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Dienstag, 9. November 2010, 23:45

Granulomatose mit Polyangiitis (Wegener-Granulomatose, Morbus Wegener)

Ursachen und Entstehung:

Die Ursache der WG ist bislang nicht bekannt. Man nimmt eine Fehlregulation des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsystem) an. Diese führt dazu, dass der Körper fälschlicherweise zum einen zu einer granulomatösen Entzündung im Atemtrakt (Nase, Nebennebenhöhlen, Luftröhre usw.) neigt und zum anderen Antikörper (cANCA) gegen Bestandteile seiner eigenen weißen Blutzellen (Proteinase 3) bildet und dies die Vaskulitis in vielen Organen in Gang setzt; zudem entstehen Granulome in den Luftwegen. Es gibt keine Erkenntnisse, dass die Erkrankung ansteckend oder vererbbar sein könnte oder während einer Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind übertragen wird.

Krankheitszeichen und Verlauf:

Die WG kann schleichend mit blutigem Schnupfen, Gelenk-, Muskel- und Kopfschmerzen beginnen oder auch als akute, lebensbedrohliche Krankheit mit Nierenversagen und blutigem Husten. Die meisten Patienten fühlen sich dann sehr krank und abgeschlagen und haben häufig Fieber. Sie nehmen ungewollt Gewicht ab. Die Symptome erinnern an eine Infektion oder auch an ein Tumorleiden. Bei genauem Nachfragen begann die Krankheit aber meist schon lange, bevor sie festgestellt wurde. Meist bestehen z.T. über Jahre “Probleme mit der Nase” (verstopfte Nase, blutiger Schnupfen mit Krusten), oft Entzündungen der Kieferhöhlen und/oder Mittelohrentzündungen. Häufig werden diese erst mit verschiedenen Antibiotika behandelt oder sogar operiert. Die Beschwerden können zunächst auch spontan wieder verschwinden. In diesem Frühstadium fühlen sich die Patienten durchaus gesund und leistungsfähig. Leider gelingt es nur sehr selten, diese milden Frühstadien (Initialphase) als WG zu erkennen, insbesondere dann, wenn der typische Antikörper (ANCA) noch nicht nachweisbar ist. Erst u.U. nach vielen Jahren kann es zur Ausbreitung er Vaskulitis in andere Organe kommen. Es können schmerzhafte Augenentzündungen (rotes Auge) hinzukommen sowie Lungenentzündungen, Hautausschläge und Nierenentzündungen mit Nachlassen der Nierenfunktion. Zu diesem Zeitpunkt klagen die Betroffenen fast immer über rheumatische Beschwerden: Gelenk- und Muskelschmerzen. Bei einem rasch fortschreitenden Krankheitsbefall der Nieren kann es auch bei schnellem Beginn einer Behandlung in seltenen Fällen zum Versagen der Nierenfunktion kommen. Dann muß die Entgiftungs- und Entwässerungsfunktion der Niere maschinell von einer “künstlichen Niere” übernommen werden (Dialyse). Bei einer Beteiligung des Nervensystems (bei ca. 30% der Patienten) klagen die Patienten über sehr schmerzhafte Missempfindungen, wie Kribbeln, Ameisenlaufen oder Brennen an Armen und Beinen.

Früher war die Prognose dieser schwer erkrankten Patienten sehr schlecht, so dass 80% dieser Patienten innerhalb eines Jahres starben, meist an Nieren- und Lungenversagen. Heutzutage kann dank der Kombinationstherapie aus Cortison und Cyclophosphamid (Endoxan) über etwa 6 Monate bei etwa 80% der Patienten ein Rückgang (Remission) der Erkrankung erreicht werden. Danach wird in der Regel die Behandlung auf eine schwächere Therapie zur Remissionserhaltung mit z.B. Azathioprin (Imurek) umgestellt. Wie lange diese Behandlung durchgeführt werden muss (1-2 Jahre, länger?) ist bislang noch nicht in kontrollierten Studien sicher etabliert. Da die Krankheit aber in Schüben verlaufen und auch nach Jahren völliger Ruhe wieder aufbrechen kann, sind regelmäßige Kontrollen beim Hausarzt in Zusammenarbeit mit Spezialisten auch in Zeiten des völligen Wohlergehens wichtig.

