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Eveline

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Donnerstag, 14. März 2013, 09:18

Fibromyalgie: Erster Nachweis erbracht

Fibromyalgie hat den Ruf einer mysteriösen Krankheit: Die Symptome sind vielfältig, die Auslöser unbekannt, die Diagnose ist schwer zu stellen. Jetzt ist Forschern am Universitätsklinikum Würzburg erstmals ein eindeutiger Nachweis gelungen: Schäden im Bereich der kleinen Nervenfasern.


Sie sind für die Wahrnehmung von Schmerzen verantwortlich und für das Temperaturempfinden: Sogenannte kleinkalibrige schmerzleitende Nervenfasern (small fibers), deren Endigungen in der Haut lokalisiert sind. Auf diese Fasern haben sich Wissenschaftler der Universität Würzburg konzentriert bei der Suche nach den Auslösern der typischen Schmerzen bei Fibromyalgie. Mit Erfolg: „Wir haben bei Patienten mit einem Fibromyalgie-Syndrom deutliche Zeichen für eine Schädigung der kleinen Nervenfasern nachgewiesen“, sagt Nurcan Üçeyler, Privatdozentin an der Neurologischen Klinik des Würzburger Universitätsklinikums. Über die Ergebnisse ihrer Studie berichtet die Fachzeitschrift Brain in ihrer aktuellen Ausgabe.

Paradigmenwechsel: Organische Grundlage identifiziert

Diese Entdeckung läutet nach Üçeylers Worten „einen Paradigmenwechsel“ ein: Die Ergebnisse der Studie würden das bisherige pathophysiologische Konzept der Fibromyalgie herausfordern und seien deshalb von beträchtlicher Relevanz. „Mit dem Nachweis einer Beeinträchtigung der kleinen Nervenfasern bei Patienten mit Fibromyalgie erfüllt Schmerz bei dieser Krankheit nun die Kriterien von neuropathischen Schmerzen, also Schmerzen, die durch eine Schädigung oder Erkrankung des Nervensystems bedingt sind“, sagt Üçeyler. Darüber hinaus hätten Mediziner jetzt erstmals ein objektiv messbares Kriterium an der Hand, an dem sie sich bei der Diagnosestellung orientieren können.

Die Studie

35 Patienten haben Nurcan Üçeyler und Prof. Claudia Sommer in ihrer Studie untersucht. 25 von ihnen litten an einer Fibromyalgie, zehn waren an einer Depression erkrankt – einer Krankheit, die Fibromyalgiepatienten häufig zugeschrieben wird, da es bislang an Kriterien für eine verlässliche Diagnose fehlte. An Schmerzen litten diese zehn Patienten nicht. Dazu wurden passende Kontrollgruppen für jede Untersuchung rekrutiert.

Mit drei spezifischen Testverfahren haben die Medizinerinnen die Studienteilnehmer untersucht: Die quantitative sensorische Testung (QST) bestimmt unter anderem thermische Wahrnehmungs- und Schmerzschwellen der kleinen Nervenfasern. Die Ableitung Schmerz-assoziierter evozierter Potenziale (PREP) gibt Auskunft über die elektrische Erregbarkeit der Nervenfasern. Stanzproben aus der Haut ermöglichen die Analyse der Morphologie unter dem Mikroskop. „Diese drei Methoden sind somit objektive Verfahren, die sich bei der Beurteilung der kleinen Nervenfasern ergänzen und deren mehrdimensionale Analyse erlauben“, sagt Üçeyler.

Die Ergebnisse

Das Untersuchungsergebnis war eindeutig: „In allen drei Testverfahren fanden sich bei Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom deutliche Zeichen für eine Schädigung der kleinen Nervenfasern“, erklärt die Medizinerin. Fibromyalgie-Patienten reagierten in der QST weniger empfindlich auf Temperaturreize. In den PREP-Ableitungen zeigten die Betroffenen schwächere Antworten auf die Schmerzreize. Und auch unter dem Mikroskop fanden die Wissenschaftlerinnen deutliche Veränderungen: „In der Hautstanzbiopsie war die Anzahl der kleinen Fasern deutlich reduziert – ein Befund, der typisch ist für Erkrankungen mit small-fiber-Beteiligung“, so Nurcan Üçeyler.

