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Freitag, 4. März 2011, 06:55

Seit einem Jahr ist die neue WGKK-Obfrau Mag.a Ingrid Reischl im Amt. In PEOPLE zieht sie Bilanz.


PEOPLE: Frau Obfrau Reischl, Sie arbeiten seit etwas mehr als einem Jahr in ihrem Büro am Wienerberg. Ein guter Zeitpunkt also für einen Rückblick. Sind Sie mit den Entwicklungen der WGKK im vergangenen Jahr zufrieden?

Mag.a Reischl: Ja, das Jahr 2010 hat sich absolut so entwickelt, wie wir uns das vorgenommen haben. Wir haben zum Beispiel sehr erfolgreich die vorgegebenen Finanzziele erreicht. Nach zehn Verlustjahren konnte die WGKK für 2009 erstmals einen Bilanzgewinn von 22,9 Millionen Euro ausweisen. Natürlich schlagen sich in diesem Ergebnis einige Sondereffekte des „Kassensanierungspaketes 2009“ nieder, aber auch 2010 konnten wir die positive Entwicklung fortsetzen.

Sie werden aber sicherlich Wünsche an die Gesundheitspolitik haben?


Für eine nachhaltige Finanzierung des Gesundheitssystems bedarf es einer groß angelegten Strukturreform. Wir brauchen eine klare Aufschlüsselung, wer für welche Leistungen aufkommen muss. Im Moment ist es so, dass die Politik soziale Leistungen bei uns bestellt, sich aber nicht um die Finanzierung kümmert. Das ist auf Dauer nicht tragbar. Versicherungsfremde Leistungen müssen daher in Zukunft nicht von den Kassen, sondern mit Steuergeldern bezahlt werden. Sonst ist ein gutes Gesundheitssystem auf die Dauer nicht finanzierbar.

Wie sind denn zurzeit die Beziehungen mit Ihren Vertragspartnern, zum Beispiel den Ärzten? Sie sind schließlich für ein kostenbewusstes Vorgehen bei knappen Mitteln zuständig, das bedeutet wohl auch den einen oder anderen Verteilungskonflikt?


Unsere Beziehungen zu den Vertragspartnern sind sehr gut, das zeigt sich auch in den Ergebnissen der Vertragsverhandlungen. Wir konnten die Gespräche mit der Ärztekammer positiv abschließen, und haben damit gemeinsam viele Vorteile für die Patientinnen und Patienten in den kommenden drei Jahren erreicht. Natürlich sind solche Verhandlungen immer eine Herausforderung. Wir haben ja sechs Sparziele, die von der Regierung gesetzlich verankert wurden und die wir einhalten müssen. Und diese Ziele betreffen unsere sechs Systempartner. Aber eines muss klar sein: Bei den Patientinnen und Patienten dürfen wir nicht sparen.

Ein Schwerpunkt der Arbeit der WGKK lag im vergangenen Jahr im Bereich der Prävention. Welche Projekte hat es da gegeben?


Es hat sehr viele Initiativen gegeben. Besonders stolz bin ich auf das im Herbst 2009 gestartete „Bewegt Gesund“, das wir gemeinsam mit der Initiative „Fit für Österreich“ und weiteren Partnern gestartet haben. In dem Projekt verschreiben wir Sportkurse auf Krankenschein. Das Projekt ist sehr gut angelaufen und kommt sehr vielen Menschen zugute. Auch das Programm zur „Betrieblichen Gesundheitsförderung“ haben wir stark vorangetrieben. Wir begleiten und beraten Unternehmen, die gesündere Arbeitsbedingungen schaffen. Erfolgreiche Projekte zeichnen wir zusammen mit unseren Kooperationspartnern mit einem Gütesiegel aus.

Welche Akzente hat die WGKK in der Gesundheitserziehung von Kindern gesetzt?


Man muss schon sehr früh im Leben mit der Gesundheitsförderung anfangen, weil man sich damit Verhaltensweisen antrainiert, die man ein Leben lange nicht vergisst. Im Rahmen des Projekts „Service Stelle Schule“ unterstützt die WGKK Schulen, damit sie ein gesünderer Ort für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer werden. Seit Herbst 2009 bietet das Programm auch Ernährungsberatung an und wir entwickeln zusammen mit anderen Servicestellen einen Leitfaden zur Einbindung der Eltern in den Schulalltag. Das Projekt setzt sogar schon im Kindergarten an, wo wir zum Thema Zahngesundheit beraten.

Zweimal im Jahr lädt die WGKK Versicherte zur Vorsorgeuntersuchung ein. Wie beurteilen Sie den Erfolg des Projekts?


Dieses Projekt läuft jetzt seit zwei Jahren wirklich sehr erfolgreich, auch weil wir zum Teil stark diagnosebezogen einladen.. Solche Ansätze sind sehr sinnvoll, ganz besonders in Großstädten wie Wien. Die Risiken für bestimmte Krankheiten sind in Ballungszentren immer höher als auf dem Land. Aus diesem Grund hat Wien auch ein anderes Ärzte- und Gesundheitsangebot. Aber das braucht die Bevölkerung, daran führt kein Weg vorbei.

