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Eveline

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Samstag, 4. Juni 2011, 11:16

Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und systemischen Erkrankungen in der Bevölkerung unterschätzt

  • Parodontitis steht eng im Zusammenhang mit der Gesundheit des Gesamtorganismus
  • Korrelationen bei parodontalen Erkrankungen besonders zu Diabetes und Atherosklerose

Dem Zusammenhang bzw. den Wechselwirkungen zwischen Parodontitis und systemischen Erkrankungen(1) wird in der parodontologischen Forschung zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt. In den letzten Jahren mehren sich die Hinweise aus klinischen und experimentellen Studien, dass parodontale Infektionen nicht nur von systemischen Faktoren beeinflusst werden, sondern auch selbst systemische Auswirkungen haben können. Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf, Leiter der Abteilung für Parodontologie in der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie am Universitätsklinikum Würzburg, referierte anlässlich der 20. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie zum Thema "Floss or die? - Über den Wert parodontaler Therapie für die Gefäßgesundheit" und präsentierte den wissenschaftlichen Status quo dieser komplexen Zusammenhänge.


Schon vor mehr als zwei Jahrzehnten konnten erste Korrelationsstudien einen signifikanten Zusammenhang zwischen Parodontitis und kardiovaskulären Erkrankungen nachweisen. "Lange Zeit wurde jedoch angenommen, dass eine parodontale Therapie keinen signifikanten Einfluss auf den Verlauf kardiovaskulärer Erkrankungen, also Erkrankungen, die das Herz und das Gefäßsystem betreffen, nimmt. Parodontitis und kardiovaskuläre Erkrankungen stellen nach diesem Konzept lediglich zwei unterschiedliche Symptome einer gemeinsamen gesundheitsschädigenden Ursache wie etwa des Rauchens dar", leitete Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf ein. Nach und nach erhärtete sich der Verdacht, dass eine unbehandelte parodontale Entzündung doch direkt den Status der kardiovaskulären Gesundheit signifikant beeinträchtigen kann, so Prof. Schlagenhauf weiter.


Zahnverlust zu 50 Prozent auf Parodontitis zurückzuführen


Parodontitis ist eine komplexe multifaktorielle entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates (Parodontium). Hervorgerufen wird sie durch Bakterien, die sich im so genannten Biofilm, einer Schleimschicht auf den Zähnen, befinden. Dieser Schleim ist ein ideales Umfeld für Bakterien und Ausgangspunkt für die Entstehung einer Parodontitis. Etwa drei von vier Menschen leiden im Laufe ihres Lebens einmal an Parodontitis und mehr als 50 Prozent des Zahnverlustes in der Bevölkerung ist auf diese Erkrankung zurückzuführen. Bei der Entstehung und dem Verlauf spielen die allgemeinen gesundheitliche Verfassung und andere individuelle Faktoren eine Rolle, beispielsweise Nikotinkonsum, die genetische Disposition und Allgemeinerkrankungen (z.B. Diabetes).


Die Wechselwirkungen zwischen Parodontitis und Diabetes wurde bis dato am umfangreichsten untersucht. Die Häufigkeit beider Krankheitsbilder ist im Steigen begriffen, daher sei eine Aufklärung über die Zusammenhänge besonders wichtig, so die Experten am Rande der ÖGP-Jahrestagung. Die Beziehungen zwischen Parodontitis und Diabetes sind bi-direktional, d.h. Diabetes kann auf den parodontalen Zustand wirken und Parodontitis kann die Blutzucker-Einstellung des Diabetespatienten beeinflussen(2). Bereits seit längerer Zeit gilt die Parodontitis als Folgeerkrankung des Diabetes mellitus(3), auch die Häufigkeit, der Schweregrad und das Fortschreiten der Parodontitis sind mit Diabetes assoziiert(4).


