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Eveline

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Sonntag, 16. Mai 2010, 20:19

Training als Medizin


Zahlreiche Studien belegen es. Immer mehr PatientInnenberichte sprechen dafür: Regelmäßiges zielgerichtetes Training der wichtigsten Muskelpartien und des Herz-Kreislauf-Systems bessert viele körperliche Leiden, beeinflusst das Immunsystem und wirkt auf die Psyche. Die Medizinische Trainingstherapie der Gesundheitszentren der Wiener Gebietskrankenkasse besteht aber nicht nur aus körperlichem Workout: Großgeschrieben werden individuelle Betreuung durch geschulte TherapeutInnen und die medizinisch optimale „Dosierung“ – denn ein Zuviel kann schaden, ein Zuwenig nicht helfen.


Renate Albenseder , 53, war nicht zu beneiden: Brustkrebsoperation samt Entfernung der Lymphknoten in den Achselhöhlen, ein taubes Gefühl in den Händen, extreme Rückenschmerzen, trotz ausgewogener Ernährung massiv erhöhte Blutfettwerte und – verständlich – ein depressives Stimmungstief. „Ich dachte, ich schaff’ nichts mehr, ich leist’ nichts mehr und habe mich wertlos gefühlt. Im vergangenen November hat dann Frau Primaria Brandstätter als Erste erkannt, dass meine Rückenschmerzen nicht auf Abnützung, sondern auf seelische Verletzungen zurückzuführen waren. Sie hat mir die Medizinische Trainingstherapie und noch einige speziell auf meinen Fall abgestimmte Begleitmaßnahmen empfohlen“, erinnert sie sich. „Die PhysiotherapeutInnen im Gesundheitszentrum Physiko der Wiener Gebietskrankenkasse haben wirklich auf mich geschaut und meine Fehlhaltungen geduldig korrigiert. Ganz anders als in anderen Einrichtungen, die ich kenne. Jetzt, nach nur vier Monaten, sind meine Rückenschmerzen praktisch verschwunden. Meine Hände funktionieren normal. Ich liebe mich und mein Leben wieder. Und meine Blutfettwerte sind so weit gesunken, dass ich die Medikamente nun versuchsweise absetzen kann.“

Teufelskreis Passivität.

Berichte wie diesen gibt es inzwischen viele. „Es ist ja nahe liegend“, so Prim.a Dr.in Silvia Brandstätter, Leiterin des Instituts für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Hanusch-Krankenhaus der Wiener Gebietskrankenkasse. „Schon die alten Griechen wussten, dass zu einem gesunden Geist ein gesunder, vitaler Körper gehört – daher die Wirksamkeit der Trainingstherapie etwa gegen Depressionen. Wir wissen inzwischen aber auch, dass viele Organfunktionen durch regelmäßige ‚Verwendung’ des Körpers, also Bewegung und physische Anstrengung, viel besser ablaufen. Unser Organismus ist auf Bewegung programmiert. Unterlassen wir diese über längere Zeit, verliert er viele seiner Fähigkeiten.“

Leicht nachvollziehbar ist dieses Konzept etwa bei Rückenschmerzen. „Ein passiver Lebensstil schwächt die Stützmuskulatur der Wirbelsäule. Das befördert die Entstehung von Rückenschmerzen“, erläutert Prim.a Brandstätter. „Die Folge der Rückenschmerzen ist, dass die PatientInnen alles vermeiden, was wehtut. Sie leben also noch passiver, was die Muskeln noch weiter schwächt und die Schmerzanfälligkeit noch weiter erhöht – ein Teufelskreis, der nur durch gezieltes Bewegen und Training durchbrochen werden kann.“

Trainieren hilft Körper und Psyche.

