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Eveline

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Freitag, 8. Februar 2013, 11:08

Fibromyalgie: AUF DEM WEG ZUR „COMPLEX SOMATIC DISORDER“

Die Fibromyalgie ist eine rätselhafte Erkrankung im Spannungsfeld zwischen Rheumatologie und Psychiatrie, wobei sich die „psychiatrischen“ Diagnosekriterien durchzusetzen scheinen. Die Diagnosekriterien der Rheumatologen werden zunehmend verlassen und es werde auf das biopsychosoziale Modell der Psychiater zurückgegriffen, hieß es bei der ÖSG-Tagung in Linz.


In der Rheumatologie wurde über viele Jahre versucht, die rätselhafte Krankheit mit komplizierten Diagnosekriterien zu erfassen, die in den vergangenen Jahren zunehmend wieder aufgegeben wurden. Doch auch in der aktuellen S3-Leitlinie zur Fibromyalgie wird betont, dass das FMS nicht pauschal mit einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung bzw. einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren gleichzusetzen ist. Dennoch gibt es eine breite Überlappung, wie Prim. Ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Aigner, Leiter der Erwachsenenpsychiatrie am Landesklinikum Tulln, bei der Jahrestagung der Österreichischen Schmerzgesellschaft in Linz betonte. Auch die Diagnosekriterien der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sind in Entwicklung und es wird in Richtung „Complex Somatic Disorder“ gehen.

BIOPSYCHOSOZIALES MODELL.
Die Psychiatrie nimmt in der Ätiologie des Fibromyalgie- Syndromsein biopsychosoziales Modell an, das auf Stressoren (biologischer, physikalischer oder psychosozialer Art) und einer entsprechenden Disposition beruht. Prof. Aigner: „Häufig finden sich in der Anamnese von Fibromyalgie-Patienten sexueller Missbrauch oder andere Erfahrungen von Gewalt.“ Auch affektive Störungen sind häufig mit Fibromyalgie vergesellschaftet. Diagnosekriterien der Vergangenheit wie jene des American College of Rheumatology (ACR) hätten sich sogar negativ auf die Perspektiven der Therapie ausgewirkt. So werden die 18 sogenannten und willkürlich gewählten „Tender Points“ des ACR, von denen gemäß Kriterien 11 druckschmerzhaft sein müssen, nicht nur dem vielfältigen Krankheitsbild nicht gerecht, sie suggerieren den Patienten auch, dass es ein somatisches Korrelat ihrer Beschwerden gäbe. Die hochproblematischen Versuche, der Fibromyalgie mit chirurgichirurgischen Interventionen an den Tender Points beizukommen, stellt diesbezüglich den Worst Case dar.

AKTIVIERUNG UND MOBILISIERUNG.
Von größter Bedeutung in der Behandlung der Fibromyalgie ist die Rehabilitation im Sinne einer Aktivierung und Mobilisierung der Patienten. Umgekehrt kommt es beispielsweise durch eine Frühpensionierung der Patienten nicht zu einer Besserung, sondern eher zur Verschlechterung der Beschwerden durch das Herausgerissenwerden aus dem Arbeitsleben. Daher steht die Erhaltung der Alltagsfunktionen im Mittelpunkt der Therapie. Eine medikamentöse antidepressive Therapie ist bei Vorliegen einer komorbiden Depression indiziert und kann auch die Schmerzsymptomatik positiv beeinflussen. Dabei ist zu beachten, dass die Suizidrate bei den Betroffenen höher ist als in der gesunden Bevölkerung. Große Bedeutung im Sinne der Mobilisierung hat regelmäßiges Ausdauertraining. Allerdings fällt gerade Training den oft vollkommen dekonditionierten Patienten besonders schwer. In der Praxis müsse man bei vielen Fibromyalgie-Patienten „ganz unten beginnen“, wie Prof. Aigner betonte, zumal viele Patienten schon mit sehr leichten Belastungen überfordert seien. Besonderes Augenmerk müsse auch den bei Fibromyalgie sehr häufigen Schlafstörungen geschenkt werden, die erheblich zum schlechten Gesamtzustand der Betroffenen beitragen können. In einem Teufelskreis verstärkt schlechter Schlaf die Schmerzempfindlichkeit, was wiederum die Schlafstörungen verstärkt, und begünstigt die kognitiven Störungen, die ebenfalls häufig im Rahmen der Fibromyalgie gesehen werden.

Quelle http://www.bkkommunikation.com/fileadmin/user_upload/schmerznachrichten_2012-3.pdf
Signatur von »Eveline« Liebe Grüße von
Eveline


Schmerz ist, was der Patient sagt, und er existiert, wann immer er es sagt.

Margo Mac Caffery 1997

:aua

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