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Dienstag, 28. Februar 2012, 05:51

Die interventionelle Radiologie ist ein Teilgebiet der Radiologie, welches auf die Diagnosestellung und Behandlung einer großen Bandbreite von Krankheiten durch minimal invasive perkutane Eingriffe mithilfe bildgebender Verfahren spezialisiert ist. Der wesentliche Unterschied zu operativen Verfahren ist die geringere Invasivität, da der Zugang zu dem betroffenen Gebiet über einen kleinen Hautstich ("perkutan") durchgeführt wird.

Die interventionelle Radiologie gliedert sich in zwei große Hauptanwendungsgebiete, einerseits die Behandlung von Gefäßerkrankungen aller Art und andererseits in jene von Erkrankungen außerhalb des Gefäßsystems. Man spricht hierbei auch von der vaskulären und nicht vaskulären Anwendung. Eine der häufigsten vaskulären Anwendungen ist die Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), einer Störung der arteriellen Durchblutung der Extremitäten, wie sie oft z.B. bei Diabetes-Patienten und älteren Menschen auftritt. Bei den nicht vaskulären Eingriffen zählt die perkutane bildgesteuerte Punktion von Organen und Gewebe für diagnostische Zwecke und zur Entlastung von krankhaften Flüssigkeitsansammlungen zu den häufigsten Eingriffen.
Patienten werden nach interventionell-radiologischen Eingriffen meist früher aus dem Krankenhaus entlassen und eine Vollnarkose ist in vielen Fällen nicht notwendig. Des Weiteren sind die Risiken, Schmerzen und Rekonvaleszenzzeiten wesentlich geringer als bei operativen Eingriffen.

Angiographie - Bilder mit unübertroffen hoher Auflösung

Die Angiographie ist eine wichtige Voraussetzung für die Behandlung von Gefäßerkrankungen mittels interventioneller Radiologie. Unter Angiographie versteht man jede radiologische Darstellung von Gefäßen im menschlichen Körper. Gefäßdarstellungen können nicht-invasiv - ohne direkte Punktion - mittels CT, MR oder invasiv - nach Punktion/Katheterisierung - durchgeführt werden. Die invasive Form der Angiographie wird auch als Katheterangiographie bezeichnet, das Kontrastmittel wird dabei über den Katheter direkt in das darzustellende Gefäßsystem eingespritzt.
"Der Katheter wird üblicherweise über die Leistenarterie eingeführt. Über diesen Zugang können alle Arterien im menschlichen Körper sondiert und dargestellt werden. Der Vorteil der invasiven Angiographie ist, dass sie Bilder mit unübertroffener hoher Detailauflösung liefert und eine gleichzeitige Durchführung von diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen erlaubt", fasst Univ.Prof. Dr. Werner Jaschke, Direktor der Universitätsklinik für Radiologie an der Medizinische Universität Innsbruck/TILAK, zusammen. Die Angiographie mittels CT (CTA) oder MR (MRA) dient primär der Diagnostik von Gefäßerkrankungen und wird zur Diagnosesicherung und Therapieplanung durchgeführt. Diagnostische Katheterangiographien werden nur noch sehr selten durchgeführt, weil die nicht-invasiven Darstellungsmethoden mittlerweile eine Qualität erreicht haben, welche für die meisten diagnostischen Fragestellungen ausreichend ist.

Arterielle Engstellen durch Angioplastie erweitern

Typische interventionelle Eingriffe unter Anwendung der Angiographie wären die Eröffnung von Gefäßverengungen und -Verschlüssen und die Behandlung von Blutungen und Gefäßmissbildungen wie z.B. von Aneurysmen oder Gefäßverletzungen.
Unter der Wiedereröffnung von Blutgefäßen, im Fachjargon Angioplastie, versteht man die Ballondehnung von Verengungen und Verschlüssen im arteriellen Gefäßsystem, oft in der Kombination mit der Implantation eines Stents zur Verbesserung von Langzeitergebnissen.
Der Ballonkatheter wird fast immer von der Leiste aus über einen Führungsdraht in die Stenose (Engstelle) platziert und mit einem Druck von 8-12 bar aufgeblasen, hierdurch wird die Engstelle beseitigt und eine Operation vermieden.

Neue Methode noch in der Testphase

Eine sich derzeit noch in der Testphase befindende Verwendung der Ballonkatheter sind die so genannten Medikament-freisetzenden Ballonkatheter (engl. DEB - Drug Eluting Balloons), deren Oberfläche mit einem Medikament beschichtet ist.
"Drug eluting Balloons (DEB) sind derzeit noch in der klinischen Prüfphase. Sie scheinen extrem hilfreich für die Behandlung von Rezidivstenosen (erneut auftretenden Verengungen) und auch für die Behandlung von Stenosen und Verschlüssen ohne Stents zu sein. Bei der letztgenannten Indikation sind die Langzeitergebnisse deutlich besser als mit der alleinigen Ballondehnung. Die Offenheitsrate scheint ähnlich wie nach Stentimplantation zu sein. Ein abschließendes Urteil ist jedoch derzeit noch nicht möglich", kann auch Prof. Jaschke noch keine eindeutige Aussage über die Effektivität dieser neuen Methode treffen.

Ab 1. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen

Beim 24. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 1. bis 5. März 2012 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 56.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 rund 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

Quelle Julia Patuzzi, David Zizka
Press Office - European Society of Radiology
OTS0055 2012-02-27/10:00

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Tags: Bildgebung, Interventionelle Radiologie

Kategorien: NEWS aus aller Welt - dies und das

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