Besonders interessant für die Wissenschaftlerinnen war die Tatsache, dass sich Fibromyalgie-Patienten in den Untersuchungsergebnissen nicht nur von gesunden Studienteilnehmern unterschieden, sondern auch von den Patienten, die an einer Depression erkrankt waren, aber nicht unter Schmerzen litten – letztere zeigten ähnliche Ergebnisse wie Gesunde. Obwohl Fibromyalgie-Patienten ähnlich viele depressive Symptome aufwiesen wie die depressiven Studienteilnehmer, zeigten nur sie eine Beeinträchtigung ihrer kleinen Nervenfasern.

Für das Team um Nurcan Üçeyler und Claudia Sommer ist das Ergebnis dieser Studie klar: „Auch wenn noch nicht bekannt ist, warum es zu einer Schädigung der small fibers bei Fibromyalgie kommt, könnten unsere Ergebnisse die Grundlage für die Neudefinition des Fibromyalgie-Syndroms als Erkrankung schaffen.“

Das Fibromyalgie-Syndrom

Schätzungsweise zwei bis vier Prozent der erwachsenen Allgemeinbevölkerung westlicher Staaten leiden an einem Fibromyalgie-Syndrom. Das Fibromyalgie-Syndrom ist charakterisiert durch chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen; dazu kommen weitere Beschwerden wie Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und depressive Symptome. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Der Verlust an Lebensqualität ist enorm.

Die Diagnose wird anhand der typischen Beschwerdeschilderung der Patienten gestellt sowie nach Ausschluss von alternativen Diagnosen. Typischerweise lassen sich bei der Untersuchung von Patienten mit Fibromyalgie weder klinisch noch laborchemisch noch mittels apparativer Zusatzdiagnostik krankhafte Befunde nachweisen. Das ist auch der Grund, warum das Fibromyalgie-Syndrom bis heute noch nicht als „Krankheit“ anerkannt ist: Es fehlt der Nachweis des krankmachenden Auslösers beziehungsweise einer fassbaren Pathologie.

Jahrelange Odysee bis zur Diagnose

So kommt es, dass Fibromyalgie-Patienten in der Praxis häufig nicht ernst genommen werden und sich Bemerkungen wie „Fibromyalgie? Gibt es nicht.“ anhören müssen. Nicht selten werden sie auch mit der Aussage konfrontiert, dass ihre Beschwerden Ausdruck einer Depression sind. Tatsächlich zeigen Fibromyalgie-Patienten häufig auch depressive Symptome. Diese könnten jedoch genauso gut die Folge ihrer chronischen Schmerzen sein. Aufgrund dieser „Fehldiagnosen“ dauert es oft Jahre, bis eine Fibromyalgie diagnostiziert und die Symptome behandelt werden. Die lange Odyssee der Patienten ist oftmals frustrierend für Betroffene und Ärzte und verursacht zudem hohe Kosten für das Gesundheitssystem.

Finanziell gefördert wurde die Arbeit aus Forschungsmitteln der Universität Würzburg.

„Small fibers in fibromyalgia syndrome“, Nurcan Üçeyler, Daniel Zeller, Ann-Kathrin Kahn, Susanne Kewenig, Sarah Kittel-Schneider, Annina Schmid, Jordi Casanova-Molla, Karlheinz Reiners, Claudia Sommer; doi:10.1093/brain/awt053

Quelle Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Gunnar Bartsch, 14.03.2013 08:45
Signatur von »Eveline« Liebe Grüße von
Eveline


Schmerz ist, was der Patient sagt, und er existiert, wann immer er es sagt.

Margo Mac Caffery 1997

:aua

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Elisa (17.03.2013)

2

Donnerstag, 14. März 2013, 19:04

Re: Fibromyalgie: Erster Nachweis erbracht

Das ist ja hoch interessant. Muß ich morgen gleich mal meiner Chefin mitnehmen. Bei uns in der Psychiatrie gibt es des öfteren die Kombinationn Depression und fibromyalgieartige Schmerzen, ohne das die Diagnose Fibromyalgie gestellt wurde.
Signatur von »Maja« ----------------------------------------------------------------------------
Manches beginnt groß, manches klein, und manchmal ist das Kleinste das Größte.

