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Dienstag, 29. April 2014, 14:22

Depression ist im Blut nachweisbar

ForscherInnen der MedUni Wien haben die Möglichkeit
eines Bluttests zum Nachweis einer Depressionserkrankung
nachgewiesen. Während Bluttests für psychische Erkrankungen bis vor
kurzem noch für unmöglich gehalten wurden, zeigt eine aktuelle Studie
deutlich, dass eine Depressionsdiagnostik auf diese Art prinzipiell
möglich und in greifbare Nähe gerückt ist.


Der Serotonintransporter (SERT) ist ein Protein der Zellmembran, das
den Transport des Nervenbotenstoffs Serotonin (im Volksmund das
"Glückshormon") in die Zelle ermöglicht. Im Gehirn reguliert der
Serotonintransporter neuronale Depressionsnetzwerke. Depressive
Verstimmungen lassen sich neurochemisch häufig auf einen Mangel an
Serotonin zurückführen. Deshalb dient der Serotonintransporter auch
als Angriffspunkt für die wichtigsten Antidepressiva.

Der Serotonintransporter kommt aber auch in großer Menge in
zahlreichen anderen Organen wie dem Darm bzw. Blut vor. Studien der
vergangenen Jahre wiesen nach, dass der Serotonintransporter im Blut
genauso funktioniert wie im Hirn. Dort sorgt er an Blutplättchen für
die notwendige Serotoninkonzentration im Blutplasma.

ForscherInnen der Medizinischen Universität Wien haben nun mittels
funktioneller Magnetresonanztomographie des Gehirns und
pharmakologischer Untersuchungen nachgewiesen, dass ein enger
Zusammenhang zwischen der Serotoninaufnahmegeschwindigkeit an
Blutplättchen und der Funktion eines Depressionsnetzwerks im Gehirn
besteht.

Dieses Netzwerk wird "Default Mode Network (deutsch:
Ruhezustandsnetzwerk)" bezeichnet, weil es vor allem in Ruhe aktiv
ist und Inhalte mit starkem Selbstbezug verarbeitet. Erkenntnisse der
vergangenen Jahre konnten zudem zeigen, dass es während komplexer
Denkaufgaben aktiv unterdrückt wird, was unabdingbar für eine
ausreichende Konzentrationsleistung ist. Interessanterweise fällt es
depressiven PatientInnen schwer, dieses Netzwerk bei Denkvorgängen zu
unterdrücken, was zu negativen Gedanken und Grübeln sowie einer
schlechten Konzentrationsleistung führt.

"Dies ist die erste Studie, die die Aktivität eines bedeutenden
Depressionsnetzwerkes im Gehirn mittels eines Bluttests vorhersagen
konnte. Während Bluttests für psychische Erkrankungen bis vor kurzem
noch für unmöglich gehalten wurden, zeigt diese Studie deutlich, dass
ein Bluttest zur Depressionsdiagnostik prinzipiell möglich und in
greifbarer Nähe ist", erklärt Studienleiter Lukas Pezawas von der
Abteilung für Biologische Psychiatrie an der Universitätsklinik für
Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien. Durch dieses Ergebnis
rückt eine Depressionsdiagnostik durch Blutabnahme in greifbare Nähe.

Die Studie wurde von Christian Scharinger und Ulrich Rabl unter der
Leitung von Lukas Pezawas an der Abteilung für Biologische
Psychiatrie, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
der MedUni Wien, in Zusammenarbeit mit Gruppen des
Sonderforschungsbereiches SFB-35 und anderen Institutionen der MedUni
Wien sowie internationalen Kooperationspartnern (Technische
Universität Dresden; Zentralinstitut für Seelische Gesundheit,
Mannheim) durchgeführt. An der MedUni Wien waren neben weiteren
KollegInnen der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
das Exzellenzzentrum für Hochfeld-MR, das Klinische Institut für
Labormedizin und das Institut für Pharmakologie an der Studie
beteiligt.

Service: PLoS One

Scharinger C, Rabl U, Kasess CH, Meyer BM, Hofmaier T, Diers K,
Bartova L, Pail G, Huf W, Uzelac Z, Hartinger B, Kalcher K, Perkmann
T, Haslacher H, Meyer-Lindenberg A, Kasper S, Freissmuth M,
Windischberger C, Willeit M, Lanzenberger R, Esterbauer H, Brocke B,
Moser E, Sitte HH, Pezawas L. (2014) Platelet serotonin transporter
function predicts default-mode network activity. PLoS One 9: e92543.

Quelle OTS0045 2014-04-29/09:30

290930 Apr 14

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Tags: Depression, Serotoninmangel

Kategorien: NEWS aus aller Welt - dies und das

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