Sie sind nicht angemeldet.

Eveline

KrankeSchwester

  • »Eveline« ist weiblich
  • »Eveline« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 5 163

Registrierungsdatum: 16. November 2009

Wohnort: Trausdorf an der Wulka

  • Nachricht senden

1

Donnerstag, 7. März 2013, 10:23

Moderne Bildverfahren machen Schmerzen sichtbar

Dank moderner Verfahren der Bildgebung verstehen Schmerzforscher/-innen immer besser, welche Vorgänge bei der Schmerzentstehung im Gehirn ablaufen. Die Technologie eröffnet die Möglichkeit, dem Schmerz gewissermaßen zuzusehen und ihn so auch objektiv fassbar zu machen, berichteten Experten/-innen auf dem 17. Internationalen Wiener Schmerzsymposium.


Die Chronifizierung von Schmerzen ist ein häufiges Problem: Der Schmerz bleibt dann bestehen, auch wenn die Schmerzursache längst vergangen sein müsste. Wenn sich die Schmerzwahrnehmung selbständig macht, dann wird der Schmerz selbst zur Krankheit. Wie das geschehen kann, war bis vor kurzem weitgehend unklar. In den letzten Jahren sind durch den Einsatz von funktionellen bildgebenden Methoden (funktionelle Magnetresonanztomographie, Magnetenzephalographie, Positronenemissionstomographie<wbr />) neue Einblicke in die fehlgeleiteten Prozesse, die zu chronischen und neuropathischen Schmerzsyndromen führen, möglich geworden. „Die neuen bildgebenden Methoden haben uns die Chance eröffnet, dem Gehirn bei der Schmerzverarbeitung zuzusehen. Wir können Schmerz jetzt objektiv nachweisen und sind nicht mehr ausschließlich auf die Schilderungen der Patienten/-innen angewiesen“, sagte Prof. Dr. Christian Maihöfner (Neurologische Klinik am Universitätsklinikum Erlangen) anlässlich des 17. Internationalen Wiener Schmerzsymposiums.

Eine wesentliche Einsicht aus den bisherigen Untersuchungen ist: Es gibt nicht ein „Schmerzzentrum“, sondern der Input aus den Schmerzsensoren der Peripherie aktiviert ein komplexes Netzwerk an Hirnarealen, die jeweils unterschiedliche Aufgaben haben und verschiedene Subkomponenten der Schmerzempfindung verarbeiten.

Chronische Schmerzen: Veränderte Verarbeitungsprozesse im Gehirn

„Bei chronischen Schmerzen können die Verarbeitungsprozesse in diesem Netzwerk deutlich verändert sein“, so Prof. Maihöfner. So wurden bei Patienten/-innen mit Phantomschmerzen Verlagerungen der Körperrepräsentation auf der Hirnrinde gefunden. Je ausgeprägter die Repräsentation von nichtbetroffenen Körperarealen in das Projektionsfeld des amputierten Gliedes verschoben war, desto stärker war auch der Schmerz. Ähnliche Veränderungen wurden beim komplex-regionalen Schmerzsyndrom (CRPS), also schwersten Schmerzen nach relativ banalen Traumata, gefunden. Auch hier zeigte sich eine positive Korrelation der plastischen Veränderungen mit der Schmerzhaftigkeit der Erkrankung. Ähnliche Phänomene wurden mittlerweile auch bei anderen Erkrankungen wie dem Rückenschmerz oder bei Nervenläsionen nachgewiesen.

Verminderte Schmerzhemmung

Darüber hinaus sind bei chronischen Schmerzen auch schmerzhemmende Mechanismen im Gehirn beeinträchtigt. Prof. Maihöfner: „Unsere Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass die Aktivität endogener Schmerzhemmsysteme bei Patienten/-innen mit komplexregionalen Schmerzsyndromen substantiell verändert ist. Wir fanden bei CRPS eine verminderte Adaptation an schmerzhafte elektrische Reize an der betroffenen und der nicht betroffenen Hand im Vergleich mit gesunden Menschen sowie vergrößerte Hyperalgesieareale, also Areale mit verstärkter Schmerzempfindlichkeit, an der betroffenen Hand. Wir gehen nun davon aus, dass ein fehlerhaftes endogenes Schmerzhemmsystem nicht nur eine Folge des CRPS, sondern ein potentieller Risikofaktor für dessen Entstehen ist.“ Ähnliche Befunde einer verminderten Schmerzhemmung findet man beispielsweise auch bei chronischen Rückenschmerzen oder Fibromyalgie. Prof. Maihöfner: „Erste Studien bei Patienten/-innen deuten darauf hin, dass eine fehlende Schmerzhemmung für die Schmerzchronifizierung beim Menschen von Bedeutung sein könnte.“