Wechselseitige Beeinflussung: Diabetes stellt erhöhtes Risiko für Parodontalerkrankungen dar und Diabetiker sprechen auf eine Parodontitistherapie schlechter an


"Bei Diabetikern ist die Immunabwehr insgesamt geschwächt und durch die hohen Blutzuckerwerte kommt es auch in der Mundhöhle zu Durchblutungsstörungen. Diabetes ist mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung und das Voranschreiten einer Parodontitis assoziiert und die parodontale Infektion ist mit einer verschlechterten Blutzucker-Kontrolle bei Diabetikern verbunden. Es mehren sich weitere Hinweise dafür, dass die Parodontitis mit einem erhöhten Risiko für Diabeteskomplikationen und die Entstehung von Typ-2 Diabetes in Verbindung steht. Eine Therapie der parodontalen Infektion führt nicht nur zur Verbesserung der Mundgesundheit, sondern könnte zur Verbesserung und Aufrechterhaltung der Blutzucker-Kontrolle bei Diabetespatienten und zur Vermeidung von Diabeteskomplikationen beitragen", führte Prof. Schlagenhauf weiter aus.


Studien belegen auch Zusammenhang zwischen Parodontitis und Atherosklerose


Parodontitis stellt einen Risikofaktor auch für Atherosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Bereits 1989 ergaben sich erste Hinweise für einen Zusammenhang von oralen Infektionen mit Schlaganfall und Herzinfarkt.(5) Seither wurde eine große Anzahl von Studien veröffentlicht, die überwiegend die Hypothese eines Zusammenhangs zwischen parodontalen Infektionen und Atherosklerose, einer Systemerkrankung der Schlagadern die zu Ablagerungen von Blutfetten, Thromben und Bindegewebe führt, bestätigen. Dazu erläuterte Prof. Schlagenhauf: "Die bis heute vorliegenden epidemiologischen Daten untermauern die Vermutung, dass parodontale Infektionen einen unabhängigen Risikofaktor für Atherosklerose und deren klinische Folgen darstellen. Die positive Assoziation ist nur moderat ausgeprägt, aber sehr konsistent angesichts der Vielzahl von Studien mit ihren unterschiedlichen Populationen und variierenden Kriterien für Parodontitis und Atherosklerose. Aus den vorliegenden Interventionsstudien kann gefolgert werden, dass durch Parodontitistherapie ein positiver Effekt auf die Atherosklerose erzielt wird", so Prof. Schlagenhauf.


In Zukunft würden weitere Patientenstudien die Mechanismen von mit Parodontitis assoziierten Änderungen der Gefäßgesundheit aufklären. Nur so könne festgestellt werden, ob und wodurch die Prävention und Behandlung parodontaler Infektionen eine Rolle in der Vorbeugung und Behandlung von Atherosklerose spielt.


Zahngesundheit liefert oft Hinweise auf generellen Gesundheitszustand


Viele Menschen wissen gar nicht, dass die Zahngesundheit oft auch Hinweise auf den generellen Gesundheitsstatus geben kann. Die Entdeckung und Behandlung von Zahnerkrankungen müsse jedoch in Hinblick auf die möglichen Wirkungen auf häufige systemische Erkrankungen wie Atherosklerose und Diabetes mellitus im Interesse eines umfassenden Betreuungskonzeptes sein. Regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen und professionelle Zahnpflege in individuellen Intervallen seien angezeigt. "Bei Patienten mit den erwähnten Erkrankungen sollten chronische dentale Infektionen aus differenzialdiagnostischen und therapeutischen Erwägungen ausgeschlossen werden. Aufgrund des wechselseitigen Zusammenhangs zwischen Parodontitis und Systemerkrankungen sind Zahnärzte, Allgemeinmediziner, betreuende Fachärzte und Patienten zu einer engen Zusammenarbeit für einen optimalen Therapieerfolg aufgerufen", ergänzte Univ. Doz. Dr. Werner Lill, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie.


