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Freitag, 10. Juni 2011, 19:22

In Wien hat vor Kurzem die Pilotphase eines innovativen Projekts begonnen, das die Qualität der medizinischen Betreuung weiter erhöhen soll: e-Medikation ist die zentrale Erfassung aller Medikamente, die einer Person verschrieben werden. Über die e-card können Ärztinnen und Ärzte, Krankenhäuser sowie Apotheken diese Informationen abrufen. Die Teilnahme erfolgt freiwillig.


Je nach zitierter wissenschaftlicher Untersuchung werden zwischen vier und zehn Prozent aller Krankenhausaufnahmen auf unerwünschte Wirkungen von Medikamenten zurückgeführt. Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln, die zu gefährlichen Komplikationen wie Blutungen oder Stürzen führen können, haben daran wesentlichen Anteil. Leider lässt sich die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente aber nicht immer vermeiden, gerade bei älteren Menschen.

Ärztinnen und Ärzte nützen deshalb heute genauso wie Apothekerinnen und Apotheker Computer-Datenbanken, um die Sicherheit von Verschreibungen zu überprüfen. Bisher bestand im österreichischen System jedoch der Nachteil, dass unter Umständen eine behandelnde Person nicht wusste, was die andere gerade verschrieben hatte. Kommen rezeptfreie Medikamente (sogenannte „OTC-Arzneimittel“, engl.: „over the counter“, dt.: „über die Ladentheke“) dazu, die in keinem Rezept und keiner Abrechnung aufscheinen, wird die Situation völlig unüberblickbar. Alle Beteiligten sind also auf die korrekten Informationen der Patientinnen und Patienten angewiesen. Leider ist damit nicht immer zu rechnen: Nach Unfällen, bei schwerer Erkrankung oder einfach altersbedingt sind Menschen oft nicht in der Lage, ihre Ärztinnen und Ärzte korrekt über eingenommene Medikamente zu informieren.

Pilotversuch startet in Wien.


Jetzt soll die e-Medikation mittels moderner Technologie die Sicherheit von Verschreibungen erhöhen. In Wien hat vor Kurzem die Pilotphase des Projekts begonnen. „Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) ist einer der vier Pilotpartner, gemeinsam mit dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), der Ärztekammer und der Apothekerkammer. Es war uns allen ein Anliegen, dass in Wien bei einem Pilotversuch Erfahrungen mit der e-Medikation gesammelt werden können. Unsere Beteiligung während der Pilotierungsphase liegt hauptsächlich im Bereich der Beratung und Information unserer Versicherten und unserer Vertragspartner“, sagt dazu der Ärztliche Direktor der WGKK, Prim. Prof. Mag. DDr. Reinhard Marek.

Qualitätssteigerung.


Von der e-Medikation erwartet sich Direktor Marek eine wesentliche Qualitätssteigerung im Gesundheitssystem mit direktem Nutzen für die Patientinnen und Patienten. Die Vorteile der e-Medikation beschränken sich nicht nur auf die Vermeidung von Arzneimittel-Wechselwirkungen. Schließlich sei es für den gesamten Behandlungsprozess förderlich, eine einheitliche und vollständige Darstellung der verschriebenen Arzneien als Hilfsmittel zur Hand zu haben. Prim. Marek: „Generell unterstützt eine Medikationsliste bei der Erhebung der medizinischen Vorgeschichte, vor allem in schwierigen Situationen wie bei nicht ansprechbaren oder verwirrten Patientinnen und Patienten.“ Auch wenn Ärztinnen und Ärzte eine Person nicht kennen – etwa bei Urlaubsvertretungen, bei der Erstkonsultation oder bei der Spitalsaufnahme –, ermöglicht die e-Medikation eine bessere Verordnungsqualität. Nicht zuletzt soll aber auch die sogenannte „Abgabequalität“ in der Apotheke durch Prüfung der Wechselwirkungen definierter rezeptfreier Präparate verbessert werden.

Gerade in der Pilotphase des Projekts kann die WGKK sowohl im extra- als auch im intramuralen Bereich wertvolle Erfahrung beitragen. „Durch die Erfahrungen, die wir in den beiden Bereichen innerhalb und außerhalb der Spitäler sammeln konnten, können wir dieses Wissen in das Projekt und in die Beratung der Versicherten und Vertragspartner einfließen lassen“, sagt Prim. Marek.
Datenschutz. Immer wieder werden im Zusammenhang mit der e-Medikation Bedenken in Hinblick auf Datenschutz und Privatsphäre geäußert. Unter anderem gestützt auf die Sorge, dass neben den Ärztinnen und Ärzten auch die Apotheken Informationen einsehen können, die über das Rezept hinausgehen. Doch Direktor Marek gibt Entwarnung: „Bedenken zum Datenschutz sind sehr ernst zu nehmen, gerade bei solchen sensiblen Daten. Der Datenschutz stellt eine wesentliche Voraussetzung für das Vertrauen in die e-Medikation dar. Während der Projektphase wurden deshalb die Vorgaben der Datenschutz-Kommission eingeholt und für die Pilotierungen der e-Medikation berücksichtigt. Die Teilnahme an der Pilotierung ist freiwillig und erfolgt mittels schriftlicher Zustimmung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Darüber hinaus besteht auf Wunsch der Teilnehmenden die Möglichkeit, auch einzelne Medikamente von der Teilnahme an der e-Medikation auszuschließen.“

Freiwilligkeit.


