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Freitag, 2. März 2012, 16:02

Auf kaum einem anderen Gebiet hat sich die Medizin in den vergangenen Jahrzehnten so rasant entwickelt wie in der bildgebenden Diagnostik. Verbesserte Diagnose bedeutet häufig auch verbesserte Therapiemöglichkeiten.

Stand bis in die 70er-Jahre im klinischen Alltag praktisch nur das Röntgenverfahren zur Verfügung, so eröffnen Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) heute Einblicke in den menschlichen Körper, von denen man noch vor wenigen Jahren nur träumen konnte. „Die Entwicklung auf dem Computersektor und die ständig wachsenden Rechnerkapazitäten haben darüber hinaus nicht nur die bessere Verwaltung und Archivierung des Bildmaterials ermöglicht, sondern auch die diagnostischen Methoden selbst erweitert“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Jörg Haller, Leiter des Zentralröntgeninstituts am Hanusch-Krankenhaus. „Computer fügen heute die Informationen aus den bildgebenden Verfahren zu dreidimensionalen Simulationen oder bewegten Filmen zusammen, die der Ärztin oder dem Arzt den Eindruck vermitteln, sie oder er könne sich nahezu frei im Körper der Patientinnen und Patienten bewegen.“

Bessere Diagnostik. Die Entwicklungen dieser Verfahren haben bei nahezu allen Erkrankungen zu einer deutlichen Verbesserung der Diagnostik beigetragen. Prim. Haller: „Dies betrifft relativ harmlose Erkrankungen und Defekte wie zum Beispiel Verletzungen und Abnützungserscheinungen an Gelenken ebenso wie bösartige Tumoren.“
Bei vielen Erkrankungen bedeutet verbesserte Diagnostik auch verbesserte Therapiemöglichkeiten und damit mehr Lebensqualität und/oder längeres Leben. Zudem sind bildgebende Verfahren für Patientinnen und Patienten weniger belastend als operative Untersuchungsmethoden wie zum Beispiel Gewebsentnahmen. Auch die mit der Diagnostik verbundenen Risiken sind geringer als etwa bei der Endoskopie.
„Signifikante Einsparungen ergeben sich vor allem durch die Einführung der digitalen Bildtechnik. Das bedeutet zwar hohe Anschaffungskosten, in der Folge jedoch eine erhebliche Kostenreduktion durch das Einsparen von Filmen und Entwicklungstechnik“, erklärt Prim. Haller.

Vernünftige Anwendung. Nicht vergessen werden sollte jedoch, dass auch die neueren Diagnostikverfahren nicht gänzlich ohne Risiken für Patientinnen und Patienten sind. Die CT ist mit einer gewissen Strahlenbelastung verbunden, die mit der Zahl der Schnitte und vor allem bei wiederholten Untersuchungen zunimmt. Darüber hinaus sind für viele CT-Untersuchungen Kontrastmittel erforderlich, die in seltenen Fällen zu schweren Unverträglichkeitsreaktionen führen können und vor allem bei eingeschränkter Nierenfunktion entsprechende Vorbereitung voraussetzen.
Die MRT kommt ohne ionisierende Strahlung aus und erfordert nur in wenigen Fällen den Ausschluss von Gefahrenquellen, die durch eisenmagnetische oder andere physikalische Eigenschaften zur Gefährdung von Patientinnen und Patienten führen können. Das betrifft beispielsweise Herzschrittmacher und andere Implantate im Körper. Ein Fragezeichen stellt der wenig untersuchte Einfluss starker Magnetfelder über drei Tesla – der Maßeinheit für die Stärke von Magnetfeldern – auf den menschlichen Körper dar.

Prof. Haller: „Daher gilt, dass auch moderne bildgebende Verfahren nur jene Regionen erfassen, wo auch eine einigermaßen hohe Wahrscheinlichkeit besteht, medizinisch relevante Daten gewinnen zu können.“ So sind etwa Ganzkörper-Untersuchungen mit CT oder MRT, wie sie von einigen privaten Instituten unkritisch für alle zahlenden Kundinnen und Kunden zu Vorsorgezwecken empfohlen werden, keineswegs unproblematisch.