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3

Sonntag, 17. März 2013, 10:13

Re: Fibromyalgie: Erster Nachweis erbracht

Das ist für mich ja sehr Interessant... ist ja vielleicht die Erklärung warum ich das Gefühl habe meine äußere Körperhülle sprich Haut kaum zu spüren bez. sehr verändert wahr zu nehmen.

Auch das mit dem Kälte und Wärmeempfinden stimmt überein.
Signatur von »Elisa« Mein Motto: " Ich lebe jetzt"

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4

Mittwoch, 29. Mai 2013, 15:38

Re: Fibromyalgie: Erster Nachweis erbracht

Danke für die Information!

Das die Nervenenden geschädigt sind, das erfahre ich jeden schmerzhaften Tag! Ich finde insbesondere die Venen, bei mir die Nerven, Muskel und Sehen des Intercostalraum. In meinem Fall übersensible Wahrnehmung der Haut! Obwohl keine Entzündungswerte im Blut, außer einmal erhöhte Blutsenkung und ANA Werte positiv, bei letzter Blutuntersuchung wieder nicht, fühle ich mich ständig als arbeitet der Körper auf Hochtouren gegen sich selber, fühlt sich an wie eine Entzündung den ganzen Körper betreffend.

Ich würde echt gerne an so einer Studie mal teilnehmen! :danke
Signatur von »Lachesis« „Mit leichtem Gebäck reist es sich leichter“

„Schließt sich uns eine Tür zum Glück, öffnet sich eine andere.
Doch wir schauen oft so lange auf die geschlossene Tür, dass wir die Geöffnete übersehen.“

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Rheuma-Selbst-Hilfe

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Samstag, 27. September 2014, 14:58

Fibromyalgie: Organische Ursache statt psychisches Problem – was können Patienten nun erwarten?

19. September 2013 – Für viele der über eine Million Betroffenen in Deutschland war die Nachricht aus dem Universitätsklinikum Würzburg dieses Frühjahr eine Erlösung: Ihre starken Muskelschmerzen, das Hauptmerkmal des Fibromyalgie-Syndroms (FMS), haben offenbar eine körperliche Ursache. Das Leiden ist nicht reine Glaubenssache. Stigmatisierte Patienten haben nun gute Gegenargumente: Schäden an den abertausenden kleinen Nervenfasern sind verantwortlich für die quälenden Symptome am ganzen Körper, wie die Neurologin Professor Claudia Sommer aus Würzburg mit ihrer Forschungsgruppe herausgefunden hat.


Ursache unbekannt, Diagnostik komplex, Behandlung oft schwierig – drei Kennzeichen des Fibromyalgie- Syndroms (FMS), welche viele Betroffene bisher in eine Sackgasse führen: Ihre bohrenden, zermürbenden Schmerzen am ganzen Körper, die Schlafstörungen, Depressionen, Verdauungsstörungen und Kopfschmerzen werden oft als psychisch bedingt interpretiert. Viele Ärzte sind überfordert, da es bisher keine objektiv messbaren diagnostischen Kriterien für das FMS gibt. In der Ärzte-Umfrage „Fibromyalgia Global Impact Survey“ des European Network of Fibromyalgia Associations (ENFA) bestätigten 2008 fast 90 Prozent der Hausärzte in Deutschland, die Patienten nicht immer ernst zu nehmen. Bei den Fachärzten sind es laut ENFA gar 96 Prozent. „Patienten, bei denen ein Verdacht auf Fibromyalgie besteht, sollten daher unbedingt einen Facharzt mit zusätzlicher Qualifikation als Schmerztherapeut konsultieren“, betont Professor Sommer. Die Schmerzspezialistin fand vor Kurzem heraus, dass FMS keine Glaubenssache ist. Sie untersuchte mit Kollegin PD Dr. Nurcan Üçeyler 35 Patienten und eine entsprechende Anzahl an Kontrollprobanden mit drei unterschiedlichen Verfahren: Eine sensorische Testung bestimmte thermische Wahrnehmungs- und Schmerzschwellen der kleinen Nervenfasern. Zusätzlich wurden die elektrische Erregbarkeit der Nervenfasern gemessen sowie Gewebeproben aus der Haut unter dem Mikroskop untersucht. „Alle drei Untersuchungsverfahren brachten bei Fibromyalgie-Patienten deutliche Zeichen für eine Schädigung der kleinen Nervenfasern zutage“, erklären die Medizinerinnen. Auch zwei nachfolgende amerikanische Forschungsarbeiten fanden Veränderungen in Dichte und Funktion kleiner Nervenfasern und bestätigten das Fibromyalgie-Syndrom als neuropathische – also von den Nerven ausgehende – Erkrankung.

