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Montag, 5. Mai 2014, 15:03

VKI: Unzulässige Arzneimittelwerbung im Zuge der Pneumokokken Kampagne

VKI gewinnt Verbandsklage gegen ÖVIH und Pfizer


Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) führt -
im Auftrag des Sozialministeriums - eine Verbandsklage gegen den
Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) sowie die
Pfizer Corporation Austria GmbH wegen der - indirekten - Bewerbung
des Pneumokokken-Impfstoffes Prevenar 13 im Zuge der Pneumokokken
Kampagne in den Jahren 2012 und 2013. Nun liegt eine Entscheidung des
Oberlandesgerichtes Wien (OLG Wien) vor, nach der die
Informationsmaßnahmen insgesamt eine unzulässige, an Laien
adressierte Werbung für ein rezeptpflichtiges Arzneimittel
darstellen, auch wenn das Arzneimittel nicht direkt genannt wird.

Der ÖVIH hatte u.a. mit Unterstützung von Pfizer eine
"Awarenesskampagne" zum Thema Pneumokokken veranstaltet. Unter der
Schlagzeile "Für Erwachsene ab 50 sind Pneumokokken Thema" gab es
u.a. Inserate in Printmedien und Werbespots in Rundfunk und
Fernsehen. Der Impfstoff war darin nicht genannt.

Gleichzeitig versandte der ÖVIH an Ärzte und Apotheker
Informationsfolder mit der Überschrift: "Pneumokokken sind Thema für
Ihre Patienten an 50!". Im selben Zeitraum bewarb Pfizer den
rezeptpflichtigen Impfstoff Prevenar 13 in der Apotheker- und der
Ärztekrone.

Die AGES berichtete für 2012 für Österreich von 255 Fällen
invasiver Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern und Erwachsenen,
davon 21 Todefälle. Von den Serotypen der 143 Erkrankten über 50
Jahren wurden die Typen bei 94 Erkrankten durch Prevenar 13
abgedeckt.

Das Oberlandesgericht Wien (OLG Wien) sieht in den
Informationsmaßnahmen eine unzulässige Werbung im Sinn des
Arzneimittelgesetzes (AMG).

Durch die breit gestreuten Informationsmaßnahmen wurde für das OLG
Wien nämlich die Gefahr einer Pneumokokken-Erkrankung ab dem 50.
Lebenjahr blickfangartig ohne Hinweis auf die statistische
Wahrscheinlickeit einer Infektion und die Zulassung von Prevenar 13
lediglich für invasive Pneumokokkenerkrankungen herausgestellt.
Gleichzeitig machte Pfizer in der Apotheker- und Ärztekrone unter
Hinweis auf die Impfaktion Werbung für den Impfstoff Prevenar 13.

Die "Informationen" waren daher so zu verstehen, dass betroffene
KonsumentInnen einen Arzt oder Apotheker konsultieren sollten, der
bereits Adressat der Werbemaßnahmen war, die ihrerseits nicht auf das
statistische Infektionsrisiko aufmerksam machten.

Es ist naheliegend, dass die in den "Informationen" verwendeten
Angaben wie z.B. "Eine Pneumokokken-Erkrankung kann ihr Leben
verändern!" angesichts der verdünnten Informationslage geeignet sind,
einen Kaufanreiz auszuüben, und zwar selbst unter Berücksichtigung,
dass der Name des Impfstoffes erst erfragt werden muss.

"Es ist erfreulich, dass durch dieses Urteil indirekter Werbung
für Arzneimittel Einhalt geboten wird", sagt Mag. Thomas Hirmke,
zuständiger Jurist im VKI. "KonsumentInnen haben nach dem Urteil
überdies Anspruch, über die Höhe des Erkrankungsrisikos der
jeweiligen Altersgruppe informiert zu werden, was für die
Entscheidung wesentlich ist."

Das Urteil ist nicht rechtskräftig und auf http://www.verbraucherrecht.at
im Volltext verfügbar.

Quelle OTS0025 2014-05-05/09:07

050907 Mai 14

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Tags: Pneumokokkenimpfstoff, Prevenar 13

Kategorien: NEWS aus aller Welt - dies und das

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