Kombinierte Bildgebung. Für die Zukunft erwartet Prim. Haller den verstärkten Einsatz der sogenannten Fusions-Bildgebung, also von Verfahren, die CT oder MRT mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) kombinieren. Prim. Haller: „Wir werden aber auch noch schnellere und besser auflösende CT bekommen, die zum Beispiel eine noch genauere Darstellung kleiner Blutgefäße ermöglicht. Das ist unter anderem wichtig für die Diagnose von Veränderungen der Herzkranzgefäße. Bei der MRT erwarten wir die Entwicklung kleinerer Geräte, die es möglich machen, einzelne Regionen des Körpers wie den Kopf oder die Extremitäten zu untersuchen, ohne dass man immer das große Gerät für den ganzen Körper einsetzen muss. Sollte sich herausstellen, dass auch Magnetfelder mit mehr als drei Tesla gut verträglich sind, wird man vielleicht auch die Feldstärke noch etwas erhöhen.“ (reb)


Kasten: Bildgebende Diagnostik im Überblick

Das Röntgen ist das älteste und nach wie vor am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Es beruht auf dem Durchdringen des Körpers mit Röntgenstrahlen, die dann auf einem Film oder einem Leuchtschirm sichtbar gemacht werden. Mittlerweile wird in modernen Krankenhäusern die Filmdokumentation weitgehend durch Speicherung digitaler Datensätze ersetzt, die auch eine Nachbearbeitung erlauben. Ein wesentlicher Vorteil des digitalen Röntgens liegt in der leichteren Handhabung der digitalen Bilder im Rahmen von Informations- und Archivierungssystemen. Darüber hinaus kann mit den neuen, digitalen Röntgengeräten die Strahlenbelastung reduziert werden.

Die Computertomographie (CT) ermöglicht es, aussagekräftige Bilder von inneren Organen zu erstellen, was mit dem konventionellen Röntgen nur sehr eingeschränkt möglich ist. Techniken wie Spiral- oder Helix-CT, Mehrzeilen-CT, Dual-Source-Computertomographie und Zwei-Spektren-CT bzw. Multi-Energy-Computertomographie haben die Einsatzgebiete der Methode erheblich erweitert – inzwischen sind auch dreidimensionale Darstellungen von Organen möglich.

Bei der Magnetresonanztomographie (MRT), die auch Kernspintomographie genannt wird, werden die für die Diagnose relevanten Bilder vom Computer aus vielen Einzeldaten zusammengefügt. Ein großer Vorteil der MRT ist der Wegfall der Strahlenbelastung, zu den Nachteilen zählen nicht zuletzt deutlich längere Untersuchungszeiten. Auf Basis der MRT konnten in den letzten Jahren zahlreiche Spezialverfahren entwickelt werden, die bislang ungeahnte Einblicke in den menschlichen Körper zulassen. So können mittels Echtzeit-MRT bewegte Gelenke oder Organe filmisch dargestellt werden. Mit Hilfe der funktionellen MRT können auch Funktionen einzelner Gehirnareale sichtbar gemacht werden. Diese Methode hat entscheidende Impulse für die moderne Hirnforschung geliefert.

Mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) können biochemische und physiologische Funktionen sichtbar gemacht werden, indem die Verteilung schwach radioaktiv markierter Substanzen im Organismus abgebildet wird. Abgesehen vom Einsatz in der Forschung liegt die wesentliche Stärke der PET in der Dokumentation und im Therapie-Monitoring bösartiger Tumoren. Aufgrund der Strahlenbelastung und der hohen Kosten sollen PET-Untersuchungen nur dort durchgeführt werden, wo im Vergleich zu anderen bildgebenden Verfahren auch echte Vorteile zu erwarten sind. Kombinationsgeräte aus PET und CT, die vor allem die bessere Lokalisation der mit PET nachgewiesenen funktionellen Veränderungen liefern, sind bereits seit einigen Jahren im Einsatz.

Quelle Bettschart & Kofler Medien – und Kommunikationsberatung GmbH
PEOPLE

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Tags: Computertomographie, Magnetresonanztomographie, Positronen-Emissions-Tomographie, Röntgen, Röntgendiagnostik

Kategorien: NEWS aus aller Welt - dies und das

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