Wichtig ist nicht zuletzt, dass sich bei der e-Medikation die Prüfung nicht auf das vorliegende Rezept beschränkt, sondern alle im System gespeicherten und einer Patientin oder einem Patienten aktuell verordneten Arzneimittel sowie auch rezeptfreie Produkte einschließt. Bedeutet das nun, dass wir in Zukunft die e-card vorlegen müssen, wenn wir eine Packung Aspirin kaufen? Nur, wenn wir das auch wollen, beruhigt Prim. Marek: „Bei der Abgabe von OTC-Produkten in der Apotheke kann die teilnehmende Person diese in der e-Medikation berücksichtigen lassen. In diesem Fall wird die e-card der an der Pilotierung teilnehmenden Apothekerin oder dem an der Pilotierung teilnehmenden Apotheker übergeben. Dies gilt als Zustimmung und Willenserklärung für eine Berücksichtigung des OTC-Präparats in der e-Medikation und führt in weiterer Folge zu einer Prüfung der Wechselwirkung bei der Abgabe. Wenn keine Berücksichtigung des OTC-Präparats in der e-Medikation gewünscht wird, reicht es, die e-card einfach nicht zu übergeben. Die Abgabe des OTC-Produkts erfolgt in diesem Fall wie bisher.“

e-Rezept entlastet das System.


Ein weiterer Vorteil: Die e-Medikation soll Ärztinnen und Ärzten auch eine gewisse Kontrolle darüber ermöglichen, ob die verschriebenen Medikamente tatsächlich eingenommen werden. Selbstverständlich kann die e-Medikation nicht feststellen, ob Tabletten auch wirklich geschluckt werden oder im Müll landen. Das System registriert jedoch, ob sie wenigstens in der Apotheke abgeholt werden. Und es liefert wichtige Zusatzinformationen. Prim. Marek: „In der e-Medikation werden z. B. die Dosierung, die Packungsgrößen, ein vorgesehener Einnahmebeginn und ein vorgesehenes Einnahmeende gespeichert. Vor allem bei Dauermedikationen kann mit diesen Informationen besser erkannt werden, ob eine Patientin oder ein Patient die Vorgaben einhält, und man kann dies im Beratungsgespräch besser berücksichtigen.“

Übrigens darf die e-Medikation nicht mit einem e-Rezept verwechselt werden. „Die e-Medikation prüft im Verordnungsprozess auf mögliche Wechselwirkungen und vorhandene Mehrfachverordnungen“, sagt Prim. Marek, „das e-Rezept hingegen könnte in Zukunft das derzeitige Papierrezept ablösen, dadurch den Verwaltungsaufwand im Gesamtsystem reduzieren und damit helfen, im Gesundheitssystem Kosten zu sparen.“


Was ist e-Medikation?


Unter e-Medikation (elektronische Medikation) versteht man die Online-Prüfung von verordneten oder abgegebenen Arzneimitteln auf Wechselwirkungen und auf Mehrfachverordnungen durch Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker sowie Krankenanstalten. Jede freiwillig teilnehmende Person erhält ein „Arzneimittelkonto“. In diesem werden die von den Ärztinnen und Ärzten verordneten und von den Teilnehmenden in der Apotheke abgeholten Arzneimittel für die Dauer der Einnahme gespeichert. Die Ärztin oder der Arzt kann bei einer neuen Verordnung die aktuellen Daten abrufen und die neue Medikation prüfen. Potenzielle Wechselwirkungen und Mehrfachverordnungen werden durch die Prüfung ersichtlich und können so vermieden werden. Die Teilnahme an der e-Medikation ist freiwillig.
Das Projekt „e-Medikation“ wird vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und der Pharmazeutischen Gehaltskasse betrieben. Projektpartner sind die Österreichische Ärztekammer, die Österreichische Apothekerkammer, der Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger, die ELGA GmbH, das Bundesministerium für Gesundheit und die Bundesländer als Betreiber öffentlicher Krankenanstalten.

Quelle Bettschart & Kofler Medien – und Kommunikationsberatung GmbH
PEOPLE

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Tags: Computer-Datenbanken, e-Medikation

Kategorien: NEWS aus aller Welt - dies und das

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Von Eveline (Freitag, 10. Juni 2011, 19:03)


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