Jahrestagung der ÖGP - Jour-Fix im deutschsprachigen Raum


Die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie (ÖGP) ist eine der wichtigsten Fachtagungen für Parodontologie im deutschsprachigen Raum und mit mehr als 500 Teilnehmern in Österreich die größte Veranstaltung dieser Art - ein Jour-Fix für ZahnärztInnen und AssistentInnen mit hochkarätigem wissenschaftlichem Programm und renommierten (inter)nationalen Referenten. Mit dem neuen Austragungsort Kitzbühel wurde die ÖGP-Jahrestagung 2011 weiter aufgewertet. Auch in diesem Jahr konnte die ÖGP mit einem hochkarätigen wissenschaftlichen Hauptprogramm unter der Leitung von Univ. Prof. DDr. Michael Matejka, Univ. Doz. Dr. Werner Lill und Dr. Andreas Fuchs-Martschitz aufwarten. Zu den Schwerpunktthemen der Jahrestagung 2011 zählten Parodontitis und Allgemeinmedizin.


Über die ÖGP:


Die Österreichische Gesellschaft für Parodontologie hat derzeit ca. 300 Mitglieder und ist Vollmitglied der European Federation of Periodontology. Die ÖGP und ihre Mitglieder sind darum bemüht, Aufklärung, Hilfestellung und optimale Behandlungsmethoden für ihre Patienten anzubieten. Die ÖGP hat im Jahr 2010 die Initiative "Schau auf Dein Zahnfleisch!" ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für Zahnfleischerkrankungen nachhaltig zu stärken. Das Bundesministerium für Gesundheit, die Österreichische Zahnärztekammer, die Österreichische Ärztekammer und die Ärztekammer für Wien sind Kooperationspartner. Die Initiative unterstreicht die Wichtigkeit und Bedeutung der Parodontologie und räumt mit dem weit verbreiteten Vorurteil auf, dass Parodontitis nicht erfolgreich behandelt werden kann. Langfristiges Ziel der Initiative ist es, das Bewusstsein für Zahnfleischerkrankungen und ihre möglichen Folgen in der Bevölkerung generell zu stärken. Im Jahr 2012 wird die ÖGP in Zusammenarbeit mit der EFP den weltgrößten Parodontologiekongress, die Europerio7, in Wien organisieren.


Mehr Infos unter: http://www.oegp.at


(1) Als systemisch werden alle Krankheiten bezeichnet, die sich auf ein gesamtes Organsystem auswirken (auch entzündlich rheumatische Erkrankungen), wie etwa das Blut, das Zentrale Nervensystem oder die Muskulatur als Ganzes. In weiterem Sinne werden auch solche Erkrankungen als systemisch bezeichnet, die sich mehr oder weniger unspezifisch auf den gesamten Körper auswirken, wie z.B. Diabetes mellitus. Eine systemische Erkrankung erfasst daher den ganzen Körper.


(2) Preshaw PM, Foster N, Taylor JJ. Cross-susceptibility between periodontal disease and type 2 diabetes mellitus: an immunobiological perspective. Periodontol 2000 2007; 45: 138-157.


(3) Löe H. Periodontal disease. The sixth complication of diabetes mellitus. Diabetes Care 1993; 16: 329-334.


(4) Salvi GE, Carollo-Bittel B, Lang NP. Effects of diabetes mellitus on periodontal and peri- implant conditions: update on associations and risks. J Clin Periodontol 2008; 35 (8 Suppl): 398-409.


(5) Mattila, K.J., M.S. Nieminen, V.V. Valtonen, V.P. Rasi, Y.A. Kesaniemi, S.L. Syrjala, P.S. Jungell, M. Isoluoma, K. Hietaniemi, and M.J. Jokinen. 1989. Association between dental health and acute myocardial infarction. Bmj. 298:779-781.


Quelle OTS0081 2011-06-03/11:08
Signatur von »Eveline« Liebe Grüße von
Eveline


Schmerz ist, was der Patient sagt, und er existiert, wann immer er es sagt.

Margo Mac Caffery 1997

:aua

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