Weniger bekannt ist, dass regelmäßige Bewegung auch das Immunsystem aktiviert, die Knochendichte erhöht und die Lungenfunktion bei PatientInnen verbessert, die unter Asthma oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) leiden. Außerdem hilft Bewegung, den Blutdruck zu senken und die Folgen von Diabetes mellitus unter Kontrolle zu halten. Bewegung wirkt sich auch positiv auf die Erschöpfungszustände von PatientInnen aus, die an Krebs leiden oder an Fibromyalgie (ein Ganzkörperschmerz aufgrund von erhöhter Schmerzempfindlichkeit). „Dieser Effekt läuft über die Verbesserung des Stoffwechsels“, so Prim.a Brandstätter. „Muskeln, die sich anstrengen, verbrauchen Zucker. Damit sinkt der Insulinbedarf oder das eingenommene Insulin wirkt besser.“ Ähnliche Effekte an anderer Stelle können gefährliche Blutfette abbauen, die ein Risikofaktor für verkalkte Herzkranzgefäße oder Schlaganfälle sind.

Nicht nur deshalb muss körperliches Training auch Teil jeder Abmagerungskur sein. „Es ist jedoch kein Ersatz für eine vernünftige Ernährung und kann nur gemeinsam mit einer solchen wirken“, sagt Prim.a Brandstätter.
Nicht zuletzt durchbricht ein durchdachtes Aktiv-Programm für den Körper auch einen seelischen Teufelskreis. „Gerade KrebspatientInnen fühlen sich nach einer Operation, Chemo- oder Strahlentherapie oft extrem schwach. Diese Schwäche führt leicht zu einem Gefühl der Wertlosigkeit und der Ohnmacht gegenüber der Krankheit und der Welt“, so Prim.a Brandstätter. „Ähnliches gilt aber für viele PatientInnen mit langer Bettruhe. In der Medizinischen Trainingstherapie beweisen sie sich mehrmals wöchentlich das Gegenteil – und bauen damit ein neues, kräftigeres Selbstbild auf.“ Wenn man Prim.a Brandstätter zuhört, spürt man, dass sich die Ärztin über diese positiven Effekte mit ihren PatientInnen mitfreut.

Die richtige Dosis.

Bei der Bewegung kommt es immer auf die richtige „Dosis“ an, weiß Dr. Yunus Esin, Facharzt für Physikalische Medizin und Leiter des Trainingsprogramms im Hanusch-Krankenhaus: „Es geht hier nicht wie früher bei Arnold Schwarzenegger um möglichst große Muskelpakete. Körperliches Training funktioniert speziell bei bereits kranken Menschen wie ein Medikament. Es muss also richtig dosiert sein: Zu wenig bringt nichts, zu viel kann gefährlich werden.“

In den Gesundheitszentren der Wiener Gebietskrankenkasse beginnt daher jede Trainingstherapie mit einer eingehenden Leistungsdiagnostik: Kann die/der PatientIn die vorgeschriebenen Bewegungen überhaupt ausführen? Wie reagieren Herz, Kreislauf und Lunge auf die Anstrengung? Welche Sauerstoffsättigung erreicht das Blut unter Belastung? Als wie anstrengend empfindet die/der PatientIn ein bestimmtes Gewicht subjektiv? „Manchmal müssen wir erst den Blutdruck einstellen oder mit einer gezielten Bewegungstherapie die Bewegungsfähigkeit verbessern, bevor wir mit dem Training beginnen können“, so Dr. Esin.

Nachhaltiger Muskelaufbau.

Kraft sollte dreimal wöchentlich trainiert werden. Zum Minimalprogramm gehören Muskelgruppen wie die Rückenstrecker, die Bauch- und Brustmuskulatur, Bizeps, Trizeps und die Oberschenkelmuskeln.. Zusätzlich sollte ein Ausdauertraining entsprechend der Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems durchgeführt werden. Darüber hinaus wird der Trainingsplan mit den behandelnden ÄrztInnen anderer Fachrichtungen individuell auf das Krankheitsbild der PatientInnen abgestimmt.
„Ziel des Krafttrainings ist es immer, neue Muskelmasse aufzubauen“, betont Trainingsleiter Dr. Esin. „Das ist sehr anstrengend – aber auch sehr wirksam, und zwar nachhaltig.“

