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Montag, 21. März 2011, 18:12

Präsident der NÖ Ärztekammer schließt sich der Kritik des Rechnungshofs an


Wien (OTS) - Das Ziel der Gesundheitsreformen, Leistungen vom stationären in den ambulanten bzw. vom ambulanten in den niedergelassenen Bereich zu verlagern und damit die Kostensteigerung im Gesundheitswesen einzudämmen, wurde laut dem aktuellen Rechnungshofbericht nicht erreicht. Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer, sieht mit dem Rechnungshofbericht die Haltung der verantwortlichen Politiker bestätigt: "Bei der seit Jahrzehnten verkündeten Stärkung des Versorgungsauftrags der niedergelassenen Ärzteschaft handelt es sich nur um Worthülsen. Die gelebte Gesundheitspolitik führt leider genau in die gegenteilige Richtung."


Laut dem Kurienobmann der angestellten Ärzte der NÖ Ärztekammer, Dr. Ronald Gallob, leiden die Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern seit längerer Zeit unter einer stetig wachsenden Arbeitsbelastung, und das ohne dass zusätzliches Personal zur Verfügung steht. "Alleine schon unter diesem Gesichtspunkt ist es schlecht, weiter mehr Leistungen in die Krankenhäuser zu verlagern." Er verweist jedoch ebenso wie der Rechnungshof auf die finanziellen Konsequenzen: "Die finanziellen Anreize für die Krankenhäuser führen dazu, eher im Spital aufzunehmen statt sie durch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte behandeln zu lassen. Dabei wird überhaupt nicht beachtet, dass viele ärztliche Leistungen von den Niedergelassenen kostengünstiger zu erbringen wären", so Dr. Gallob.


Die wohnortnahe Versorgung ist in Gefahr


Was für die Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern zusätzliche Arbeitsbelastung bringt, sorgt im Bereich der niedergelassenen Ärzteschaft laut Präsident Dr. Reisner für das genaue Gegenteil: "Wir haben bereits heute das Problem, genügend Nachwuchs für freiwerdende Kassenstellen zu finden. Dieser Beruf wird immer unattraktiver. Wenn wir weiterhin die Arbeitsmöglichkeiten der Kassenärztinnen und -ärzte einschränken, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn sich immer weniger Medizinerinnen und Mediziner für diese Tätigkeit interessieren", so Präsident Dr. Reisner.


Das bestehende Finanzierungssystem kann daher aus seiner Sicht zu einem "Teufelskreis" führen: "Die Leistungen immer mehr ins Spital zu verlagern treibt nicht nur die Kosten nach oben, sondern führt auch dazu, dass die wohnortnahe Versorgung immer schwieriger zu gewährleisten sein wird." Präsident Dr. Reisner wünscht sich ein abgestimmtes Finanzierungssystem für das ganze Gesundheitswesen, welches dazu führt, dass die Patientinnen und Patienten immer in der für sie optimalen Behandlungsebene versorgt werden. Was trotz enormer medizinischer Vorteile und günstiger Kosten immer weniger außerhalb der Krankenhäuser passiert. "Wer die wohnortnahe Versorgung durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sichern will, muss auch dafür sorgen, dass die Patientinnen und Patienten wenn es medizinisch sinnvoll ist dort auch behandelt werden", bringt es Präsident Dr. Reisner auf den Punkt.


Quelle OTS0144 2011-03-21/12:26

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