Diagnose und Therapie – was wird sich ändern?

Steht also nun eine standardisierte Reihendiagnostik zur Verfügung? „Zwar könnten die in unserer Studie verwendeten Analysemethoden objektiv messbare Kriterien bieten, an denen sich Ärzte bei der Diagnosestellung orientieren können. Bis sich daraus jedoch eine neue, sichere Standarddiagnostik etabliert, braucht es noch Zeit und mehr Studienergebnisse“, sagt Prof. Claudia Sommer. Für 2014 plant die Neurologin daher an der Neurologischen Klinik in Würzburg eine Nachfolgestudie, die mit einer größeren Anzahl Patienten weitere Daten liefern soll. Da Forschungsmittel heute aber immer schwerer zu besorgen sind, hängt es momentan noch an der Finanzierung.

Die gute Nachricht kommt aus der medikamentösen Therapie: In den Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von FMS werden schon seit Längerem primär Präparate zur Behandlung neuropathischer Schmerzen empfohlen, wie sie beispielsweise auch bei der Polyneuropathie von Diabetikern eingesetzt werden. „Unsere Studienergebnisse bestätigen, dass die Empfehlung in den FMS-Leitlinien für diese Präparate, die auf Erkrankungen der peripheren Nerven wirken, richtig ist“, meint Prof. Dr. Claudia Sommer. Ein neuer medikamentöser Therapieansatz soll ebenfalls entstehen.

Bessere Diagnose und Therapien sind für Patienten und das Gesundheitssystem wichtig

Die persönlichen und sozioökonomischen Auswirkungen des FMS sind beträchtlich: Viele Betroffene können ihren Alltag nur mit Mühe bewältigen oder müssen ihre Arbeit aufgeben. Zwei bis vier Prozent der Bevölkerung in westlichen Industriestaaten kennen den Katalog an Beeinträchtigungen des Fibromyalgiesyndroms am eigenen Leib. Sechsmal mehr Frauen als Männer werden mit diesem Symptomenkomplex beim Arzt vorstellig, die meisten sind über 35 Jahre alt. Viele durchlaufen ein ermüdendes Ärzte-Hopping, im Schnitt dauert es zweieinhalb Jahre, bis die Diagnose Fibromyalgie gestellt wird. Durch aufwändige Untersuchungen, Fehldiagnosen oder unwirksame Behandlungen entstehen hohe Kosten.

Die vielfältigen positiven Reaktionen von Patienten auf ihre Forschung lassen für Claudia Sommer den Schluss zu, dass allein schon der Nachweis einer organischen Ursache und die Entstigmatisierung für viele Patienten eine psychische Entlastung bedeutet. Die Optimierung von Diagnose und Therapie ist für die Neurologin eine gesellschaftliche Aufgabe: „Wenn es gelingt, bei nur einem Drittel der schätzungsweise 1,2 Millionen FMS-Betroffenen in Deutschland durch neue Erkenntnisse eine effiziente Therapie zu finden, würden 400.000 Menschen weniger leiden – so viel wie Erfurt und Rostock zusammen Einwohner haben“.

Quelle Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, 19. September 2013
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zucherro (16.12.2015)

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