Sind solche punktuellen Aktionen ausreichend?


Es ist zwar wichtig, dass wir als Krankenkasse in der Prävention sinnvoll ansetzen, weil wir sehr viele Menschen erreichen, aber das alleine wird nicht genügen. Was mir noch sehr fehlt sind nationale Gesundheitsziele, wo wir Programme wie „Bewegt Gesund“ oder die „Betriebliche Gesundheitsförderung“ einbauen können. Wir müssen alle an einem Strang ziehen, um die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung dauerhaft zu verbessern. Und dieses Gesamtkonzept, das fehlt noch.

Wer müsste sich am Definieren und Erreichen solcher Ziele beteiligen?


Wirklich alle: Politiker, Schulen, Interessensvertreter, Pflegeeinrichtungen, Betriebe, etc. Die Ziele selbst könnten die Gesundheitspartner gemeinsam definieren. Es gibt ja schon einige Bundesländer, die Gesundheitsziele haben, und Österreich ist nicht so groß, dass man sich da nicht einigen könnte. Wir dürfen nicht vergessen, dass wesentliche Indikatoren für die Gesundheit der Bevölkerung nicht nur die Qualität des Gesundheitssystems selbst, sondern Faktoren wie Einkommen oder Wohlstand sind. Ein männlicher Akademiker lebt länger als ein Mann mit niedrigem Ausbildungsniveau und keiner Arbeit. Das ist Fakt. Wir müssen daher wirklich über das Denken einer klassischen Krankenversicherung hinausgehen, wenn wir für die Bevölkerung eine zielgerechte Gesundheitsversorgung erreichen wollen. Die WGKK übernimmt hier sicherlich immer wieder eine Vorreiterrolle, aber insgesamt fehlt noch ein gesellschaftliches Commitment. Solche Themen werden ja nicht weniger wichtig. Oder glauben Sie, dass der Druck am Arbeitsplatz zurückgehen wird?

Themawechsel zu den chronischen Krankheiten: Mit dem Projekt „Therapie Aktiv“ erhalten Diabetiker eine intensive ärztliche Betreuung und werden besser über ihre Krankheit informiert. Wie läuft das Programm?


Mittlerweile sind mehr als 5300 Patientinnen und Patienten in das Programm eingeschrieben. Das ist ein gutes Ergebnis, es sollten aber noch viel mehr werden. Die Menschen, die daran teilnehmen, erhalten eine strukturierte Behandlung und werden dadurch auch regelmäßiger zu Kontrolluntersuchungen geschickt – wie zum Beispiel zum Augenarzt. Wir sehen bereits, dass die Patientinnen und Patienten dadurch weniger oft ins Spital müssen. Ein ganz wichtiger Aspekt bei „Therapie Aktiv“ ist zudem die Schulung der Betroffenen und damit die Hilfe zur Selbsthilfe. Faktum ist, dass sich eine zielgerichtete Behandlung immer rechnet. Deshalb kümmern wir uns auch um eine der schwerwiegenden Folgen von Diabetes – die oft über Jahre hinweg nicht heilenden Wunden, wie den offenen Fuß. Wir haben hier eine sehr erfolgreiche Initiative gesetzt: Zusammen mit dem Krankenhaus Göttlicher Heiland arbeiten wir daran, die Versorgung chronischer Wunden zu verbessern. Bei diesem Projekt zu einem integrativen Wundmanagement ist die Wundambulanz des Krankenhauses die zentrale Anlaufstelle für die Behandlung. Dort erfolgt die erste Wundversorgung und die Erstellung eines Therapieplanes, auf dessen Grundlage die Patientinnen und Patienten dann im niedergelassenen Bereich weiter betreut werden. Wobei fortlaufende Kontrollen in der Ambulanz des Krankenhauses vorgesehen sind. Durch diese dauerhafte Begleitung kann viel menschliches Leid verhindert werden, etwa ein Teil der Beinamputationen. Außerdem können wir damit Kosten sparen. Das wird für die Krankenkassen ohnehin die große Herausforderung der Zukunft: Kosten sparen und dennoch gut behandeln.

Die WGKK verfügt auch über eigene Gesundheitseinrichtungen wie das Hanusch-Krankenhaus und die Gesundheitszentren. Welche Rolle sollen die in Zukunft spielen?


Wir wollen einen Gesundheitsverbund mit dem Hanusch-Krankenhaus als Zentrale und unseren Gesundheitseinrichtungen als Satelliten. Wir bieten in den eigenen Einrichtungen eine kompakte Versorgung unter einem Dach an.. Man kann zum praktischen Arzt, Facharzt, ins Labor, zum Röntgen und meistens auch gleich zum Zahnarzt gehen. Zurzeit haben wir ein Projekt laufen, um die Qualität in den eigenen Einrichtungen weiter zu verbessern. Unser Ziel ist eine VIP-Behandlung für alle Versicherten.

Quelle PEOPLE
Bettschart & Kofler

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Tags: WGKK

Kategorien: NEWS aus aller Welt - dies und das

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