Diagnose

Leider gibt es nicht “das beweisende Zeichen” für die WG. Ähnliche Symptome können auch bei anderen Vaskulitisformen auftreten, die manchmal nur durch die Untersuchung einer Gewebeprobe voneinander unterschieden werden. Ähnliche Beschwerden gibt es aber auch infolge anderer Erkrankungen, denen ganz andere Ursachen zugrunde liegen: Chronische Infektionskrankheiten oder Tumorleiden können ebenso zu schwerem Krankheitsgefühl, Fieber, Gewichtsabnahme und Gelenkbeschwerden führen. Daran muss immer gedacht und diese Ursachen ausgeschlossen werden. Die Diagnose muss von Patient und Arzt wie ein Puzzlespiel aus intensiver Befragung und verschiedenen Befunden zusammengesetzt werden, weil jedes Krankheitszeichen für sich auch andere Ursachen haben kann und weil sich die WG nicht selten langsam, d.h. in Wochen oder Monaten “aufbaut”: zunächst nur verstopfte Nase, dann blutiger Schnupfen, dann grippale Beschwerden und dann zunehmend vaskulitische Komplikationen. Neben der körperlichen Untersuchung durch den Internisten müssen in der Regel Ärzte anderer Fachgebiete hinzugezogen werden (HNO-, Augen-, Haut- und Nervenarzt). Jeder muss auf seinem Gebiet sorgfältigst nach Vaskulitiszeichen suchen, von denen der Patient manchmal selbst subjektiv nichts spürt.

Darüber hinaus helfen verschiedene Blut- und Urintests, Schwere und Ausdehnung der Vaskulitis einzuschätzen bzw. zu prüfen, welche Organe durch die Vaskulitis in Mitleidenschaft gezogen wurden (Nieren-, Leberwerte). In den vergangenen 15 Jahren hat sich gezeigt, dass im Blut der Patienten mit WG sehr häufig ein Antikörper (cANCA) gefunden wird. Er ist gegen eine Untergruppe weißer Blutzellen (Neutrophile) gerichtet, die dann so aktiviert werden, dass sie eine abnorme Gefäßentzündung in Gang setzen. Der Nachweis des cANCA (und dann bei der Erstuntersuchung auch des PR3-ANCA im sog. ELISA-Verfahren) hat eine sehr hohe Beweiskraft für die Diagnose, ist aber auch ganz selten bei anderen Vaskulitiden und auch bei anderen Erkrankungen zu finden.

Der sicherste Krankheitsbeweis ist die mikroskopische Untersuchung einer Gewebeprobe, die in örtlicher Betäubung aus einem erkrankten Organ, z.B. aus der Nase, der Muskulatur, der Lunge oder der Niere entnommen wird.

Behandlung

Wir kennen heute mehrere Stadien der Erkrankung, die man unterschiedlich behandelt. In der Initialphase mit einem ausschließlichen Befall der oberen und unteren Luftwege kann die WG möglicherweise durch eine alleinige Antibiotische Behandlung mit Cotrim über viele Monate oder sogar Jahre zum Stillstand gebracht werden. Darüber hinaus werden Medikamente eingesetzt, die in die Gruppe der Immunsuppressiva gehören, d.h. die überschießende Reaktion des Immunsystems drosseln und so Entzündungsreaktionen bremsen. In der frühen Phase der Vaskulitis mit Auftreten von Symptomen wie Abgeschlagenheit, Fieber und Gewichtsverlust sowie Befall von weiteren Organen kann bei normaler Nierenfunktion und leichterer Symptomatik eine Remission mit Methotrexat und Cortison erzielt werden. Bei ernsteren Symptomen, Befall sehr vieler Organe oder rasch fortschreitender Erkrankung wird zunächst eine Kombinationstherapie aus Endoxan und Cortison eingesetzt, dem früheren Therapiestandard. Diese Therapie kann mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen und muss engmaschig überwacht werden. Zusätzlich können heute noch weitere, neuere Medikamente als Infusionen gegeben werden, wenn die oben beschriebene Therapie nicht erfolgreich ist oder die Dosis z.B. von Endoxan vermindert werden soll. In der Regel wird man, nachdem die Erkrankung zum Stillstand gekommen ist (Remission), eine sog. Remissionserhaltende Therapie mit einem schwächeren und über längere Zeit gut verträglichen Immunsupressivum durchführen. Hierfür kommen verschiedene Medikamente infrage; die am besten untersuchten sind Imurek und Methotrexat, aber auch Leflunomid oder CellCept sind möglich.

Besonderes Augenmerk gehört der Niere! Der Patient spürt selbst nicht, wenn die Niere betroffen ist. Also: regelmäßige Untersuchung von Urin und Nierenwerten im Blut (Kreatininwert).

Quelle Vaskulitis - Ein Ratgeber für Patienten und Angehörige

E.Reinhold-Keller, W.L.Gross, Steinkopff-Verlag Darmstadt
Signatur von »Stine« Liebe Grüsse - Stine :theo

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