschaft

erreichen

"Es bedarf aber nicht nur weiterer wissenschaftlicher Gender-Forschung", sagt OA

Stuby. "Geschlechts-spezifische Besonderheiten brauchen neben einer Gender-sensible

Medizin auch eine Zielgruppen-gerechte Aufklärung der Bevölkerung. Die sehr

erfolgreichen bisherigen Informations-Aktionen der ÖGR werden jetzt durch stark

Frauen- bzw. Männer-orientierte Aufklärungsaktivitäten ergänzt."

 

Zielgruppen sind dabei die sozialen Pole unserer Gesellschaft: einerseits die gut

Gebildeten und Ausgebildeten. Dazu wird die ÖGR Info- und Aufklärungs-Veranstal-

tungen an Universitäten durchführen mit dem Ziel, junge Frauen über Rheumatoide

Arthritis zu informieren - in einem Alter, in dem diese Krankheit häufig beginnt.

Außerdem sind Frauen statistisch gesehen insgesamt Gesundheits- bewusster als

Männer, und es ist davon auszugehen, dass Studentinnen das erworbene Wissen in

ihrem sozialen Umfeld weitergeben.

OA Stuby: "Wir setzen also hier auch auf einen Informations-Multiplikations-Effekt.

" Studenten wiederum sollen verstärkt auch über Morbus Bechterew informiert werden.

 

Zielgruppe bildungsferne Schickten, Info auch in Migrantinnen-Sprachen

Die zweite Zielgruppe der ÖGR-Kampagne sind Frauen aus bildungsfernen Schichten,

die üblicher Weise von solchen Awareness-Aktionen nicht erreicht werden und mangels

Information oft einen Arztbesuch nicht einmal in Erwägung ziehen.

 

OA Stuby: "Hier planen wir Kooperationen mit Frauengesundheits-Zentren. Die ÖGR

wird ihre Informationen auch in den am stärksten verbreiteten Migrantinnen-Sprachen

kommunizieren: Denn Verständigung ist eine Voraussetzung für Information, und

Information ist eine Voraussetzung für Gesundheitsbewusstsein."

 

Info-Angebote und Unterstützung der Selbsthilfegruppen nützen!

"Rheuma-Erkrankungen bedeuten für Betroffene massive Einschränkungen in ihrem

täglichen Leben: Schmerzen in den Gelenken, Schwierigkeiten bei einfachen Tätigkeiten

wie Ankleiden oder Zähne putzen machen jeden Schritt zu einer Herausforderung", so

Daniela Loisl, Präsidentin der Österreichischen Rheumaliga. "Dennoch nehmen viele

Rheumatiker diese Einschränkungen in Kauf. Teils, weil sie nicht wissen, dass sie

Anspruch auf Sozialleistungen haben, teils auch aus falsch verstandener Scham."

 

Ein weiterer Grund, warum viele Rheumatiker die ihnen zustehenden Sozialleistungen

wie Pflegegeld oder Behindertenausweise nicht bekommen, seien manchmal schlecht

informierte Amtsärzte: "Um einen an Rheuma erkrankten Menschen richtig einzustufen

muss man wissen, dass es bei dieser Krankheit zu starken Schwankungen der

Beschwerden kommen kann und dass immer wieder Schübe mit massiver Krankheits-

aktivität von Phasen mit nur sehr geringen Beschwerden abgelöst werden können.

Leider gibt es noch immer Amtsärzte, die Rheumatikern die Ausstellung eines Behinder-

tenausweises verweigern oder mit Entzug des Führerscheins drohen."

Rheuma ist eine Erkrankung, die nicht in der Invalidität enden muss. Es gibt sehr gute

Medikamente. Diese sind zwar teuer, aber jeder der sie braucht soll sie bekommen,

sagt Präsidentin Loisl.

 

Die Österreichische Rheumaliga und weitere Selbsthilfegruppen, steht Betroffenen mit

Hilfe und Aufklärungsarbeit zur Seite. "Wir übernehmen die Aufgabe, den Patienten

nicht nur Informationen über ihre Krankheit zu geben, sondern wir nehmen ihnen auch

die Angst davor die Medikamente einzunehmen," berichtet Loisl.

 

Warnhinweise bei Rheumatoider Arthritis und bei Morbus Bechterew

Ein Selbsttest gibt Hinweise, ob jemand an RA erkrankt ist.

Typisch sind für RA folgende Symptome:

  • Anlaufschwierigkeiten (Steifigkeit) von Gelenken nach Ruhephase,

  • besonders am Morgen

  • Schwellungen an mehr als zwei Gelenksregionen

  • Schwellungen der Handgelenke, der Fingermittel- oder -grundgelenke

  • Symmetrische Schwellungen der gleichen Gelenke auf beiden

  • Körperseiten

  • Rheumaknoten unter der Haut, über Knochenvorsprüngen oder in

  • Gelenknähe

  • Typische Veränderungen im Röntgenbild wie Knochendefekte oder

  • Entkalkungen (Gelenknahe Osteoporose)

  • Nachweis des "Rheumafaktors" im Blut

Sind bei einer Person mindestens 4 dieser 7 Anzeichen gegeben, ist die Wahrschein-

lichkeit einer RA hoch.

Der Verdacht lässt sich mit einfachen körperlichen Untersuchungen und Bluttests

erhärten oder entkräften:

Ein erhöhter Wert des LinkC-reaktiven Proteins (CRP) und eine erhöhte LinkBlutsen-

kungsgeschwindigkeit (BSK) weisen auf Entzündungsherde im Körper hin. Zusätzlich

lässt sich im Anfangsstadium bei rund 50% der Betroffenen, später bei 70 bis 80% der

Link"Rheumafaktor" nachweisen.

 

Weitere Informationen:

LinkRheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis)

 

Typisch für MB ist:

  • ein tief sitzender Kreuzschmerz, der bevorzugt nachts

  • auftritt, in den frühen Morgenstunden zum Aufstehen und

    Umhergehen zwingt und sich bei

  • Bewegung und der Einnahme von bestimmten

  • Rheuma-Medikamenten (NSAR) bessert.

  •  

Die Beschwerden beginnen schleichend, dauern mehr als 3 Monate an und treten

erstmals am häufigsten zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr auf.

Ein weiteres Symptom ist Morgensteifigkeit, die mehr als 30 Minuten andauert.

Die Beschwerden verschlimmern sich bei Ruhe.

 

Weitere Informationen:

LinkMorbus Bechterew (Spondylitis ankylosans)

 

Quelle:

B&K Bettschart&Kofler Medien- und Kommunikationsberatung

Mediengespräch der ÖGR zum "Welt-Rheuma-Tag"

 

Stand: November 2009

 

 

 

 

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