Diese Nachhaltigkeit setzt allerdings Konsequenz voraus: Nach den ersten drei Monaten folgt eine neue Leistungsbeurteilung und die Anpassung des Trainingsplans an die erreichten Fortschritte. Nach weiteren drei Monaten ist dann der große Moment gekommen, in dem die Patientin oder der Patient gleichsam in die freie Wildbahn entlassen wird. Alle wichtigen Bewegungsabläufe und Trainingsgrundsätze sollten dann in Fleisch und Blut übergegangen sein, sodass die PatientInnen ohne Gefahr selbstständig in privaten Fitness-Studios oder Trainingszentren weiterpraktizieren können. Dann muss man nur mehr den inneren Schweinehund überwinden. „Das aber sollte leicht fallen“, lächelt Dr. Esin. „Schließlich macht Trainieren auch Spaß. Speziell, wenn man sieht, wie viel besser es einem danach geht.“

Wogegen hilft medizinisch kontrolliertes Muskeltraining?

Regelmäßiges Training tut jedem Menschen gut. Speziell denen, die sich nicht regelmäßig viel an frischer Luft bewegen. Wissenschaftlich erwiesen ist die positive Wirkung unter anderem bei
• Erschöpfungszuständen von KrebspatientInnen speziell nach Chemotherapie
• Bluthochdruck
• Herzproblemen (fast aller Art)
• Diabetes mellitus
• Depressionen und Angstzuständen
• verminderter Leistungsfähigkeit bei Arthritis und Fibromyalgie
• Chronischen Lungenerkrankungen (Asthma, COPD)
• zur Vorbeugung weiteren Knochenverlusts bei Osteoporose

Wo gibt es die Medizinische Trainingstherapie?

Die Wiener Gebietskrankenkasse bietet die Medizinische Trainingstherapie bei entsprechender Indikation in folgenden vier Instituten für Physikalische Medizin und Rehabilitation an:
• Gesundheitszentrum Wien-Nord: 1210 Wien, Karl-Aschenbrenner-Gasse, 3, Tel.: (01) 60-122/40236
• Gesundheitszentrum Wien-Süd: 1100 Wien, Wienerbergstraße 13, Tel.: (01) 60-122/4290
• Gesundheitszentrum Physiko: 1070 Wien, Andreasgasse 3, Tel.: (01) 601 22/15070
• Hanusch Krankenhaus: 1140 Wien, Heinrich-Collin-Straße 30, Pavillon 6, Tel.: (01) 910-21/86510

Quelle http://www.people-magazin.at/


Signatur von »Eveline« Liebe Grüße von
Eveline


Schmerz ist, was der Patient sagt, und er existiert, wann immer er es sagt.

Margo Mac Caffery 1997

:aua

Es haben sich bereits 8 Gäste bedankt.

2

Dienstag, 18. Mai 2010, 11:23

Re: Training als Medizin

Hallo Eveline,

das kann ich nur bestätigen!

Bei uns in Deutschland gibt es auch Gesundheitszentren die sich auf Menschen mit diversen Erkrankungen spezialisiert haben.

Hier wird genau geschaut was ist noch möglich und was ist das Ziel-bei vielen eben die höhere Leistungsfähigkeit.

Ich habe seitdem nur positives erlebt, leider ist es etwas teurer.

Im Moment zahle ich noch ca.35,- Euro im Monat zu, für meine Tochter etwas weniger ca.25,- nach der Rehaverordnung ca.60-65,- Euro nur für mich...

Allerdings gibt es bei uns auch eine Sauna, diverse Zusatzkurse,Höhentrainingsräume und persönlich betreutes Training von Diplom Sportlehrern und Physio's.

Ich kann nur jedem dazu raten!



Liebe Grüße

Locin32

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