Auch beim neuropathischen Schmerz wurden Veränderungen in den für die Schmerzwahrnehmung zuständigen Hirnarealen gefunden. Diese Areale waren überaktiv und über ihr eigentliches Gebiet hinaus ausgedehnt. Die „individuelle Schmerzsignatur“ wird von multiplen Faktoren wie zugrunde liegendem pathologischem Schmerzzustand, Erwartungshaltungen, Aufmerksamkeit, Affekt und Stimmung beeinflusst. Des Weiteren können zentrale schmerzmodulierende Systeme die eintreffenden Schmerzsignale hemmen oder verstärken.

Die gute Nachricht: Die zahlreichen, bei chronischen Schmerzen beobachteten Veränderungen im Gehirn sind reversibel. „Wird der Schmerz adäquat und wirksam behandelt, so kommt es zur Normalisierung des Bildes. Die Körperrepräsentationen auf der Hirnrinde nähern sich wieder jenen Gesunder an“, sagte Prof. Maihöfner. „Damit haben wir jetzt auch die Möglichkeit, die Erfolge unserer Therapien objektiv festzustellen.“

Quelle B&K - Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung GmbH
Signatur von »Eveline« Liebe Grüße von
Eveline


Schmerz ist, was der Patient sagt, und er existiert, wann immer er es sagt.

Margo Mac Caffery 1997

:aua

Es haben sich bereits 9 Gäste bedankt.

Valentina

Schüler

  • »Valentina« ist weiblich

Beiträge: 52

Registrierungsdatum: 23. November 2009

Wohnort: Kärnten

  • Nachricht senden

2

Sonntag, 10. März 2013, 16:11

Schmerzen

Danke dir Eveline für diesen Beitrag,

Liebe Grüße,

Valentina

Es haben sich bereits 6 Gäste bedankt.

3

Sonntag, 10. März 2013, 19:48

Re: Moderne Bildverfahren machen Schmerzen sichtbar

Zitat

Die gute Nachricht: Die zahlreichen, bei chronischen Schmerzen beobachteten Veränderungen im Gehirn sind reversibel. „Wird der Schmerz adäquat und wirksam behandelt, so kommt es zur Normalisierung des Bildes. Die Körperrepräsentationen auf der Hirnrinde nähern sich wieder jenen Gesunder an“, sagte Prof. Maihöfner. „Damit haben wir jetzt auch die Möglichkeit, die Erfolge unserer Therapien objektiv festzustellen.“

Da kann man nur für die patienten hoffen, dass die Schmerzen sich daran halten und wirklich nur einen Schmerz erzeugen, der zu den Ergebnissen passt.

Wenn das so ausschaut, wie bei den Entzündungswerten, dann werden viele Patienten unnötig Schmerzen erleiden, weil ihnen niemand glaubt.
Signatur von »Maja« ----------------------------------------------------------------------------
Manches beginnt groß, manches klein, und manchmal ist das Kleinste das Größte.

Es haben sich bereits 6 Gäste bedankt.

Counter:

Hits heute: 926 | Hits gestern: 12 570 | Hits Tagesrekord: 49 905 | Hits gesamt: 6 642 841
Klicks heute: 2 168 | Klicks gestern: 19 158 | Klicks Tagesrekord: 55 160 | Klicks gesamt: 15 870 959

Unsere Webseite verwendet Cookies! Bitte lesen Sie unsere Datenschutzerklärung!

Sollten Sie mit der beschriebenen Datenverarbeitung nicht einverstanden sein, bitten wir Sie, die Website wieder zu verlassen bzw. keine
personenbezogene Daten zu übermitteln.