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Eveline

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Donnerstag, 9. Juni 2011, 14:14

Wirbelsäulenverkrümmungen bei Erwachsenen: Operationen oft nicht ratsam

Wirbelsäulenverkrümmungen, wie sie unter anderem durch die altersbedingte Degeneration der Bandscheiben entstehen, können heute chirurgisch behandelt werden. Aufwändigere Eingriffe sind jedoch nach wie vor riskant und sollten wohl überlegt sein, warnte die deutsche Wirbelsäulenorthopädin Prof. Viola Bullmann beim Europäischen Orthopädiekongress EFORT in Kopenhagen.


Mit der demographischen Entwicklung und steigenden Lebenserwartung nehmen auch Verkrümmungen der Lendenwirbelsäule, eine mögliche Folge der altersbedingten Degeneration der Bandscheiben, kontinuierlich zu. Diese degenerativen Lumbalskoliosen gehen mit zunehmenden Rückenschmerzen und Störungen des Gehvermögens einher. Heute können sie operativ behandelt werden, wobei je nach Symptomen unterschiedlich schwerwiegende operative Eingriffe in Frage kommen. "Jeder dieser Eingriffe hat jedoch auch Nachteile und teils hohe Komplikationsraten", warnte Prof. Dr. Viola Bullmann von der Universitätsklinik Münster (Deutschland) heute auf dem 12. Jahreskongress der European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology (EFORT) in Kopenhagen. "Sie sollten daher nur bei strenger Indikationsstellung unternommen werden; die aufwändigeren überhaupt nur dann, wenn das Risiko durch die schlechte Lebensqualität der Patienten gerechtfertigt ist."

Bandscheibendegeneration führt zu verkrümmter Wirbelsäule


Wirbelsäulenverkrümmungen können schon in der Kindheit als idiopathische Skoliosen auftreten. Immer häufiger werden sie heute jedoch unter älteren Menschen: Wenn sich die Bandscheiben abnützen - ein häufiges Symptom des Alterns - können sich die Wirbel gegeneinander verschieben und verdrehen (degenerative Lumbalskoliose). Dies wiederum kann zu einer Deformierung der Wirbelsäule und zu Symptomen wie Rückenschmerzen, Beinschmerzen und - durch die Einengung der zuständigen Nerven im Rückenmarkskanal - zu Störungen der Geh-Funktion führen. Die Beinbeschwerden können von leichten Missempfindungen bis zu heftigen chronischen Schmerzen und der völligen Unfähigkeit, sich selbstständig fortzubewegen, reichen. Typisch ist, dass Patienten im Anfangsstadium zwar nicht mehr gut gehen, aber meist noch gut radfahren können, weil der Spinalkanal durch die Beugestellung im Fahrradsattel stärker geweitet wird als bei aufrechtem Gang.

Für jedes Problem eine chirurgische Lösung


"Die Fortschritte der orthopädischen Chirurgie des letzten Jahrzehnts erlauben uns heute, für praktisch jeden Fall von degenerativer Lumbalskoliose eine Operation anzubieten, die jedoch auf die Situation des Patienten genau abgestimmt sein muss", so Prof. Bullmann.
  • Wenn Beinschmerzen und Gehprobleme vorliegen, jedoch keine Rückenschmerzen und keine Gleichgewichtsprobleme ("stabile Skoliose"), kann der Rückenmarkskanal in einem minimal-invasiven Eingriff erweitert und der eingeklemmte Nerv befreit werden.
  • Liegen zusätzlich ausgeprägte Rückenschmerzen vor, die jedoch auf einen Teilbereich der Skoliose eingegrenzt sind, kann die Verkrümmung durch Implantation einer Schrauben-Stab-Instrumentation korrigiert werden.
  • Sind größere Bereiche schmerzhaft und gerät der Patient durch die Lockerung der Wirbelkörper aus der Balance, kann ein sicherer und schmerzfreier aufrechter Gang nur dann wiederhergestellt werden, wenn in der Operation die ganze Lendenwirbelsäule, im Bedarfsfall bis hinunter zum Kreuz- oder Darmbein oder hinauf zur Brustwirbelsäule, versteift wird.


Expertin warnt vor Komplikationen: Die Risiken großer Operationen müssen durch schlechte Lebensqualität des Patienten gerechtfertigt sein


Bei allen drei Operationen kommt es jedoch nicht selten zu Komplikationen, vor allem zur sogenannten Dekompensation: Dabei wird die Verkrümmung durch die Operation nicht beseitigt, sondern verschiebt sich lediglich von der operierten Stelle zu einer darüber oder darunter. Weitere mögliche Komplikationen sind Lähmungen sowie die Lockerung der versteifenden Implantate, Wundheilungsstörungen, das Ausbleiben der gewünschten Verknöcherung (Pseudoarthrose) oder der Austritt von Nervenwasser. "Bei chirurgischen Versteifungen der Lendenwirbelsäule liegen die Komplikationsraten zwischen 20 und 40 Prozent, bei Patienten über 85 Jahren und solchen mit mehr als drei zusätzlichen Erkrankungen sogar noch höher, und manche Patienten überleben die Operation nicht. Daher sollte in jedem Einzelfall gut überlegt werden, ob überhaupt operiert werden soll", so Prof. Bullmann in Kopenhagen. "Generell empfehlenswert sind kleinere Eingriffe, wenn entsprechend begrenzte Probleme, wie vor allem Beinschmerzen, vorliegen. Wenn das Problem des Patienten nur durch einen großen Eingriff mit langstreckigen Implantaten gelöst werden kann, empfehle ich die Operation dann, wenn Schmerzen und Bewegungsunfähigkeit die Lebensqualität des Patienten bereits drastisch einschränken - wenn er sozusagen mit dem Rücken zur Wand steht."

Hintergrund EFORT
Die European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology, kurz EFORT, ist die Dachorganisation orthopädischer Fachgesellschaften in Europa. EFORT wurde 1991 im italienischen Marentino gegründet und feiert heuer ihr 20-jähriges Bestehen. Heute gehören ihr 42 nationale Gesellschaften aus 40 Ländern an.

EFORT ist eine Non-Profit Organisation. Die teilnehmenden Gesellschaften wollen den Austausch wissenschaftlichen Fachwissens und von Erfahrungen in der Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten und Verletzungen des muskuloskelettalen Systems verbessern. EFORT organisiert europäische Konferenzen, Schulungen, Kurse, Foren und Kongresse. Ferner werden von ihr grundlegende und klinische Forschungsarbeiten ins Leben gerufen und unterstützt

Quelle B&K Medien- und Kommunikationsberatungs GesmbH
Signatur von »Eveline« Liebe Grüße von
Eveline


Schmerz ist, was der Patient sagt, und er existiert, wann immer er es sagt.

Margo Mac Caffery 1997

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