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Freitag, 7. Oktober 2011, 17:08

Frauen mit Behinderung haben im Erwerbsleben größere Probleme als Männer mit Behinderung, sind häufig arm oder armutsgefährdet und haben Erfahrungen mit Gewalt gemacht. Auf den Frauengesundheitstagen fem vital 2011 wird dieses Thema im Rahmen einer Diskussionsrunde mit Betroffenen aufgegriffen.


"Frauen mit Behinderung haben ein höheres Risiko diskriminiert zu werden", sagt die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger. So liegt die Erwerbsquote behinderter Frauen mit 48% deutlich unter jener behinderter Männer (57%). Ein höheres Ausmaß der Beeinträchtigung, eine instabile Erwerbsbiografie, Vorbehalte von Dienstgebern und häufige negative persönliche Erfahrungen tragen dazu bei, dass Frauen mit einer Behinderung nicht im Arbeitsleben ankommen und in Folge arm oder zumindest armutsgefährdet sind. "Die allgemein schwierige Lebenssituation von behinderten Frauen wird zusätzlich durch häufige Gewaltübergriffe überschattet".

Frauen sind erheblich häufiger als Männer mit mobilen Beweglichkeitseinschränkungen (14,1%) konfrontiert. Sie sind auch stärker von dauerhafter Beeinträchtigung beim Sehen (4,3%) und Hören (2,7%) betroffen. Von Mehrfachbeeinträchtigungen (7,7%) sind auch vorrangig ältere, allein lebende Frauen betroffen.

Schwierige gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben

"Schwerhörigkeit kann im alltäglichen Leben weitreichende Folgen haben, die nicht immer leicht zu bewältigen sind", sagt Jutta Pisecky vom VOX-Schwerhörigenzentrum Wien. Sie will die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisieren. "Gerade die gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben ist für viele gehörlose Menschen schwierig", sagt Doris Kirchsteiger (ServiceCenter ÖGS Barrierefrei). "Die Tatsache, dass ich Frau und gehörlos bin, scheint mir in vielerlei Hinsicht als doppelte Benachteiligung. Ich hoffe, dass in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für die Situation gehörloser Menschen wächst und die Verwendung der österreichischen Gebärdensprache in allen Lebensbereichen umgesetzt wird." Sie wird gemeinsam mit anderen Betroffenen im Rahmen der fem vital bei der Diskussionsrunde "Die besonderen Bedürfnisse sinnesbehinderter Menschen" teilnehmen (Sonntag, 9. Oktober, 12.00 Uhr, Wiener Rathaus, Hauptbühne), wo über die spezielle Situation sinnesbehinderter Frauen berichtet wird.

Arbeitslose Frauen mit Behinderungen beziehen die geringsten finanziellen Leistungen - der durchschnittliche Arbeitslosengeld-Tagsatz betrug 18,90 Euro (2009). Sie bekommen seltener krankheitsbedingte Pensionen und ihr durchschnittlicher Leistungsbezug aus diesen Pensionen ist nur etwa halb so hoch wie der von Männern. Ihre Verweildauer in der Arbeitslosigkeit ist im Vergleich zu Frauen ohne Beeinträchtigung ebenfalls länger (127 Tage bei Frauen mit Behinderungen, 88 Tage bei Frauen ohne Behinderungen). Viele Frauen mit Behinderung kommen nur am zweiten oder dritten Arbeitsmarkt unter, oder aber sie "verschwinden" ohne Erwerbsarbeit im Schutz ihrer Familien bzw. in deren Abhängigkeit. (Quelle: Österreichischer Frauengesundheitsbericht 2010/2011)

Univ.-Prof.in Dr.in Wimmer-Puchinger: "Es liegt in der Verantwortung einer solidarischen Gesellschaft, Frauen mit Behinderung die notwendige Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Diese muss ausgleichend wirken und ohne Bevormundung eine chancengleiche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen."

Die Vereinten Nationen schätzen, dass im Durchschnitt 10 Prozent der Bevölkerung eine körperliche, psycho-soziale, intellektuelle oder eine Sinnesbehinderung haben. In einer Mikrozensuserhebung gaben 20,5% der Befragten an, mit einer dauerhaften Beeinträchtigung zu leben, das sind in Österreich hochgerechnet 1,7 Mio. Menschen.

Der österreichischen Stichprobe der EU-SILC-Erhebung (2008 ) zufolge leben rund 837.000 Personen in Haushalten mit Familienmitgliedern mit Behinderung. 13% dieser Haushalte leben in manifester Armut (im Gegensatz zu 6% der Gesamthaushalte), 28% kritisieren einen Mangel an gesellschaftlicher Teilhabe und 6% beklagen ein zu geringes Einkommen. Sozialleistungen wie z.B. das Pflegegeld, die Bedarfsorientierte Mindestsicherung, tragen bei Menschen mit Behinderung dazu bei, dass diese sozial abgesichert sind.

Quelle B&K Bettschart & Kofler Medien- und Kommunikationsberatungs GmbH

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Tags: Frauengesundheitstage

Kategorien: NEWS aus aller Welt - dies und das

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