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Samstag, 3. März 2012, 10:21

Die Mammadiagnostik bringt auch gewisse Risken mit sich, die dem Radiologen bewusst sein müssen und auch klar angesprochen werden sollten, um den Patientinnen unnötige Sorgen zu ersparen, so Dr. Matthew Wallis, Experte für Brust-Bildgebung an der Cambridge Universität in England. Die Bildgebung der Brust geht einher mit dem Risiko, dass zuviel untersucht und auch zuviel diagnostiziert wird, und sie wird auch nie in der Lage sein alle Krebserkrankungen aufzuspüren, so Dr. Wallis anlässlich der Pressekonferenz zur Eröffnung der Europäischen Radiologenkongresses ECR 2012 am 1. März.

Kommunikation als Schlüsselfaktor in der Brustkrebsvorsorge

"Die behandelnden Radiologen müssen akzeptieren, dass ihre Tätigkeit nie mit der absoluten Sicherheit verbunden ist, jede einzelne Krebserkrankung zu erkennen. Wir sind verpflichtet dieses Wissen nach außen zu tragen und es unseren Patientinnen, der Bevölkerung und den zuständigen politischen Stellen zu kommunizieren. Natürlich will das nicht jeder hören, aber wenn etwas schief geht, sind die meisten Patientinnen für eine offene und ehrliche Antwort dankbar. Verärgert sind meist nur jene, die das Gefühl haben, nicht von Anfang an richtig informiert worden zu sein", plädiert Dr. Wallis für eine klare Kommunikationsstrategie bezüglich der Stärken und Schwächen in der Brustkrebsvorsorge.
Dem Radiologen stehen verschiedene zusätzliche Methoden wie Ultraschall, Tomosynthese oder MRT zur Verfügung, deren Verwendung das Gefühl gibt, alle Möglichkeiten für den jeweiligen Patienten auszuschöpfen. "Aber mit jedem zusätzlichen Test erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit etwas zu finden, das nicht zwingend Krebs sein muss", warnt Dr. Wallis.

Screening-Programme ab welchem Alter?

Auch die Frage, ob Screening-Programme für Frauen unter 50 Jahren zu einer Reduktion der Mortalitätsrate bei Brustkrebs führen würden, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Es steht fest, dass mehr Brustkrebserkrankungen diagnostiziert werden würden, allerdings sind die Vorteile für die Gesamtbevölkerung nicht klar vorhersehbar, da sich auch die Zahl der falsch positiven Befunde deutlich erhöhen würde. Ebenso muss festgehalten werden, dass je jünger die Patientinnen sind, desto niedriger ist auch das Risiko an Krebs zu erkranken.

Eindeutige Empfehlungen sind schwierig

Eine weitere Herausforderung, der die Radiologen gegenüberstehen, ist die hohe Prozentzahl an Patientinnen mit dichtem Brustgewebe (percentage of mammographic density PMD), welches die Diagnosestellung deutlich erschwert. Hierdurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, eine Krebserkrankung zu übersehen und eben auch die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Methoden hinzugezogen werden, was aber nicht immer sinnvoll ist. "Es würde zwar helfen mehr Krebserkrankungen abzuklären, aber ebenso erhöht sich wiederum die Anzahl der falsch positiven Befunde", ist sich Dr. Wallis des Dilemmas bewusst.
Der Radiologe muss sich über diese Risken im Klaren sein, diese in den einzelnen Fällen abwägen können und es auch der individuellen Patientin klar kommunizieren. Wenn nicht beide Seiten diese Faktoren verstehen, dann ist die Chance sehr hoch, dass es zu Missverständnissen kommt und Patientinnen eventuell falsche Erwartungen haben und sich vor den Kopf gestoßen fühlen, falls das Ergebnis nicht so ist, wie sie es sich erhofft haben.


Seit 1. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen

Beim 24. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 1. bis 5. März 2012 im Austria Center in Wien tauschen auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten aus, und präsentieren die neuesten Erkenntnisse der Forschung.
Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 56.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 rund 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

Quelle Julia Patuzzi, David Zizka
Press Office - European Society of Radiology
OTS0015 2012-03-03/10:00


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Tags: Brust-Bildgebung, Brustkrebsvorsorge, Mammadiagnostik, Mammographie

Kategorien: NEWS aus aller Welt - dies und das

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